Nackte Tatsachen

In einem vertraulichen Verkaufsprospekt wird Palmers potenziellen Käufern schmackhaft gemacht. Doch genau betrachtet, ist außer Schulden wenig geblieben.

Es war letztlich vergebens. Jahrelang hat sich Palmers bemüht, an den Glanz vergangener Zeiten anzuknüpfen. Teure Designer wurden engagiert, um den Geschäften einen frischen Look zu verpassen. In die Regale kam bunte Reizwäsche aus Italien, und auch das grüne Logo wurde farblich überarbeitet. Doch das alles half nichts: Palmers schrieb weiter Verluste, zuletzt waren es minus fünf Millionen Euro.

Beim Comeback helfen sollte der Kauf des französischen Dessous-Labels Lejaby im Jahr 2008. Das Gegenteil war der Fall. Das französische Unternehmen hat die österreichische Traditionskette endgültig ins Eck getrieben. Lejaby ist mehr oder weniger pleite. Es tobt ein Rechtsstreit über die nachträgliche Reduktion der 45 Millionen Euro Kaufpreis, die Palmers bezahlte.

Nun soll, oder eher: muss Palmers verkauft werden – ohne Lejaby, sagen die Eigentümer: Das sind die Fonds Quadriga (hält 55 Prozent), 21 CP (22 Prozent) und Lead Equities (18 Prozent). Veräußert wird das Herzstück des Unternehmens: die Palmers Textil AG mit den Divisionen Wäsche, P2 Kosmetik und P2 Wäsche.

Retter gesucht

Bei der Suche nach einem Retter gibt sich Palmers ein letztes Mal verführerisch. Investoren werden mit schönen Zahlen gelockt. In dem FORMAT exklusiv vorliegenden Verkaufsprospekt steht, dass der Nettoumsatz zwischen 2011 und 2016 von 111,3 Millionen Euro auf 166 Millionen steigen werde und der Betriebsgewinn im gleichen Zeitraum von 598.000 Euro auf 19,5 Millionen – obwohl immer mehr Mitbewerber wie der türkische Textilriese Penti in den heimischen Wäschemarkt drängen.

Dass die Prognosen wohl zu optimistisch angesetzt sind, geht aber auch aus dem von der französischen Bank BNP Paribas ausgearbeiteten Verkaufsmemorandum hervor. Demnach wird bei Dessous nur mit geringen Zuwächsen gerechnet. Mehr erhofft man sich von der Kosmetiksparte. 2012 sollen die Erlöse mit Lidschatten, Nagellack und Lippenstiften um zehn Prozent nach oben klettern.

Die international laufende Suche nach einem Käufer dürfte selbst für das renommierte Bankinstitut schwer werden. Laut BNP Paribas liegen die Verbindlichkeiten von Palmers bei 45 Millionen Euro. Das ist kein Lockangebot. Bislang hat nur der Wiener Immobilienunternehmer Jamal Al Wazzan sein Interesse bekundet. Er bietet gemeinsam mit seinem Partner Joachim Knehs, einem Ex-Palmers-Vorstand. Interesse haben die beiden schon vor zwei Jahren bekundet, als ein Verkauf von Palmers erstmals zur Diskussion stand. Auf Anfrage will Al Wazzan die Pläne „jetzt noch nicht“ kommentieren.

Großes Zittern

Die Lage des 1914 gegründeten Unternehmens ist heikel. Noch vor zwei Wochen war unklar, ob die 860 Mitarbeiter (davon 620 in Österreich) weiterbezahlt werden können, ein Insolvenzantrag stand zur Diskussion. Im letzten Augenblick bezahlte ein Schuldner eine ausstehende Rechnung in Millionenhöhe, und auch die Investkredit schoss rund eine Million Euro zu, wenn auch sehr widerwillig. Denn Palmers steht bei der Investkredit ohnehin schon mit rund 40 Millionen Euro in der Kreide – und die Bank unter dem Dach der schlingernden Volksbanken AG hat auch ohne Palmers Probleme genug.

Neben Al Wazzan, der gemeinsam mit Joachim Knehs 2008 Schöps kaufte und danach filetierte, ging das Memorandum der BNP Paribas auch an internationale Ketten, darunter das US-Label Victoria’s Secret und die Italo-Firma Intimissimi Calzedonia. Letztere hat sich schon einmal um Palmers bemüht. Kleinere Interessenten sind wegen der hohen Schulden abgesprungen. „Das kann nur ein großes Unternehmen verkraften“, sagt ein Interessent nach Prüfung des Memorandums.

Die Wiener Neudorfer Palmers Textil AG besitzt auch keine Immobilien mehr. Außer lukrativen Mietverträgen in guten Lagen ist wenig übrig. Palmers verfügt aktuell nur mehr über 324 Standorte, in Österreich sind es 113 eigene sowie weitere 103, die von Franchise-Partnern geführt werden. International gesehen ist das Unternehmen in 15 Ländern vertreten, darunter in Deutschland, Kroatien, Slowenien, Griechenland und Polen.

Ungeachtet der Verkaufsabsichten will Palmers-Chef Gerd Petermann seine ehrgeizige internationale Expansion fortsetzen. Die Frage ist: Mit wessen Geld?

– Silvia Jelincic , Mitarbeit: Angelika Kramer

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