Nervenkrieg in der Telekom Austria

Zehn Wochen vor der Hauptversammlung der Telekom Austria am 23. Mai verhärten sich die Fronten zwischen Ronny Pecik und der ÖIAG.

Grund dafür sind, wenig überraschend, Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der künftigen Eigentümerverhältnisse. Wie FORMAT erfuhr, gab es bereits mehrere Zusammenkünfte zwischen ÖIAG-Chef Markus Beyrer, Telekom-CEO Hannes Ametsreiter und Vertretern der Telenor-Gruppe. Der Plan ist, einen Abnehmer für Peciks Aktienpaket zu finden.

Pecik hat dem Vorhaben der Regierung, Beyrer und Ametsreiter als Vermittler einzusetzen, zugestimmt – allerdings unter der Voraussetzung, dass er dabei kräftig Kasse machen kann. Mit dem Ergebnis der Verhandlungen ist er offenbar nicht zufrieden. Ursprünglich hatte Pecik selbst mit Telenor gesprochen, nun reist er auffallend oft nach China und soll sogar

einen Verkauf seiner TA-Anteile an China Mobile erwägen. Im Interview will Pecik sich aber nicht in die Karten blicken lassen und meint, er habe sich von den Chinesen lediglich „beraten“ lassen. Ein Weiterverkauf an China Mobile ist schwierig. Das heimische Außenhandelsgesetz gilt als letzter Schutzwall.

Machtkampf

Ametsreiter kommentiert das Lobbying für Telenor ausweichend:
Er habe als Vorstand des weltweiten Industrieverbandes GSMA gute Kontakte zu vielen CEOs. An wen Peciks Aktien verkauft würden, sei Eigentümersache. Zwischen 13,50 und 14 Euro je Aktie will Pecik jedenfalls lukireren, die Vorstellung der Norweger liegt bei 11,50 bis 12 Euro. Die Aktie notiert derzeit bei knapp unter neun Euro.

Der Kroate hat dennoch nicht vor, klein beizugeben: „Dann machen wir es alleine. Ich habe schon viele Firmen saniert. Die Telekom werde ich auch wieder auf Kurs bringen.“ Aktuell halten Pecik und sein ägyptischer Finanzpartner Naguib Sawiris mehr als 20 Prozent an der Telekom. Dafür haben sie rund 800 Millionen Euro aufgebracht. Laut Insidern verfügen sie aber schon über rund 25 Prozent, die noch vor der HV gemeldet werden sollen.

Die HV wird vor allem für Ametsreiter und Finanzchef Hans Tschuden zur Zerreißprobe. Pecik klagt über deren schlechte Performance: 253 Millionen Euro Verlust im Jahr 2011 und ein stark eingebrochenes Eigenkapital. Pecik will den Vorstand so schnell wie möglich über seine neuen Aufseher austauschen lassen und selbst Aufsichtsratschef werden. Dass Tschuden einen Dreijahresvertrag hat und Ametsreiter einen bis Ende 2013, sieht Pecik offenbar nicht als Hindernis.

Neue Vorstände

Während er und Sawiris als Aufseher fix sind, gibt es noch keine sicheren Vorstandskandidaten. Konzernstratege Georg Donaubauer und Siegfried Mayrhofer, Finanzvorstand von A1 Telekom, gelten aber als Wunschanwärter: Donaubauer als Chief Operating Officer (COO) und Mayrhofer als Tschuden-Nachfolger. Auch Betriebsratschef Walter Hotz hätte keine Einwände: „Beide halte ich für qualifiziert. Vor allem Mayrhofer ist fachlich hervorragend und integer.“ Auch Pecik ist angeblich einverstanden.

Weniger gut leben kann der 50-Jährige mit dem Telenor-Angebot. Das muss nachgebessert werden, wofür auch Beyrer und Ametsreiter sorgen wollen.

Silvia Jelincic

Das Interview mit Ronny Pecik lesen Sie im neuen FORMAT (11/2012).

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