ÖBB: Über 50-jährige Mitarbeiter sind im Schnitt 71,5 Tage im Jahr im Krankenstand

Mit Controlling wollte man die hohen Krankenstände bei den Bundesbahnen in den Griff bekommen.

Eine plötzliche Epidemie? Eine Oktober-Allergie? Auffällig ist es schon: Bei schönem Herbstwetter, so erzählen ÖBB-Insider, steige in Weinanbaugebieten die Zahl der ÖBB-Krankenstände rasant an. Andere Bahn-Krankendaten stechen ebenfalls ins Auge. So entfallen auf zehn Prozent der Bediensteten 50 Prozent der Krankenstände. Der Rechnungshof kritisierte: Über 50-Jährige kommen im Durchschnitt an 71,5 Tagen im Jahr krankheitsbedingt nicht zur Arbeit. Beim Versuch, diese Missstände in den Griff zu kriegen, haben die ÖBB weniger Möglichkeiten als andere Unternehmen, denn ein Großteil der Mitarbeiter ist unkündbar. Deswegen wurde ein Krankenstands-Controlling eingeführt: Beförderungen wurden etwa von der Zahl der Abwesenheitstage abhängig gemacht – und die Ursachen von Krankenständen dokumentiert.

Aus Fehlern lernen
Dass man damit Menschenrechte verletzt, war den ÖBB-Verantwortlichen laut eigenen Aussagen nicht bewusst. Die Krankenakten waren zwar Thema einer Aufsichtsratssitzung im Mai 2008, gerieten dann aber wieder in Vergessenheit. Bis vor wenigen Tagen. ÖBB-Betriebsratschef Wilhelm Haberzettl (im Bild) machte Druck, damit der Fall aufgeklärt wird. Er wollte zunächst den Vorstand zur Verantwortung ziehen. Nun ist er doch wieder auf mehr Ruhe bei der Bahn bedacht. Im Management haben sich einige mit ihm solidarisiert, was der Bahn-Führung die Schlagkraft genommen hat. Das Problem der Krankenstände soll nun anders gelöst werden. Offen ist, wie. Im ÖBB-Computer ist es nicht mehr möglich, den Krankenstandsgrund einzutragen, auch wenn dies ein Mitarbeiter selbst wünscht.

Von Miriam Koch

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