Noch nie zuvor wurde in Wien so viel Geld für Luxusresidenzen ausgegeben

Die Krise ist offenbar vorbei: In Wiens City boomen sündteure Wohnprojekte mit astronomischen Quadratmeterpreisen bis zu 20.000 Euro. Die Nachfrage nach den Nobelherbergen ist enorm.

Ein Aufzug, der direkt ins Appartement führt. Eine Tür, die den Wohnungseigentümer am Handabdruck erkennt. Ein persönlicher Berater, der für Komfort und Wohlbefinden sorgt. Das ist das Leben im Luxus, das Immobilienunternehmer Daniel Jelitzka seiner erlesenen Klientel am Hohen Markt 12 in der Wiener Innenstadt bieten will.

Gemeinsam mit Investor Michael Tojner hat Jelitzka das schmucke Haus neben der berühmten „Anker-Uhr“ erworben, um daraus einen Prunkpalast zu zimmern. „Nach außen wird sich kaum etwas ändern, aber innen ist Luxus pur angesagt“, so Jelitzka, Chef und Eigentümer von JP Immobilien. 32 Millionen Euro haben die beiden befreundeten Unternehmer für das Jahrhundertwendehaus in bester City-Lage auf den Tisch gelegt – ein Investment, das sich lohnt.

Ansturm auf Nobelherbergen

Noch nie zuvor wurde in Wien so viel Geld für Luxusresidenzen ausgegeben. Nur vereinzelt gab es in der Innenstadt schon ähnlich hohe Preise, die magische Schallmauer von 20.000 Euro wird jetzt aber endgültig durchbrochen. Neben Tojner und Jelitzka peilen auch andere Anbieter astronomisch hohe Quadratmeterpreise an. Dabei waren solche Summen noch vor kurzem undenkbar. Immerhin ist es erst sechs Jahre her, dass die damalige 10.000-Euro-Hürde bei einem Wohnprojekt am Kohlmarkt überschritten wurde.

Die Nachfrage nach Luxusimmobilien wächst trotz – oder gerade ob – der steigenden Preise. „In Zeiten instabiler Finanzmärkte bevorzugen Investoren die langfristige Werthaltigkeit von Immobilien. Gerade bei Luxusobjekten, die ja nur begrenzt vorhanden sind, ist eine stabile Wertentwicklung gegeben“, sagt Christian Jonak von der Zinshausgesellschaft conwert. Kein Wunder, dass immer mehr Immobilienentwickler in den Luxusmarkt drängen, um millionenschwere Projekte zu realisieren. „Je größer und besser das Angebot, desto mehr Kundeninteresse kann geweckt werden“, so Jonak.

So baut die Seeste AG das denkmalgeschützte ehemalige Telegrafenamt am Schillerplatz zu noblen Appartements um. Die Penthäuser werden dort bis zu 17.000 Euro kosten; die conwert wartet gleich mit drei Luxusprojekten in der Innenstadt auf (siehe oben).

Irre Preise

Jelitzka wird am Hohen Markt rund 6.000 Quadratmeter Wohnfläche verbauen – dennoch soll es nur 24 Appartements geben. „Sonst wäre es nichts Besonderes“, meint der Unternehmer. Allein das Penthouse wird sich über 500 Quadratmeter erstrecken. Arkan Zeytinoglu, der unter anderem den Österreich-Pavillon für die Expo 2010 in Shanghai konzipierte, zeichnet für die Architektur verantwortlich: Riesige Badezimmer mit Sauna und großen Wannen ähneln Spa-Zonen in Hotel anlagen, die Küchen sind teils so geräumig, dass ganze Catering-Teams darin Platz finden, und die Terrassen haben sogar Speiselifte. „Auch die Audio- und Videoverkabelung wird höchsten Ansprüchen genügen. Beim Zähneputzen soll der Besitzer schon morgens Bloomberg TV sehen können“, sagt Jelitzka.

Wichtigstes Preiskriterium ist neben der Ausstattung die Location. „Die Mikro-Lage einer Wohnung ist entscheidend. Nur weil ein Appartement in der Innenstadt liegt, rechtfertigt das keinen extrem hohen Preis. Es macht einen Unterschied, ob die Wohnung auf einen schönen Platz mit Ausblick gerichtet ist, oder nur in den Hof hinaus“, erklärt Luxusmakler Horst Schwarzenberg von Colliers Columbus.

Die Russen sind zurück

Doch auch ohne Blick in die Ferne verkaufen sich Appartements in der Wiener City praktisch von selbst. „Das Interesse an unseren ist sehr groß – und das, obwohl sie noch nicht einmal offiziell auf dem Markt sind“, sagt Jelitzka. Gut die Hälfte seiner Interessenten kommt aus dem Ausland – darunter in der Bundeshauptstadt Mitarbeiter internationaler Konzerne. Beinahe alle Käufer nutzen ihre Luxuswohnung selbst. „Auch Russen sind nach einer kurzen Unterbrechung wieder stark auf der Kundenseite anzutreffen“, so Makler Schwarzenberg.

Ein Russe ist in Österreich jedenfalls schon seit Jahren auch unternehmerisch aktiv: Oligarch Oleg Deripaska verkauft über seine Firma Basic Elements in Wien Luxuswohnungen in der Riemergasse mit bis zu 300 Quadratmetern Wohnfläche.

Wie Jelitzka sagt, wollen die Reichen aber mehr als „nur“ viel Platz. Demnach sehe er sich schon seit mindestens fünf Jahren als Anbieter umfassender Dienstleistungen: „Wir stellen kostenlos Berater zur Verfügung, die Käufern unter anderem Tipps geben, wo man in Wien gut essen kann, wo die besten Einkaufsadressen sind und wie Behördenwege möglichst schnell zu erledigen sind.“ Auch conwert bietet für seine in Planung befindlichen Wiener Penthäuser zwischen Ringstraße und Künstlerhaus das Concierge-Service des Fünfsternehotels The Ring.

Vor allem das Thema Sicherheit beschäftigt die feine Klientel zunehmend. Moderne Zutrittssysteme, Video- und Kameraüberwachung werden in Kooperation mit namhaften Spezialisten angeboten. „Darüber hinaus richten wir das Appartement auf Wunsch ein“, sagt Jelitzka – ein Trend, auf den auch seine Mitbewerber setzen.

Die steigende Nachfrage nach so viel Luxus kommt keineswegs überraschend, zumal eine hohe Zahl von Österreichern offenbar gut bei Kasse ist. Denn während die Mittelschicht unter Wirtschaftskrise und Steuerlast ächzt, ist bei den Reichen des Landes wieder Partystimmung angesagt: 2009 ist die Zahl der Millionäre laut einem Bericht der Investmentgesellschaft Valluga um elf Prozent auf aktuell 68.900 gestiegen. Insgesamt sitzen sie somit auf 210 Milliarden Euro Vermögen.

Wien steht bei Immobilieninvestments auch international hoch im Kurs. Denn im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen sind 20.000 Euro pro Quadratmeter keineswegs vermessen. Laut einer Studie von Knight Frank kostet der Quadratmeter in Pariser Top-Lage im Schnitt 25.000 Euro, in London 33.000 und in Monaco sogar satte 44.000 Euro. „An das Preisniveau von London und Monaco werden wir aber trotz der hohen Lebensqualität nie herankommen“, sagt Luxusmakler Eugen Otto von Otto Immobilien.

Deutlich günstiger ist es da schon in der Wohllebengasse in Wien-Wieden, wo Jelitzka Wohnungen in einem Palais verkauft. Der Quadratmeter kostet dort bis zu 7.500 Euro. 19 Wohnungen zählt das stilvolle Gemäuer, ein Gutteil der Appartements sei allerdings schon verkauft, sagt der Immobilienunternehmer, der selbst allerdings in keinem Palais residiert.

So zieht er mit seiner Familie gerade aus dem ersten in den siebten Bezirk, für ihn sei die Lebensqualität dort einfach höher. Sein eigenes Haus in der Wiener Innenstadt will er aber nicht verkaufen.

– Silvia Jelincic, Barbara Nothegger

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