Neustart bei Niedermeyer: Neo-Chef soll angeschlagene Handelskette flott­machen

Machtwechsel bei der Elektrohandelskette Niedermeyer. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem künftigen Chef Werner Weber, einem Exmanager aus der Taus-Gruppe.

Die Geschichte der Elektrohandelskette Niedermeyer endet im Jahr 2004 mit dem Einstieg des Sanierers Erhard Grossnigg. Zumindest auf der Homepage. Tatsächlich hat sich in den letzten Jahren viel getan: Es wurde restrukturiert, saniert, und es gab auch – von der Öffentlichkeit meist unbemerkt – mehrere Besitzerwechsel. Jetzt versucht das Unternehmen mit neuem Geschäftsführer und frischem Geld wieder einen Neustart.

Neuer Mann, neue Hoffnung
Der Mann, auf dem diesmal alle Hoffnungen ruhen, heißt Werner Weber (im Bild) und hat für seine 39 Jahre schon einen beachtlichen Track Record aufzuweisen: Insgesamt zehn Jahre fungierte er als Vorstand der Management Trust Holding von Josef Taus. Neben dessen Schwiegersohn Martin Waldhäusl zeichnete er für die Sanierung der Papierhandelsketten Libro und Pagro verantwortlich. Auch im Elektrohandel konnte Weber als Geschäftsführer von Makro Markt Erfahrungen sammeln. Diese sollen ihm jetzt beim Relaunch von Niedermeyer helfen. „Wichtig ist eine klare Positionierung des Unternehmens“, meint Weber. Geplant ist eine Straffung des Sortiments, der Fokus soll künftig auf Mobilfunk, Computern und Fotografie liegen. Auch die Beratung in den rund 100 Filialen soll verstärkt werden.

Drückender Schuldenberg
Webers Job wird sicher kein Spaziergang, denn die Elektrokette steckt trotz vieler Sanierungsversuche noch immer in der Krise. Im Vorjahr gingen die Umsätze von 170 auf 146 Millionen Euro deutlich zurück, die Schulden blieben mit rund 26 Millionen Euro konstant hoch. Lediglich das Ergebnis drehte von minus acht Millionen Euro im Jahr 2007 auf eine schwarze Null. Was aber wohl auch daran lag, dass unter dem aktuellen Eigentümer, der VMS-Delta Holding, einige lukrative Standorte, wie jener am Neuen Markt in der Wiener Innenstadt, verkauft wurden. Der Hauptgläubiger Erste Bank wurde in letzter Zeit immer unruhiger und hat bereits angedroht, die Kredite fällig zu stellen. Mit dem Neustart von Weber ist das Schlimmste vorerst abgewendet, denn der Ex-Taus-Manager bringt auch eigenes Geld mit, das in die Elektrohandelskette fließt: „Ich werde mehr als 25 Prozent am Unternehmen kaufen und bringe darüber hinaus noch Finanzinvestoren mit.“ Webers Exarbeitgeber Josef Taus ist nicht dar­unter, verlautet aus Eigentümerkreisen, obwohl sich dieser eine Zeit lang sehr für das Unternehmen interessiert hat. Aber: „Das Angebot von Taus war nicht lukrativ genug“, meint ein Insider.

Gemischte Niederkofler-Bilanz
An Niedermeyer beteiligt bleibt die aus Erhard Grossniggs Reich hervorgegangene VMS-Gruppe, die auch die Autozubehörkette Forstinger kaufen will – und auch dort mit der Erste Bank im Clinch liegt. Sanierer Paul Niederkofler, der ehemalige Partner von Grossnigg, steigt bei Niedermeyer aus und hat seine Anteile verkauft. Interimistisch führt Walter Dienstl die Geschäfte. „Niederkoflers Engagement war nicht von Erfolg gekrönt. Vor allem der Verkauf mehrerer lukrativer Standorte ist bei einigen Aktionären nicht unbedingt auf Gegenliebe gestoßen“, berichtet ein Vertreter der restlichen Gesellschafter. Niederkofler selbst sieht das naturgemäß anders: „Unsere Erwartungen sind nicht in vollem Umfang eingetreten, das Unternehmen ist aber auf einem guten Weg.“ Als Beweis dafür verweist er auch auf das Ergebnis für 2009, das erneut positiv ausfallen soll.

Kein weiterer Stellenabbau
Aufatmen heißt es für die rund 750 Beschäftigten in den Niedermeyer-Filialen. Nachdem im Vorjahr ein Zehntel der Belegschaft abgebaut wurde, hat das Schrumpfen jetzt ein Ende, verspricht Weber: „Wir werden zwar die Abläufe professionalisieren, aber sicher nicht schrumpfen oder konsolidieren.“ Auch das gelb-blaue Firmenlogo von Niedermeyer soll den Neustart überleben, allerdings: „Es wird schon ein Facelifting geben. Wir wollen moderner und trendiger werden, aber sicher nicht schrill und schräg“, verspricht Weber.

Von Angelika Kramer

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