Ölz: Vorarlberger Bäckerei will aus eigener Kraft wachsen - und dabei am Boden bleiben

Bernhard Ölz, 39, hat die familieneigene Großbäckerei übernommen. Ölz ist eine der Top-Ten-Marken im heimischen Handel und will heuer um neun Prozent wachsen.

Manche wissen auch mit 30 Jahren noch nicht, was sie werden wollen. Für Bernhard Ölz, 39, hat sich diese Frage nie gestellt. „Mit neun habe ich das erste Mal im Betrieb mitgearbeitet, dann war für mich klar, dass die Bäckerei das ist, was mich interessiert.“ Alle Arten von Teig faszinierten ihn, daher lernte Bernhard Ölz wie sein Vater und sein Großvater Bäcker. Seit 1992 arbeitet er in der „Rudolf Ölz Meisterbäcker GmbH“ mit. Jetzt leitet er die Geschäftsführung des Familienbetriebs und hält auch die meisten Anteile.

Stille Top-Marke
Ölz zählt zu den Top-10-Marken im Lebensmittelhandel in Österreich. Dennoch steht das 1938 gegründete Unternehmen selten in der Öffentlichkeit, den neuen Chef kennt kaum jemand. Dabei beschäftigt Ölz knapp 800 Mitarbeiter und ist der „Erfinder“ der Back­erbsen. Von den 161 Millionen Euro Umsatz wird knapp ein Drittel im Export erzielt. Deutschland, Schweiz und Frankreich sind die wichtigsten Absatzmärkte im Ausland. „Von Vorarlberg aus ist Wien 70 Kilometer ­weiter weg als Paris“, meint ­Daniela Kapelari-Langebner, die in der Ölz-Geschäftsführung für Marketing und Vertrieb zuständig ist.

Krise war gestern
„2007 war für uns die Krise“, sagt Ölz. Damals explodierten die Kos­ten für die Rohstoffe. Mitt­lerweile läuft das Geschäft für den Nahrungsmittelproduzenten im Unterschied zu den meisten anderen Unternehmen wieder gut. 2008 stieg der Umsatz von Ölz um 15 Prozent, heuer soll das Plus 9,5 Prozent betragen. Die Eigenkapital­quote liegt bei 65 Prozent. Ertragszahlen gibt Ölz nicht mehr bekannt. 2006 gab es einen Jahresgewinn von 3,2 Millionen Euro, was einer Umsatzrendite von rund drei Prozent entsprach. An diesem Wert dürfte sich nicht viel geändert haben. „Wir sind gesund, aber keine Gewinnkaiser. Besonders ertragreich war die Lebensmittelbranche noch nie“, sagt der begeisterte Sportler Ölz.

Tagwache ab fünf Uhr früh
Sein Erfolgsgeheimnis sei, am Boden zu bleiben und mit den Mitabeitern – er ist mit allen per Du – ordentlich umzugehen. Wie es sich für einen Bäcker gehört, ist Ölz ein Frühaufsteher. Zwischen fünf und sechs Uhr ist er auf den Beinen, ab sieben im Büro. „Wenn ich in der Bäckerei etwas zu tun habe, kann ich auch um ein Uhr nachts aufstehen“, sagt Ölz. Nach der Handelsschule und der Bäckerlehre hat er in den USA am American Institute of Baking Fachwissen erworben, anschließend in Deutschland und in Wien berufsbegleitend betriebswirtschaftliche Ausbildungen absolviert. 2005 stieg Ölz beim nieder­österreichischen Kuchenhersteller Jomo mit 75 Prozent ein, seither ist Bernhard Ölz dort Geschäftsführer. „Das hat sich zufällig ergeben. Bei Jomo war die Nachfolge nicht geregelt.“ Weitere Übernahmen seien nicht im Gespräch. Ölz soll aus eigener Kraft wachsen.

Nächste Generation überlegt noch
Bernhard Ölz hat einen Sohn, Maximilian. Der Acht­jährige weiß noch nicht, was er werden will, aber hat derzeit großes Interesse an Lkws. Darum setzen sich Vater und Sohn an Samstagen oft in die Ölz-Laster und übernehmen Fahrten zwischen den beiden Produktionsstätten in Dornbirn. So lernt auch schon die nächste Generation den Familienbetrieb ein bisschen kennen.

Von Miriam Koch

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