Nur um den Preis wird noch gefeilscht: Fonds-Anbieter C-Quadrat vor dem Verkauf

Der Wiener Fonds-Anbieter soll an die britische Investmentgesellschaft F&C veräußert werden. Damit verliert Karl-Heinz Grasser seinen Job als Aufsichtsratspräsident.

Mit dem Gedanken spielen sie schon lange. Bereits Anfang des Jahres äußerten Alexander Schütz und Thomas Riess gegenüber Freunden, sich von ihren Anteilen an dem bekannten österreichischen Fonds-Anbieter C-Quadrat trennen zu wollen. Seit einem halben Jahr verhandeln die beiden schon mit Foreign & Colonial, einer britischen Investmentgesellschaft – und stehen jetzt kurz vor einer Einigung: Noch vor Weihnachten soll C-Quadrat an die Briten gehen. Allein um den Kaufpreis wird noch gefeilscht. „Wir sind optimistisch, den Zeitplan einhalten zu können“, heißt es aus Verhandlerkreisen. Und Riess erklärt vielsagend: „Ich darf dazu nichts sagen.“ Sobald der Deal durch ist, will F&C auch den Kleinaktionären ein Übernahmeangebot legen.

F&C will nur Marktpreis zahlen
Die in London ansässige Gesellschaft will in jedem Fall eine Mehrheitsbeteiligung und wird neben den Anteilen von Schütz und Riess (über Privatstiftungen halten sie laut Firmenbuch 23,7 bzw. 23,3 Prozent) auch das Paket der Kärntner Finanzfirma AvW übernehmen. Über diese 32,6 Prozent verfügt nun die Grazer ­Capital Bank, nachdem AvW heuer in Schwierigkeiten geraten war. Die Briten verhandeln direkt mit der Capital Bank, AvW ist nicht eingebunden. Nach aktuellem Börsenkurs ist C-Quadrat 43,5 Millionen Euro wert. Im Jahr 2007 waren es noch 190 Millionen. Und eben da liegt das Problem, das es noch zu lösen gilt: F&C will nicht über dem aktuellen Marktpreis zahlen. Die Anteile von Schütz, Riess und AvW – insgesamt 79,6 Prozent – sind den Briten also nur 35 Millionen Euro wert. Während sich Riess und Capital Bank nach den zähen Verhandlungen damit abgefunden haben und mit dem Kaufpreis einverstanden sind, versucht Schütz für sein Paket einen besseren Preis herauszuschlagen. Er soll mindestens 20 Prozent mehr wollen als die anderen. Kommt es zu keiner Einigung mit Schütz, könnte der Deal noch im letzten Augenblick platzen. Ein Szenario, von dem alle Beteiligten hoffen, dass es nicht eintritt.

Riess will raus, Grasser muss gehen
Vor allem Riess würde das treffen. Der als besonnen geltende Manager will aus C-Quadrat so schnell wie möglich aussteigen. Er sei erschöpft und mit Partner Schütz oft uneins, heißt es aus dem Unternehmen. Auch der für seinen extravaganten Lebensstil bekannte Schütz – er liebt Luxus-immobilien, Nobelautos und Yachten – würde einen warmen Geldregen durchaus begrüßen. Doch er pokert. Obwohl ihm das Geschäft ebenfalls nicht mehr so richtig Spaß macht: 2008 rutschte C-Quadrat tief in die roten Zahlen und fuhr einen Verlust von 11,6 Millionen Euro ein. Im dritten Quartal 2009 konnte sich das in Wien und Frankfurt notierte Unternehmen wieder etwas erholen. Dass Exfinanzminister Karl-Heinz Grasser nach der Übernahme seinen Job als Aufsichtsratspräsident verlieren soll, freut intern viele: „Er hat uns nie viel gebracht.“ Zwar habe er gute Kontakte, doch hätten seine Auftritte C-Quadrat geschadet. „Als Finanzdienstleister muss man diskret sein und darf sein Privatleben nicht öffentlich zur Schau stellen.“ Auch die Causa Buwog habe geschadet.

Silvia Jelincic

Im Bild: Thomas Riess, Karl-Heinz Grasser und Alexander Schütz im Jahr 2007 (v. l.)

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