Neue Strategie der Industrieholding Montana: VARTA will frisches Geld von der Börse

Investor Michael Tojner verpasst seiner Industrieholding Montana eine neue Strategie. Anstelle der ganzen Gruppe soll zunächst die Batterie-Tochter Varta fit für den Kapitalmarkt gemacht werden.

Michael Tojner hat die Zukunft gesehen. Als der Wiener Investor vor wenigen Tagen an seinem Wochenenddomizil am Wörthersee weilte, erhaschte sein Blick ein Motorboot, das sich leise surrend durch die Wellen pflügte, betrieben rein von der Kraft des elektrischen Stroms. „Das ist die Fortbewegung von morgen“, schwärmt Tojner, „und die Technologie, die dazu nötig ist, wird unser Leben ebenso stark beeinflussen wie die Revolution durch das Internet.“

Tojners Begeisterung entspringt weniger reiner Freude am gesellschaftlichen Wandel als vielmehr knallhartem Geschäftskalkül. Der 44-Jährige hofft, mit seiner Batterieschmiede Varta Micro Power, die seit 2007 Teil der Industrieholding Montana Tech Components ist, kräftig am Boom für Elektromotoren zu partizipieren.

Batterien gehört die Zukunft, ob für Laptops, Smartphones oder für Technologien, die jetzt noch in den Kinderschuhen stecken, seien es die dezentrale Stromversorgung oder eben elektrisch betriebene Fahrzeuge. Die Marktaussichten sprechen für den Investor: Der Absatz für Lithium-Ionen-Batterien, das schnellstwachsende Segment am Akku-Sektor, hat zwischen 2003 und 2008 im Schnitt um 22 Prozent pro Jahr zugelegt. Bis 2015 soll das weltweite Volumen von jetzt 6 Milliarden
auf 13 Milliarden Dollar wachsen.

Neubesetzung bei Montana  

Tojner jedenfalls ist derart überzeugt von Varta, dass er in den vergangenen Monaten zusammen mit Consultern gegrübelt hat, wie das Unternehmen, das bis dato beinahe ausschließlich Kleinbatterien produziert, neu ausgerichtet werden könnte. Das Ergebnis ist gleich eine Neuordnung der kompletten Montana-Gruppe: Statt wie geplant den Konzern Ende 2012 an die Börse zu bringen, will der Niederösterreicher nun jede der Töchter für sich börsenfit machen. Als erste soll in ungefähr drei Jahren Varta den Kapitalmarkt anzapfen – für die gebeutelte Wiener Börse, die schon lange kein neues Unternehmen dazubekommen hat, endlich wieder einmal eine gute Nachricht. „Industriekonglomerate werden derzeit vom Anleger nicht goutiert“, erklärt Tojner den Strategiewechsel. Ein Blick auf die schwache Kursentwicklung von österreichischen Gruppen wie A-Tec oder Frauenthal bestätigt diese Einschätzung.

Mit der Neuausrichtung geht auch eine Top-Personalie einher: Statt Klaus Sernetz, der die Geschicke der Montana-Gruppe seit Herbst 2008 lenkte, hat Tojner selbst das Ruder in der Montana-Gruppe übernommen. Beim Treffen des Verwaltungsrats wurde er diese Woche als neuer CEO eingesetzt. Der ehemalige VA-Tech-General Sernetz trat zurück und muss sich einen neuen Job suchen. Sernetz setzte nach dem Vorbild der VA Tech auf einen börsenfähigen Mischkonzern und musste sich nun seinem Haupteigentümer beugen.

Varta ist zwar immerhin Marktführer im Bereich Hörgerätebatterien, mit einem Umsatz von 125 Millionen Euro aber eher ein kleiner Player. Wie soll daraus eine griffige Investmentstory werden? „Als wir die Firma gekauft haben, wussten wir gar nicht, wie wertvoll sie ist“, gibt Tojner offen zu. Seither ist aber einiges passiert. Wichtigster Meilenstein ist das im vergangenen September eingegangene Joint Venture mit Volkswagen. Mit einem Budget von 50 Millionen Euro tüfteln seit wenigen Wochen VW- und Varta-Ingenieure gemeinsam an einer neuen Generation von Batteriezellen für Hybridfahrzeuge. In spätestens zwei Jahren soll ein Prototyp vorliegen. Bewährt sich dieser und geht in Serie, „dann brauchen wir 300 bis 500 Millionen Euro“, schätzt der Investor. „Und die werden wir uns an der Börse besorgen.“

Auch andere Industriepartner kooperieren mit Varta. Zusammen mit der oberösterreichischen KTM entwickelt der Batterieproduzent Zellen für ein Elektrofahrrad, mit einem deutschen Energieversorger werkeln die Varta-Forscher seit kurzem an einem Speicher, der Wohnhäuser energieautark machen soll.

Neben den Industriepartnerschaften hat Tojner im vergangenen Herbst einen Deal mit der TU Graz eingefädelt – und von Privatanlegern und öffentlichen Förderstellen knapp 10 Millionen Euro eingesammelt. Mit diesem für die Grundlagenforschung vergleichsweise hohen Geldbetrag versuchen Forscher an der TU nun herauszufinden, wie sich Akkus schneller laden lassen, mehr Energie speichern können und unempfindlicher gegen Temperaturschwankungen werden. Drei Patente haben sie bereits eingereicht.

Klasse statt Masse  

Allen Anstrengungen zum Trotz bleibt jedoch die Frage, ob ein eher kleiner, europäischer Batteriehersteller mit hohen Lohnkosten gegen die übermächtig scheinende Konkurrenz aus Asien reüssieren kann. Schwergewichte wie Sanyo, NEC und Toshiba sind ebenfalls Kooperationen mit Autobauern eingegangen. Ein weltweiter Wettlauf um die Batterie der nächsten Generation hat eingesetzt. Experten wie Erwin Smole von PricewaterhouseCoopers räumen kleinen Playern wie Varta trotzdem Chancen ein. „Die Asiaten setzen vor allem auf die Masse“, sagt Smole, „in der Entwicklung völlig neuer Batteriekonzepte geht es aber vor allem um Qualität. Unternehmen mit langer Forschungstradition könnte deshalb durchaus Erfolg beschieden sein.“

Arndt Müller

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