Neo-Mühlen-Boss Josef Pröll über sein erstes Geschäftsjahr

Neo-Mühlen-Boss Josef Pröll über sein erstes Geschäftsjahr

FORMAT: Herr Pröll, wie oft reden Sie jetzt mit Journalisten?

Josef Pröll: Wenig, fast nie. Außer jetzt, wo wir unser Ergebnis präsentieren.

Hat das die Lebensqualität gesteigert?

Pröll: Ich hatte mit Journalisten nie ein Problem. In der Wirtschaft kann man durch das Wegfallen des öffentlichen Drucks Entscheidungen aber qualitativ viel besser vorbereiten. Diesen Unterschied kann man sich nicht vorstellen, wenn man nicht in beiden Bereichen tätig war. Für mich persönlich ist das der größte Lebensqualitätsgewinn.

Kennen Sie sich nach eineinhalb Jahren im Mühlengeschäft schon aus?

Pröll: Als Agrarökonom und Landwirtssohn bin ich in diesem Thema zuhause. Auch daheim bauen wir Getreide an. Das erste Geschäftsjahr, das ich zu verantworten habe, zeigt eine deutliche Gewinnsteigerung. Der Mühlensektor hatte im Konzern von der Ertragslage her eine schwierige Situation. Das wird jetzt besser.

LLI ist bei Mühlen die Nummer eins in Europa, Nummer vier weltweit. In den vergangenen Jahren fiel es durch Kartellverfahren auf. In Deutschland und Frankreich gab es mit 26 und 17 Millionen Euro hohe Strafen. Sind die Verfahren abgeschlossen?

Pröll: Ich bin nicht zuletzt deshalb gekommen, um diese Themen zu erledigen. In Deutschland haben wir einen Vergleich geschlossen. In Frankreich prozessieren wir weiter. Wir haben in Frankreich keine Mühle und waren mit keinem Kilo Mehl am Markt. Man wirft uns vor, ein französisches Kartell unterstützt zu haben, weil wir nicht in den Markt gegangen sind. Das kann ja nicht sein.

Ihr Umsatz beträgt etwas mehr als eine Milliarde Euro, der Gewinn 41 Millionen Euro. Ist das den Eigentümern genug?

Pröll: Wir kommen von 27 Millionen Euro und haben das Ergebnis massiv gesteigert. Im nächsten Jahr plane ich eine weitere Steigerung. Es muss bei gleich bleibendem Umsatz eine deutliche Ergebnisverbesserung möglich sein.

Wie kann das gehen außer über niedrigere Getreidepreise oder höhere Mehlpreise?

Pröll: Wir arbeiten effizienter, haben zwei Mühlen geschlossen und steuern den Konzern jetzt zentral von Wien aus. Das Mühlengeschäft ist hauptsächlich über den Rohstoff beeinflusst. 80 Prozent der Kosten sind das Getreide. Eine vollautomatisierte Mühle läuft theoretisch 360 Tage im Jahr rund um die Uhr. Der Wareneinsatz ist das Entscheidende. Der Getreidepreis hat 2011/2012 historische Bocksprünge gemacht. Aufgrund der schlechten Ernte in Europa war die große Herausforderung, am Ende der Pipeline den Mehlpreis in die Höhe zu bringen.

Wie immer: Am Ende zahlt der Konsument.

Pröll: Moment. Ein Kilo Mehl kostet im Regal zwischen 50 Cent und einem Euro. Das ist das Grundnahrungsmittel für Brot und Backen. Aber ein Benzinpreis von 1 Euro 40 Cent wird als selbstverständlich genommen. Lebensmittel müssen auch in den Köpfen wieder mehr an Wert gewinnen.

Wie weit wird der Mehlpreis steigen?

Pröll: Das kann ich nicht sagen, das werden die Märkte zeigen. Aber eines weiß ich: Die Ausgaben für Lebensmittel waren, gemessen am Haushaltseinkommen, in den 60er- und 70er-Jahren viel höher. Populistische Kampagnen der Arbeiterkammer bei ein paar Cent mehr für Brot und Mehl halte ich daher für grob fahrlässig.

Da kommt wieder der Politiker durch.

Pröll: Nein. Ich spreche als jemand, der weiß, wie eng die Margen in unserem Geschäft sind. Man muss akzeptieren, dass das Produkt seinen Wert hat.

Wann gibt es eigentlich "Pepi’s Feinstes“?

Pröll: Wir wollen ja verkaufen und nicht auf Ware sitzen bleiben. Wir bleiben bei "Fini’s Feinstes“, die ist gut eingeführt. "Pepi’s Feinstes“ ist nur lustig für Journalisten, das ist ein begrenzter Markt.

Ein Raiffeisen-Boss hat bei Ihrem Einstieg gemeint: "Jetzt muss der Sepp erst einmal Wirtschaft lernen.“ Haben Sie schon?

Pröll: Man soll sich die Zahlen ansehen und die Konsequenzen, die ich gezogen habe. Ich fühle mich bei den Verhandlungen mit unseren Unternehmen im Ausland wie bei den Budgetverhandlungen als Finanzminister. So viel Unterschied ist da nicht. Nur ist in der Wirtschaft die direkte Durchgriffsmöglichkeit größer.

Sie sind ja mit café+co auch Automatenaufsteller. Ist das nicht ein fades Groscherlgeschäft?

Pröll: Es ist ein Centgeschäft. Aber ein wachsendes. Wir haben jetzt 60.000 Automaten, um 10.000 Automaten mehr als vor drei Jahren. Die Renditen sind gut. Das Geschäft ist beinhart, und man muss sehr innovativ sein. Wir konzentrieren uns in Zukunft auf boomende Wirtschaftsregionen wie etwa Polen. Und so sammeln wir Cent für Cent ein, am Ende ergibt das einen Umsatz von 140 Millionen Euro. Auch nicht schlecht.

In Ihrem Aufsichtsrat sitzen die Raiffeisen-Schwergewichte schlechthin: Christian Konrad, Walter Rothensteiner, Erwin Hameseder und Klaus Buchleitner. Wie gehen Sie mit den Herren um?

Pröll: Ich pflege, wie in der Politik auch, einen sehr offenen Umgang. Ich habe einen Jour fixe mit den handelnden Personen und binde AR-Präsident Konrad in wichtige operative Entscheidungen ein.

Gab es schon gröbere Kontroversen?

Pröll: Bisher nicht. Wir haben eine klare Kommunikationskultur. Das schätze ich sehr.

Deutsche Bank und Allianz haben Spekulationen mit Nahrungsmitteln wieder aufgenommen. Richtig oder nicht?

Pröll: Das ist ein komplexes Thema. Eines sehe ich sehr kritisch: wenn man mit rohstoffunterlegten Finanzprodukten handelt, ohne die Absicht zu haben, die Ware jemals physisch zu besitzen. Das ist nicht richtig.

Verbieten?

Pröll: Die Spekulation hat natürlich Einfluss auf die Preise, aber einen geringeren als eine andere Tatsache: die wachsende Weltbevölkerung. Wenn Asien wirklich beginnt, Fleisch zu essen, besteht ein unglaublicher Bedarf an Futtermitteln wie Getreide und Soja. Das sind die großen Treiber in der Nachfrage - bei einem Faktum: Grund und Boden sind begrenzt. Ertragssteigerungen sind nicht unendlich zu erzielen. Dadurch entsteht die Preisvolatilität. Die Agrarmärkte werden noch volatiler.

Laut FAO hungern heute 870 Millionen Menschen. 2050 wird es neun Milliarden Menschen auf der Erde geben. Wie sollen die ernährt werden?

Pröll: Das ist eine Herausforderung. Aber in Ländern mit fruchtbaren Böden wie etwa der Ukraine nutzen wir die Flächeneffizienz noch nicht so aus wie in Mitteleuropa. Es gibt weltweit noch Potenzial, ohne Raubbau betreiben zu müssen. Agrarprodukte aber werden in Zukunft so interessant wie nie zuvor. Die Bauern werden langfristig wieder marktgerechtere Einkommen erzielen.

Sind Sie wieder ganz gesund?

Pröll: Ja, danke. Ich muss mein Leben lang blutverdünnende Mittel nehmen und mehr für meine Fitness tun. Ein Trainer animiert mich jetzt zu regelmäßigem Training.

Macht das Spaß?

Pröll: Am Anfang nicht, aber es tut mir gut.

Trainieren Sie für das politische Comeback?

Pröll: Nein, ich will mich gesund halten für den stetigen Ausbaukurs der LLI.

Am 3. März könnte eine wichtige politische Position in Österreich frei werden.

Pröll: Wenn der Landeshauptmann von Kärnten wirklich gehen will …

… Herr Pröll!

Pröll: Für Niederösterreich bin ich felsenfest davon überzeugt, dass Erwin Pröll nach der Arbeit der letzten 20 Jahre ein klares Mandat erhält. Da bin ich extrem optimistisch.

Daten und Fakten

Die Leipnik Lundenburger Invest Beteiligungs AG (LLI) gehört der Raiffeisen-Holding und der RZB. Kerngeschäftsfelder sind "Mehl und Mühle“, Marktführer in Europa, Nummer vier in der Welt, und "Vending“. Mit café+co betreibt die LLI 60.000 Automaten europaweit. Darüber hinaus hält der Konzern Beteiligungen an den Casinos Austria, der Agrana, Südzucker und BayWA. Umsatz: 1,068 Milliarden Euro, EGT: 41 Millionen Euro. Beschäftigte: 3.600 an 52 Standorten in 13 europäischen Ländern, 600 davon in Österreich. Neo-Chef Josef Pröll hat in seinem ersten vollen Geschäftsjahr umstrukturiert und den Gewinn gesteigert.

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