Niki Lauda im Interview mit FORMAT:
"Gott sei Dank bin ich eine Marke"

Niki Lauda über die Erfolgsmasche Ruhm, seinen Werbewert, seine Zugkraft bei Frauen – und den Wunsch, bei der AUA zu landen.

Format: Sie werden am 22. Februar 60 Jahre alt. Wieso funktioniert die ­Marke Niki Lauda jahrzehntelang?
Lauda: Weiß ich auch nicht genau. Es ist wohl die Kombination aus Rennfahren, Aufbau einer Airline und dem RTL-Job, den ich seit zehn Jahren habe. Zum Glück hält meine Popularität an.
Format: Das heißt, Sie haben sich als Marke selbst gezielt aufgebaut?
Lauda: Eigentlich nicht. Nach der ­Formel 1 wollte ich meine Ruhe haben und in Freiheit leben.
Format: Wieso dann „zum Glück“?
Lauda: Weil es meiner Airline Pas­sagiere bringt. NIKI hat fünf Millionen Euro Marketingbudget. Ohne meinen Namen würde man das Doppelte brauchen. Ich wäre ja blöd gewesen, meine Airline Pepi Müller zu nennen.

"Einheit mit Kappe"
Format: Außerdem verdienen Sie als lebende Litfaßsäule auch gutes Geld. Kapperl-Sponsor Oerlikon zahlt Ihnen über eine Million Euro pro Jahr.
Lauda: Da wird genau gerechnet, wie lange ich im Fernsehen bin. Ich bin der einzige Mensch auf der Welt, der eine Einheit mit seiner Kappe ist, weil sie mein Aussehen nach den Verbrennungen verbirgt. Deshalb akzeptieren die TV-Sender, dass meine Kappe immer oben bleibt. Andere müssen alles ablegen, was Schleichwerbung sein könnte.
Format: Hatten Sie nicht Angebote, Ihr Aussehen operativ zu verändern?
Lauda: Ich habe Schönheitsoperationen immer abgelehnt. Es wollten sich etliche Ärzte auf meine Kosten in Szene setzen und an meinem Ohr herumschnitzen.

Keine verkaufte Hochzeit
Format: Nehmen Sie öfter Geld ­dafür, öffentlich aufzutreten?
Lauda: Ich lasse mich nicht für den ­Be­such von Events bezahlen und habe noch nie im Leben Geld von Illustrierten genommen. Ich würde es abscheulich finden, meine Hochzeit zu verkaufen und mich dann aufführen zu müssen, wie die wollen. Diese Art von Geschäft entspricht weder meinem ­Charakter noch meiner Ethik.
Format: Leute wie Brad Pitt und ­Angelina Jolie spenden Einkünfte daraus meist für einen guten Zweck.
Lauda: Ich spende auch – zum ­Beispiel für „Licht ins Dunkel“.
Format: Wie viel muss auf den Tisch legen, wer mit Lauda werben will?
Lauda: Über Zahlen rede ich nicht. Wichtiger ist, dass ein Produkt zu mir passt, wie das bei A1 der Fall ist. Bei Oerlikon gibt es den Zusammenhang Hightech, und der Paketdienst Hermes tritt gegen die Post an. Da bin ich als Gegner von Monopolen der Richtige.

"Lehne 90 Prozent der Angebote ab"
Format: Könnten Sie nicht mehr mit Werbung verdienen, auch mit 60 noch?
Lauda: Ich könnte viel mehr verdienen. Ich kriege fast täglich Angebote und lehne 90 Prozent ab. Für ein Häuslpapier würde ich mich nie hinstellen.
Format: Haben Sie Milch getrunken, als Parmalat auf Ihrem Kapperl stand?
Lauda: Zu Formel-1-Zeiten habe ich viel Milch getrunken, jetzt nicht mehr.
Format: Geht es bei Ihrer Image­pflege wirklich nur um die Airline oder auch um die persönliche Eitelkeit?
Lauda: Eitel war ich nie, sonst hätte ich mit meinem Aussehen die größten Probleme. Aber Gott sei Dank bin ich eine Marke, sonst wäre die Lauda Air in Österreich nie hochgekommen. Die Medien haben mir immer eine Plattform gegeben, obwohl ich ein absoluter Nicht-Netzwerker bin – dafür ehrlich und geradlinig. Ohne diese Möglichkeit, mir Gehör zu verschaffen, hätten mich die AUA und das ganze politische System seinerzeit vernichtet.

"Ecke mit Schwarz-Weiß-Denken an"
Format: Letztlich haben die AUA-Chefs Sie trotz Ihres Namens verjagt …
Lauda: Stimmt. Aber die AUA verwendet immer noch die Lauda Air für den Charter, weil die Reisebüros das so wollen, weil die Marke besser auf­geladen ist. Und es spricht auch für die Marke, dass es immer noch eingefleischte Lauda-Leute in der AUA gibt.
Format: Für die meisten dort sind Sie eher der böse Wolf als das Rotkäppchen.
Lauda: Die meisten der 8.000 AUA-Mitarbeiter verstehen mich nicht. Ich ecke an, weil ich schwarz-weiß denke und keine Grauschattierungen zulasse: gut ist gut, schlecht ist schlecht. Und weil auch NIKI wieder erfolgreich ist, wird die Aggression noch größer. Mir scheint, bei der AUA sind immer alle anderen schuld. Das ist typisch. Ich würde mich halt fragen, ob wirklich die anderen so blöd sind, wenn ich ewig kein Geld verdiene. Im Gegensatz zur AUA versuche ich, einen Fehler immer nur einmal zu machen.

"AUA wird schrumpfen"
Format: Sie bekämpfen jetzt vehement den AUA-Deal mit der Lufthansa …
Lauda: Ja, das ist eine unglaubliche Wettbewerbsverzerrung. Mein Name hilft mir, Termine bei den Politikern zu kriegen, und das muss ich nutzen.
Format: Mit Erfolg?
Lauda: Man hört mich an. Ich kann die Probleme auf den Punkt bringen – und hoffe schon, dass einmal jemand sagt: So blöd hat der sein Airline-­Geschäft ja gar nicht gemacht.
Format: Heißt das, Sie wollen irgendwie bei der AUA landen?
Lauda: Die AUA wird mit oder ohne Lufthansa schrumpfen und Jobs abbauen müssen. Das gehört einmal ehrlich gesagt. Außerdem, so behaupte ich, wird die EU eine massive Redimensionierung verlangen. Dann fliegt die halbe AUA gegen eine NIKI mit bald 20 Fliegern: Eine absurde Situation – oder nicht?
Format: Also doch: Sie wollen sich mit der AUA zusammentun?
Lauda: Das ist nicht meine Entscheidung. Ich werde jede Chancen nutzen, mein Wachstum zu beschleunigen. Vielleicht fängt dann einer an nachzudenken, was die beste Lösung für Österreich ist.

"Will kein Verdienstkreuz"
Format: Vielleicht kriegen Sie ja ­sogar ein Verdienstkreuz zum 60er?
Lauda: Ich will kein Verdienstkreuz und keine Orden vom Staat. So was passt ganz sicher nicht zu meiner Marke.
Format: Apropos Marke. Die Popularität bescherte Ihnen auch viel Erfolge bei den Frauen. Wie steht es heute damit?
Lauda: Ich habe vor fünf Jahren meine Birgit kennen gelernt und bin seit einem halben Jahr verheiratet. Das ist mir heute wichtig.
Format: Sie tragen keinen Ehering?
Lauda: Nein, aber das heißt gar nichts. Die Birgit trägt zwei: ihren und meinen.
Format: Und wie werden Sie Ihren Geburtstag feiern?
Lauda: Am liebsten gar nicht. Aber die Birgit hat gemeint, so geht das nicht. Jetzt feiern wir mit der Marlene, meiner Exfrau, mit meinen Söhnen Lukas und Matthias, mit dem engsten Freundeskreis und mit unseren Hunden auf Ibiza.
Je weniger Leute, umso besser.

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