Neue 5-Stern-Hotels für Wien

In Wien werden allein bis 2012 drei neue Fünf-Sterne-Hotels mit 860 Betten eröffnen. Weitere Projekte sind in Planung. Doch die Nachfrage wächst nicht annähernd so stark. Haben sich die Betreiber verschätzt?

Bessere Publicity, als zuletzt die Fünf-Sterne-Herberge Sofitel am Wiener Donaukanal erfuhr, kann sich ein neues Hotel wohl kaum wünschen. US-Filmsuperstar Sean Penn residierte Mitte Februar in der Presidential Suite der Nobelabsteige auf 180 Quadratmetern mit einem spektakulären Wien-Blick, inklusive Wellnessbad mit arabischem Hammam. Gratis, versteht sich, denn der Schauspieler sammelte Geld für sein Haiti-Hilfsprojekt. Normalerweise blättern Gäste für die Suite schlappe 3.200 Euro pro Nacht hin.

Werbung können Luxushotels in Wien dieser Tage gut gebrauchen, denn das Pflaster wird härter: Derzeit gibt es 16 Fünf-Sterne-Häuser mit insgesamt 6.400 Betten. Allein heuer und 2012 kommen in diesem Segment nochmals 860 Betten hinzu – ein Plus von mehr als 20 Prozent. Noch gar nicht eingerechnet sind Projekte, die in Schwebe sind, wie etwa das Palais Schwarzenberg, wo der Pächter auf eine 20 Millionen Euro schwere Zahlung des künftigen Betreibers, Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber, wartet. Oder die ehemalige Länderbank-Zentrale am Hof, wo Hauseigentümer René Benko schon länger mit der US-Kette Park Hyatt im Gespräch ist.

Die Nachfrage nach exklusiven Übernachtungsmöglichkeiten wächst allerdings beim weitem nicht so schnell wie das Angebot. 2010 stiegen die Nächtigungen in der Fünf-Sterne-Kategorie um gut 7 Prozent, 2009 um 3,8 Prozent. „Es wird zu einem starken Verdrängungswettbewerb kommen, was auf die Auslastung schlägt“, warnt Peter Peer, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung.

Die Wiener Luxushotelprojekte im Detail:

● Am Schubertring hätte im Mai ein Haus der chinesischen Nobelkette Shangri-La die Pforten öffnen sollen. Vor wenigen Tagen aber kündigte der Hotelbetreiber an, aus dem Vertrag auszusteigen. Gemunkelt wird, dass der Betreiber das Marktpotenzial der Bundeshauptstadt zu optimistisch eingeschätzt hat und sich deshalb zurückziehen will. Dennoch erwarten Branchenkenner noch vor dem Sommer das Opening des Hotels mit 400 Betten. Der Hauseigentümer BAI könnte ein im Vertrag vorgesehenes Schiedsverfahren anstreben oder sich einen neuen Betreiber suchen, was durchaus schnell über die Bühne gehen kann. Einige internationale Hotelbetreiber wie Mandarin Oriental und Ritz-Carlton hätten Interesse, in Wien Fuß zu fassen, und stehen für das Shangri-La bereits Schlange. Überraschenderweise hat auch der in Finanztroubles befindliche Scheich Al Jaber, der kürzlich den Skihersteller Kneissl in Konkurs schickte und beim Palais Schwarzenberg für Zittern sorgt, sein Interesse bekundet.

● Fix kommt auch der traditionsreiche Genfer Hotelbetreiber Kempinski. 2012 soll das Haus mit 300 Betten inklusive 7.000 Quadratmeter Luxuswohnungen im altehrwürdigen Palais Hansen am Schottenring eröffnen, gebaut wird bereits.

● Unter Dach und Fach ist ein Luxusprojekt hinter dem Volkstheater in der Museumstraße. Dort entstehen ebenfalls bis 2012 weitere 160 Betten.

● Gut sieht es derzeit auch für das ehemalige Handelsgericht in der Riemergasse aus. Die holländische Van-Herk-Gruppe verhandelt dort seit längerem mit der kanadischen Kette Four Seasons. Der Vertrag für eine 320-Luxusbetten-Herberge dürfte in Kürze unterschrieben werden.

● Etwas schwieriger geht es beim geplanten Nobelhotel im Palais Schwarzenberg voran. Der Pächter der Immobile, ein Tochterunternehmen der Volksbank, wartet laut Zeitungsberichten seit Monaten auf eine Finanzspritze des Betreibers Scheich Al-Jaber. Noch bis Ende März hat der austro-saudische Investor Zeit, 20 Millionen Euro zu zahlen. Der Scheich soll nun eine Finanzierung von der Royal Bank of Scotland bekommen haben. Geplant sind rund 160 Betten und ein Restaurant des Starkochs Toni Mörwald. Theoretischer Eröffnungstermin ist Anfang 2013, Baubeginn heuer im Spätsommer.

● Ungewiss ist derzeit auch das Hotelprojekt des Tiroler Immobilieninvestors René Benko in der Ex-Länderbank-Zentrale am Hof. Benko kaufte das denkmalgeschützte Gebäude vor mehr als zwei Jahren von der Bank Austria. Seither ist der Unternehmer auf Betreibersuche – und angeblich in Endverhandlungen mit Park Hyatt. Knackpunkt dürfte der Preis für die Pacht sein.

Die Folge des Luxusbetten-Booms sind ein enormer Preisdruck und eine geringere Auslastung. Allerdings sind schon jetzt in Österreich die Preise für Fünf-Sterne-Hotels im Durchschnitt um ein Viertel niedriger als etwa in Italien und der Schweiz. 300 Euro zahlen Gäste im Schnitt in Wien, in Paris sind es immerhin dreimal so viel, rund 900 Euro. Und die Zimmerauslastung ist mit 67 Prozent (2009: 62 Prozent) nicht gerade üppig. „Die Unterkante bei der Auslastung sind 60 Prozent“, meint Michael Widmann, Geschäftsführer der PKF hotelexperts.

Der Grund, warum dennoch internationale Hotelketten nach Wien drängen, ist wohl darin zu suchen, dass bei härterer Konkurrenz bekannte Marken eher gewinnen würden.

„Im Fünf-Sterne-Bereich gibt es nicht mehr allzu großen Bedarf. Viel eher sehe ich ein Potenzial bei günstigen Budgethotels. Da besteht große Nachfrage“, meint Widmann – der nächste Boom ist also schon programmiert.

– Barbara Nothegger

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff