Neuer Telekom-Aktionär América Móvil

Neuer Telekom-Aktionär América Móvil

Analysten rechnen damit, dass Slim seine Anteile an der Telekom Austria auf über 50 Prozent aufstocken wird.

Markus Beyrer hat sich selbst ein Abschiedsgeschenk gemacht. Zeitgleich mit der Ankündigung, dass er die Verstaatlichtenholding verlässt, kam die Bestätigung, dass der Mexikaner Carlos Slim bei der Telekom Austria einsteigt. América Móvil übernimmt die Anteile des Investors Ronny Pecik. Doch noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern - und manche Fragen scheinen noch nicht geklärt. Durch das Außenhandelsgesetz kann Nicht-Europäern untersagt werden, mehr als 25 Prozent zu erwerben. Ob ein entsprechender Antrag gestellt werden muss, ist offen.

Die Telekom Austria geht davon aus, dass die Anteile, die Slim über die América Móvil und über die Inmobiliaria Carso hält, nicht zusammenzurechnen sind. Derzeit gehören América Móvil 6,75 Prozent an der Telekom Austria, über ihre 100-Prozent-Beteiligung AMOV Europa B.V. sollen bis Jahresende weitere 16,01 Prozent von Pecik gekauft werden, um dann 22,76 Prozent zu halten. Inmobiliaria Carso, die Familienstiftung der Slims, besitzt 3,14 Prozent - was zusammen mehr als die Sperrminorität von 25 Prozent wäre.

Gibt es ein Syndikat mit der ÖIAG?

Ebenfalls noch offen ist, ob Slim mit der ÖIAG ein Syndikat bilden wird. Stimmen sich die beiden Eigentümer ab, zöge das ein Übernahmeangebot für die Kleinaktionäre nach sich. Analysten der Raiffeisen Centrobank gehen aber sowieso davon aus, dass Slim seinen Anteil über 50 Prozent aufstocken möchte - damit hätte er mehr Macht in der Telekom als die ÖIAG.

Was kann Slim?

Auch wenn die ÖIAG voller Stolz über den neuen Investor ist, mehrt sich die Kritik an dem mexikanischen Unternehmer, der es geschafft hat, durch Polit-Kontakte und geschicktes Ausnützen von Monopolstellungen viel Geld zu verdienen. "Man kann nicht erkennen, dass Slim Know-how einbringt, er bringt Geld“, sagt Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm. "Slim wird an der Telekom verdienen, ohne etwas Innovatives beizusteuern“, fürchtet auch die Telekommunikationssprecherin der Grünen, Gabriela Moser. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Situation der Telekom Austria durch den Einstieg Slims verschlimmert.“

Warum kam Slim jetzt?

Beyrer konnte nicht abtreten, bevor eine Lösung für die Telekom gefunden war. Der Investor Ronny Pecik, der erst vor einem Monat auf der Telekom-Hauptversammlung davon sprach, langfristig Investor zu bleiben, brauchte offenbar Geld, um die Zinsen für sein Telekom-Paket zahlen zu können. Insofern war der Druck groß, rasch zu einem Abschluss zu kommen.

Nicht ganz nachvollziehbar sind Meldungen, Pecik und sein Finanzpartner Naguib Sawiris hätten mit dem Deal rund 180 Millionen Euro verdient. Angesichts der kolportierten Kauf- und Verkaufspreise scheinen - nach Abzug der Finanzierungskosten - gut 100 Millionen Euro für das gesamte Paket realistischer zu sein, die Hälfte davon für Pecik. Dennoch heißt es aus Polit-Kreisen: "Es ist unverständlich, warum man Pecik diesen Riesengewinn gönnt. Die ÖIAG ist Pecik auf dem Leim gegangen.“

Und Carlos Slim? Der denkt längst schon an andere Dinge als die Telekom Austria: Dieser Tage hat er 8,4 Prozent am argentinischen Ölkonzern YPF erworben.

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