Neue Daten und Fakten zur 800-Millionen-Affäre am Flughafen Wien

Nach dem Skylink-Baustopp sind die Flughafen-Manager fieberhaft um Schadensbegrenzung bemüht. Nun drohen auch noch Klagen von Kleinaktionären. Ein Lokalaugenschein am Skylink zeigt ein tristes Bild.

Von außen bietet der neue Skylink am Wiener Flughafen ein imposantes Bild. Hohe schwarze Glasfronten zieren die zwei Teile, Pier und Terminal, des 150.000 Quadratmeter großen Areals. Vier Ebenen ist der Skylink hoch, drei davon sind für Passagiere nutzbar. Aber: Noch ist alles nur Fassade. Innen finden sich verputzte Wände und sonst fast nichts. Der Skylink gleicht einem Geisterhaus. Die Bauarbeiter sind verschwunden, seit der zuständige Flughafen-Vorstand Ernest Gabmann vor zwei Wochen einen Baustopp verhängte, um die explosionsartig gestiegenen Kosten wieder halbwegs in den Griff zu kriegen.

Schadensbegrenzung
Umgekehrt proportional zur Ruhe im neuen Terminal sind die Airport-Manager fieberhaft um Schadensbegrenzung bemüht. Jeder auf seine Art, jeder im eigenen Interesse. Die Kommunikation untereinander ist wenig ausgeprägt. Vorstandssprecher Herbert Kaufmann versucht, die Verantwortung hauptsächlich auf den ausgeschiedenen Finanzchef Christian Domany abzuwälzen. Domany darf bis zum Ende der Laufzeit seines Vertrags am 30. September nicht kontern, weil er bis dahin noch seine Gage von fast 20.000 Euro monatlich kassiert. Er hat Lobbyisten engagiert, um hinter den Kulissen gegenzusteuern. Domany-Nachfolger Gabmann werkt emsig an einem Kostensenkungsprogramm, unter anderem durch Neuverhandlung der teuren Konsulentenverträge. Wenn er Erfolg hat, könnte der ÖVP doch noch gelingen, was zuletzt scheiterte: Gabmann zum Flughafen-General zu machen. Seine Karten sind nicht schlecht. In den jetzt mit 830 Millionen Euro prognostizierten Gesamtkosten – zu Beginn waren es 400 Millionen – sind ausreichend Reserven eingerechnet, so wissen Skylink-Insider, dass Gabmann die Summe locker unterschreiten kann.

Kleinaktionäre verärgert
Für die beiden roten Vorstände, Kaufmann und Technik-Chef Gerhard Schmidt, werden die nächsten Wochen deutlich unangenehmer. Ein Gutachten des Juristen Waldemar Jud soll die Verantwortlichkeiten klären: Denn viele wichtige Entscheidungen wurden vom Gesamtvorstand getroffen. Eine Prüfung des Skylink-Debakels durch den Rechnungshof (RH) scheint fix, auch wenn die Länder Wien und Niederösterreich zusammen nur 40 Prozent halten. Sogar SPÖ-Granden wie Bundeskanzler Werner Faymann und Wiens Bürgermeister Michael Häupl sprechen sich – infolge des öffentlichen Drucks – für den RH-Einsatz aus. Auch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss wird sich mit der Verdoppelung der Kosten beschäftigen.

Klage wird geprüft
Erstmals wird jetzt auch Unmut vonseiten der Kleinaktionäre laut. Eine Wiener Rechtsanwältin prüft Klagen im Auftrag mehrerer Klienten, die sich geschädigt fühlen, weil die Anleger nicht über die Vorfälle am Skylink unterrichtet wurden. Kleinaktionärsvertreter Erwin Rasinger echauffiert sich: „Ich will nicht sinnlos mit dem Gewehr in die Luft schießen, aber was da passiert ist, ist ein Skandal.“ Rasinger hält Klagen – je nachdem, zu welchem Ergebnis der RH kommt – ebenfalls für möglich. Das BZÖ hat gar Strafanzeige gegen den Flughafen eingebracht. Der Verdacht: Parteienfinanzierung und Korruption. Sowohl Kaufmann als auch Gabmann halten das für undenkbar. Trotzdem geht eine vom Flughafen bei der internen Revision angeordnete Untersuchung auch „möglichen Unregelmäßigkeiten“ nach.

Schuldzuweisung
Kaufmann beharrt darauf, dass für den Skylink Domany und bis Oktober 2004 ÖVP-Mann Kurt Waniek zuständig gewesen seien. „Bis Mitte 2006 war alles im grünen Bereich“, sagt er. „Eskaliert ist die Situation erst im Februar 2009.“ Ganz so simpel stellt sich die Sachlage aber nicht dar. Es war lange bekannt, dass die Kommunikation zwischen den vielen Consultern nicht optimal lief. Das Reporting der örtlichen Bauaufsicht funktionierte schlecht. Die Projektsteuerung – mehrmals ausgetauscht – konnte deshalb die tatsächlichen Kosten nur unzureichend kalkulieren. Der begleitende Kontrollor wies außerdem öfters darauf hin, dass Kostenkalkulationen der Projektsteuerung bei den vielen Nachbestellungen nicht nachvollziehbar seien. Doch der Vorstand ließ sich zu lange Zeit, die Reißleine zu ziehen.

Neue Verhandlungen
Der Verdacht drängt sich auf, dass das Kostenbewusstsein nicht ganz so ausgeprägt war, solange der Flughafen Rekordgewinne einfuhr. Erst Krise und AUA-Crash haben den Blick geschärft. „Ich will nicht in der Vergangenheit wühlen“, sagt Gabmann. Der Finanzchef will nun die Zahl der Berater von 60 auf 20 bis 25 reduzieren. Deren Verträge werden neu verhandelt, um Kosten zu sparen. Bei Haustechnik (Firma Ortner) und Planung (PMN) konnten bereits günstigere Kontrakte erreicht werden. Mit Jahresanfang 2010 will Gabmann den Bau des Skylinks „mit Vollgas“ weiterführen. Zwischen 15 und 18 Millionen Euro wird danach die monatliche Bauleistung betragen. Ziel ist eine Inbetriebnahme Anfang 2012 – ursprünglich war Herbst 2008 vorgesehen.

Chaos vermeiden
Ein Blick auf die Konsulentenliste von Gabmann zeigt, dass wesentliche Firmen, die schon bislang dabei waren, weiterhin draufstehen. „Das Problem war, dass es keine klare Aufgabenverteilung gab. Auch waren die Letztverantwortlichen nicht definiert. Das ändern wir“, sagt Gabmann. Neue Berater würden zusätzlichen Kosten verursachen und die Bauzeit verlängern: „So ein Chaos braucht hier niemand.“ Auf der Baustelle ist von Chaos derzeit keine Spur. Rohre, Zementsäcke und Ziegel liegen feinsäuberlich gestapelt. Aber die Ordnung ist nur Fassade.

Von Silvia Jelincic, Andreas Lampl

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