"Neid kann uns nicht so leicht erschüttern"

"Neid kann uns nicht so leicht erschüttern"

FORMAT: Sie haben vor einem Jahr die Nachfolge von Christian Konrad als Obmann der Holding der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien angetreten. Wahrscheinlich haben Sie sich dieses Jahr leichter vorgestellt?

Erwin Hameseder: Dass es Situationen gibt, die nicht immer rosig sind, hängt mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung zusammen. Diese Entwicklungen hat es nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa gegeben. Darauf hat sich unsere Gruppe aber gut eingestellt. Raiffeisen hat ein gutes Fundament. Also, so gesehen hat mich das nicht überrascht.

Es gab aber speziell in den vergangenen Monaten eine Häufung von negativen Schlagzeilen. Haben diese Negativ-Meldungen nicht dem Ansehen von Raiffeisen in der Öffentlichkeit geschadet?

Hameseder: Ich sehe das so: Manche Medien machen sich eben ein Hobby daraus, negativ zu berichten. Aber aus der internen Sicht und aus der Warte unserer Kunden weiß ich, dass diese vor allem Sicherheit und Vertrauen von uns verlangen. Und bei diesen Werten liegen wir in den Umfragen besser denn je.

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Alle aktuellen und historischen Unternehmens-Kennzahlen zur Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien finden Sie auf: www.trendtop500.at .
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Eine dieser negativen Schlagzeilen hat Sie selber betroffen. Und zwar die Abwicklung des Unfalles mit Ihrem Porsche. Wie sehen Sie den Umgang damit jetzt im Rückblick?

Hameseder: Das ist für mich überhaupt kein Thema mehr. Ich habe dabei ein hundert Prozent reines Gewissen. Der Fall ist komplett abgeschlossen.

Die Versicherung hat in einem Gutachten entschieden, dass Ihnen kein Ersatz für den Schaden zusteht.

Hameseder: Die Kasko-Versicherung hat keinen Euro bezahlt. Aber auch die Haftpflichtversicherung wurde nicht in Anspruch genommen. Obwohl mir diese Leistung rechtlich zugestanden wäre. Ich habe das jedoch abgelehnt und den Schaden selber bezahlt.

Auch die Umstände des Abgangs von Herbert Stepic als CEO der Raiffeisenbank International (RBI) haben dem öffentlichen Bild von Raiffeisen geschadet. Wie beurteilen Sie seinen Rücktritt?

Hameseder: Ein Raiffeisen-Urgestein hört auf. Herbert Stepic hat über 40 Jahre lang die Raiffeisen-Bankengruppe massiv und intensiv mitgestaltet. Er hat seinen Rücktritt erklärt, und ich habe das mit Respekt zur Kenntnis genommen. Es hat das Gefühl für das, was heute geht, und das, was heute nicht mehr geht, nicht verloren. Diese Sensibilität bestimmt im Übrigen den gesamten Raiffeisen-Sektor.

War der Rücktritt notwendig?

Hameseder: Wichtig ist festzuhalten, dass es bis zum heutigen Tag keine sachlichen Hinweise auf eine Gesetzesverletzung gibt. Das ist eine Entscheidung, die Herbert Stepic für sich - und damit auch für Raiffeisen - getroffen hat.

Müssen im Management von Raiffeisen andere Werte als sonst üblich gelebt werden?

Hameseder: Bei Raiffeisen gelten besondere Regeln. Aus diesem Grund hat Herbert Stepic die Konsequenz gezogen. Bei uns wird über Werte nicht nur geredet, wir leben sie auch. Es ist für uns beispielsweise selbstverständlich, im Rahmen unserer Partnerschaft mit dem Militärkommando NÖ die Hochwasseropfer mit der Organisation und der Übernahme von Kosten für schweres Gerät bei der Bergung zu unterstützen oder die Helfer mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

In der RBI werden die Compliance Richtlinien jetzt erst verschärft. Wie sieht das in Ihrer Gruppe aus?

Hameseder: Obwohl wir kein börsenotiertes Unternehmen sind, haben wir selbstverständlich umfassende Compliance-Richtlinien. Sämtliche Aktivitäten bis hin zu Konten sind dem Compliance Officer zu melden, damit sich der Aufsichtsrat ein Bild machen kann.

An der RBI unter Herbert Stepic wurde oft die beinahe sture Expansionspolitik in Osteuropa kritisiert. Ein Rückzug aus einem Land, auch wenn dort Verluste gemacht wurden, war nicht denkbar. Wir das in Zukunft auch so sein?

Hameseder: Die RBI ist per se eine Erfolgsgeschichte. Und der neue CEO, Karl Sevelda, muss die Möglichkeit haben, seine eigenen Analysen durchzuführen und dann den Eigentümern, also den Raiffeisenlandesbanken, eine Strategie zu präsentieren. Aber natürlich ist es so, dass es in Zukunft eine Kombination aus Wachstum in einzelnen Märkten bei gleichzeitiger Reduktion in manchen anderen Bereichen geben sollte.

Auch die Kapitalausstattung der RBI wird oft als zu gering angesehen. Wird es eine Kapitalerhöhung geben?

Hameseder: Eine Kapitalerhöhung ist eine Option. Aber dazu müssen die Rahmenbedingungen passen. Das hängt davon ab, wie sich der Kapitalmarkt in Zukunft entwickelt. Aber als kapitalmarktorientiertes Unternehmen muss man so aufgestellt sein, dass praktisch täglich ein Börsegang möglich ist. Das ist bei der RBI der Fall. Natürlich muss diese Frage mit den Haupteigentümern, den Landesbanken, geklärt werden, da eine Kapitalerhöhung eine Verwässerung der Eigentumsverhältnisse bedeuten würde.

In der Raiffeisenholding Niederösterreich-Wien hat es im vergangenen Geschäftsjahr einen Rückgang des Ergebnisses um 80 Prozent gegeben. Welche Maßnahmen haben Sie daraufhin gesetzt?

Hameseder: In der Holding gab es 2012 eine Reihe unvorhersehbarer Einzelbelastungen. Allein der Verkauf der Raiffeisenbank Ungarn hat knapp 90 Millionen Euro gekostet. Das wurde aber bereits verarbeitet. Die Holding steht auf einem starken Fundament. 2013 werden wir wieder ein anständiges Ergebnis wie jenes von 2011 ausweisen können. Wenn die makroökonomischen Bedingungen stimmen, werden wir für 2013 ein Ergebnis von 150 Millionen Euro liefern.

Bei der Harmonisierung der IT zwischen den Landesbanken, die ja auch Einsparungen bringen wird, gibt es Verzögerungen?

Hameseder: Ich kenne kein einziges IT-Projekt, bei dem es nicht Verzögerungen gibt. Bei der Umsetzung geht es darum, dass für den Kunde keine Probleme entstehen. Deshalb geht da die Qualität der Umsetzung vor der Geschwindigkeit. Aber die IT-Harmonisierung wurde jetzt zur Chefsache der Generaldirektoren Schaller (RLB OÖ, Anm.) und Buchleitner (RLB NÖ-Wien, Anm.) erklärt.

Auch bei der RZB soll mit dem Projekt "Zukunft plus“ ein großes Kostensparpotenzial gehoben. Aber nicht immer zur Freude der Töchter, die dabei zum Teil ihre Eigenständigkeit verlieren?

Hameseder: Niemand hat große Freude, wenn es eine Einengung der Handlungsspielräume gibt. Wenn die Mütter, also die RZB und die Landesbanken, sparen müssen, müssen das auch die Töchter tun. Aber bei diesem Projekt brauchen wir eine hohe Sensibilität. Der Kunde darf davon nichts merken. Alle Marken bleiben bestehen. Nur im Back Office werden Funktionen zusammengelegt. Das wird Einsparungen bringen, die größer als 20 Millionen Euro sind.

Es wird immer wieder von Machtkämpfen im Raiffeisen-Sektor gesprochen. Müssen Sie ein Machtwort sprechen?

Hameseder: Wir sind eine erfolgreiche Gruppe. Entscheiden gehört auch zu meiner Funktion. Neidgenossenschaft - insbesondere von außen - erschüttert uns nicht in unseren Grundfesten.

Und wie stehen Sie zu einer Regierungsbeteiligung der Grünen?

Hameseder: (lacht) Ich bin ein klarer Befürworter der großen Koalition - aber mit einem umgekehrten Vorzeichen.

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Zur Person
Erwin Hameseder, 57, ist Obmann der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien. In der größten privaten Beteiligungsgesellsschaft (20.000 Mitarbeiter in Österreich, 162.000 weltweit) sind große Unternehmen wie der Baukonzern Strabag oder die Nahrungsmittelhersteller Agrana und NÖM gebündelt.

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