Niedermeyer: „Man müsste bei Null beginnen“

Niedermeyer: „Man müsste bei Null beginnen“

FORMAT: Herr Niedermeyer, sind Sie überrascht, dass der Firma Niedermeyer so viel Solidarität, etwa auf Facebook, entgegen gebracht wird?

Christian Niedermeyer: Die Österreicher schätzen eben Traditionsunternehmen wie Niemetz oder Niedermeyer. Obwohl ich das Unternehmen schon vor langer Zeit verkauft habe, können Sie sich gar nicht vorstellen, wie oft ich heute noch auf den alten Slogan „Wie macht das der Niedermeyer?“ angesprochen werde.

Würde es Sie stören, wenn der Name „Niedermeyer“ ganz aus der Geschäftswelt verschwände?

Niedermeyer: Eigentlich nicht. Es würde mir für die Mitarbeiter zwar leid tun, meine eigene Lebensqualität ist dadurch aber kaum beeinträchtigt. Wenn Sie mich das vor 14 Jahren gefragt hätten, dann hätte ich anders reagiert. Ich habe ja lange Jahre sogar mit meinem gesamten Privatvermögen für Niedermeyer gehaftet. Damals hätte ein Untergang des Unternehmens schreckliche Konsequenzen für mich gehabt.

Wurden Sie von der Pleite überrascht?

Niedermeyer: Niemand, der regelmäßig Filialen besucht hat, kann von der Pleite überrascht worden sein. Die Verkäufer in den Filialen waren unglaublich demotiviert. Dabei war uns die Ausbildung der Mitarbeiter immer ein großes Anliegen. Sie mussten eine mehrjährige Niedermeyer-Akademie absolvieren und jeder, der sie geschafft hat, war stolz. Außerdem haben wir in jede Filiale alle zwei Wochen Mystery Shopper geschickt. Ich habe jeden Testbericht darüber selbst gelesen.

Wem geben Sie die Schuld daran, dass Niedermeyer so abgewirtschaftet hat?

Niedermeyer: Schwer zu sagen. Ich habe auch ein bisschen den Überblick bei all den Eigentümerwechseln verloren. Aber ich denke, die Manager waren zu selten persönlich in den Filialen anwesend. Gerade das darf man aber nicht delegieren. Das klingt jetzt nach Binsenweisheit, aber so funktioniert Handel. Der Hartlauer macht das nicht schlecht.

Würden Sie nicht noch einmal gerne die Ärmel hochkrempeln und das Ruder herumreißen?

Niedermeyer: Das wäre mir zu anstrengend. Man müsste bei Niedermeyer ja praktisch bei Null beginnen. Die besten Filialen wurden verscherbelt, das Geld ist bei der Renovierung von anderen Geschäften verpufft und am Niveau der Verkäufer müsste man intensiv arbeiten.

Haben Sie sich also komplett aus dem Geschäftsleben zurückgezogen?

Niedermeyer: Nicht ganz. Es gibt immer wieder Projekte, die ich gemeinsam mit meiner Frau realisiere. Wie zuletzt, als wir einen Magazin-Verlag, an dem wir uns vor ein paar Jahren beteiligt habe, mit schönem Gewinn verkauft haben. Auch ein paar Immobilienprojekte sind ganz gut gelaufen. Ich kann nicht klagen, unter dem Strich steht bei mir sicher ein Plus.

Ihre Immobilieninvestments sind aber nicht immer so gut gelaufen. Bei Immofinanz haben Sie ja Millionen verloren ...

Niedermeyer: Es geht dabei um zwei Millionen Euro, die aber noch Gegenstand eines Prozesses sind. Aber es stimmt schon, ich habe mich damals durch die scheinbare Seriosität der Herrn Petrikovics und Gertner blenden lassen. Aber ich war ja nicht der Einzige. Seither investiere ich lieber direkt in Immobilien und nicht mehr in Aktien.

Mit welchen Gefühlen beobachten Sie denn nun das Immofinanz-Strafverfahren?

Niedermeyer: Ich möchte vorwegschicken: Es gilt für alle die Unschuldsvermutung. Meine Meinung dazu ist, dass die Gier mit den Hauptakteuren durchgegangen sein dürfte. Ein ursprünglich gutes Business-Modell ist dadurch im Laufe der Zeit missbraucht worden.

Würden Sie einen Freispruch von Petrikovics für fair halten?

Niedermeyer: Nein, aber ich will dem Gericht nicht vorgreifen.

Haben Sie aus Ihren Erfahrungen bei Immofinanz irgendwelche Lehren gezogen?

Niedermeyer: Ich war bei meinen Investments immer schon sehr vorsichtig und misstrauisch. Eine Steigerung war praktisch nicht möglich. Bei mir war ja in der Vergangenheit eher das Gegenteil der Fall: Wäre ich risikobereiter gewesen, hätte ich viel erfolgreicher sein können. Aber dazu hat es mir leider an Mut gefehlt.

Was genau meinen Sie?

Niedermeyer: Zum Beispiel hat man mich nach dem Verkauf von Niedermeyer gefragt, ob ich bei der bulgarischen Mobiltel, die später an die Telekom Austria verkauft wurde, investieren möchte. Mir erschien das damals zu riskant. Heute wissen wir, was das für ein Bombengeschäft für alle Beteiligten war. Oder Ronny Pecik wollte, dass ich bei Oerlikon mitmache. Beim richtigen Ausstiegszeitpunkt hat sich das Investment verzehnfacht. Richtig reich wird man nur, wenn man große Risikobereitschaft beweist.

Sie würden sich selbst also nicht als „richtig reich“ bezeichnen?

Niedermeyer: Nein, aber ich bin zufrieden mit dem, was ich habe und kann damit gut leben.

Apropos reich: Was halten Sie davon, die Reichen mehr zur Kasse zu bitten?

Niedermeyer: Wenn die Steuergelder sinnvoller eingesetzt würden, dann könnte man darüber nachdenken. Solange aber Steuergeld verbrannt wird – Stichwort Eurofighter, dann tue ich mir bei der Steuermoral schon schwer. Die Politik muss aber mehr auf das soziale Gleichgewicht achten, schon allein um Unruhen, wie man sie etwa aktuell in Spanien sieht, zu verhindern.

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