Nah und kurz statt fern & lang: Österreicher
bevorzugen in der Krise Urlaub in der Heimat

Das Reisebudget der Österreicher ist 2009 knapp bemessen. Geurlaubt wird heuer im Sommer daheim oder bestenfalls am nahen Mittelmeerstrand. Teure Fernreisen sind definitiv out.

Kroatien ist mit seinen mehr als tausend Inseln nach Italien die zweitbeliebteste Urlaubsdestination der Österreicher. Laut Zahlen der Statistik Austria zieht es jährlich mehr als 814.000 Österreicher hin. Jubelstimmung kommt heuer dennoch keine auf. Gaetano Manzo, Direktor der italienischen Zentrale für Tourismus, meint, er sei zufrieden, wenn die Zahlen im Sommer 2009 auf dem Vorjahresniveau bleiben. Der Grund für die spürbare Reisezurückhaltung ist – wie könnte es anders sein – die aktuelle Wirtschaftskrise. Weil die Bürger verunsichert sind und den Euro derzeit zweimal umdrehen, verreisen sie entweder gar nicht, innerhalb des eigenen Landes oder in nahe Destinationen

Dahoam is’ dahoam
Dabei gab der Tourismus erst vor wenigen Tagen Grund zur Freude: Wie die Leistungsbilanz 2008 zeigt, hat es Österreich in erster Linie dem Tourismus zu verdanken, dass ein Rekordüberschuss von 9,8 Milliarden Euro erzielt wurde (3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung). Im Klartext: Während der Außenhandel angesichts der tristen Wirtschaftslage im Vorjahr mit einer roten Null (minus 0,2 Milliarden Euro) schloss, konnte sich Österreich auf Erfolge im Tourismus und bei Dienstleistungsexporten stützen.

Doch Experten sagen der sonst so erfolgsverwöhnten Branche nun turbulente Zeiten voraus: Österreich-Gäste, ob nun aus dem In- oder Ausland, werden sich künftig zweimal überlegen, ob es eine Flasche Wein mehr sein darf. Wie Peter Zellmann, Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT), sagt, ist das Lager derer, die heuer gar nicht verreisen, so groß wie nie zuvor. Laut einer erstmals in FORMAT veröffentlichten Prognose Zellmanns werden 55 Prozent der Bürger ihren Urlaub diesen Sommer zuhause „auf Balkonien“ verbringen, 15 Prozent innerhalb heimischer Grenzen verreisen und nur 30 Prozent die Reise ins Ausland antreten. „Statt fern und lang heißt das Reisemotto jetzt eher nah und kurz“, so Zellmann.

Last-Minute-Jahr
„Es wird ein Last-Minute-Jahr.“ Davon geht zumindest Dieter Buschek, Chef von L’Tur, Österreichs größtem Reiseveranstalter in dem Bereich, aus. „Wir werden heuer Zuwächse erzielen und neue Filialen in Wels und Graz eröffnen.“

Aufgrund der geringen Margen im Tourismus kann es laut Martin Bachlechner von der Verkehrsbüro Group zwar zu keinen Preisschlachten kommen, doch locken bereits so gut wie alle Anbieter mit Schnäppchen. Anbieter von elitären Fernreisezielen wie Mauritius haben derzeit also wenig Grund zum Lachen: Für teure Reisen fehlt das Geld.

Von Silvia Jelincic und Romana Kanzian

Lesen Sie im aktuellen FORMAT 19/09, wer besonders von der Entwicklung im Tourismus betroffen ist.

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