Nach der Übernahme des Hotel Bristol steht Elisabeth Gürtler am Karriere-Höhepunkt

Mit dem Kauf des Wiener Luxushotels Bristol steht Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler am Höhepunkt ihrer Karriere. Wie die Grande Dame des Businesslebens ihr Imperium managt.

Noch bis September muss Elisabeth Gürtler durchhalten. Bis dahin soll der Aufzug in ihrer Villa in Wien-Döbling eingebaut sein – zumindest, wenn alles nach Plan läuft. „Auf einer Baustelle zu leben ist einfach unerträglich“, seufzt die Sacher-Chefin. Auch Gürtlers Lebensgefährte Helmuth Lohner kommt mit dem erhöhten Lärmpegel kaum klar. Nach Möglichkeit meiden derzeit beide das schöne Haus in der Himmelstraße. Doch während der Schauspieler ins Theater flüchtet, muss die Geschäftsfrau auf die nächste Baustelle: Das Sacher wird gerade saniert. Mal wieder. Überall wird gebohrt und gehämmert. Zwölf Millionen Euro werden in die 152 Zimmer investiert, und wenn damit Schluss ist, fängt Gürtler an, das soeben erworbene Hotel Bristol am Kärntner Ring umzugestalten. „Baustellen werden mich leider noch länger begleiten“, sagt die 61-Jährige.

Mehr Luxus fürs Bristol

Andererseits: Gürtler will es nicht anders. Wie exklusiv berichtet, wird die Wienerin ihr Portfolio mit dem Bristol gehörig aufwerten. Gürtler betreibt neben den beiden Sacher-Hotels in Wien und Salzburg ein Hotel in Seefeld, je ein Café Sacher in Graz und Innsbruck, und ein weiteres wird am Flughafen Wien über einen Franchise-Partner gemanagt. 2010 hat die Sacher Hotels GmbH ein operatives Ergebnis von 3,5 Millionen Euro erzielt. Gürtler ist auch am Sheraton Salzburg beteiligt, darüber hinaus hat sie 2010 einen Teil einer Liegenschaft am Stock-im-Eisen-Platz im Herzen Wiens erworben. Kaufpreis: knapp elf Millionen Euro – gemessen am Bristol allerdings ein Klacks.

Für die 1892 erbaute Immobilie, in der Autor Felix Salten jenen Vertrag ausverhandelte, der sein Buch „Bambi“ zum Weltbestseller machte, soll Gürtler mithilfe von Banken jetzt angeblich neunzig Millionen Euro hinlegen.

Ein Deal, der zu scheitern drohte, zumal sich die US-Hotelkette Starwood, langjähriger Betreiber des Bristols, quergelegt hatte. Wie es heißt, wollte Gürtler das Hotel in Eigenregie betreiben beziehungsweise gemeinsam mit Tochter Alexandra und deren Ehemann Matthias. Doch vorerst dürfte nichts daraus werden: Aus dem Betreibervertrag mit Starwood – theoretisch gilt er über 25 Jahre – kommt selbst die in Politik und Wirtschaft gut vernetzte Geschäftsfrau nicht heraus. Gürtler meidet das Thema lieber und meint in gewohnt vornehmer Manier: „Starwood ist ein idealer Partner. Das Bristol profitiert von den vielen Marketingmöglichkeiten dieses international bestens positionierten Unternehmens.“

Doch um die Auslastung des Hotels könnte es besser stehen. Dem Bristol soll gerade durch die amerikanische Starwood-Kette das „typisch Wienerische“ abhandengekommen sein. Das Image ist verstaubt, ebenso wie das Mobiliar in den 140 Zimmern. „Wir werden uns intensiv einbringen, es sind viele Neuerungen geplant“, sagt Gürtler. Konkret heißt das: Acht Luxussuiten sollen im Bristol 2012 entstehen, im schlichten, vornehmen Stil, dem des Sachers ähnlich. Wie viel die Zimmer und das neue Mobiliar kosten sollen, lasse sich noch nicht sagen. „Jedenfalls werden wir ein Glanzstück für Wien schaffen.“ Und wenn die unermüdliche Unternehmerin – „ich stehe auch sonntags um halb sieben morgens auf“ – es schon nicht selbst betreiben darf, so wird sie dort wenigstens ihre Sacher-Torten verkaufen.

Zuckerbrot und Peitsche

Gürtler ist eine gute Selbstvermarkterin. Sitzt man ihr gegenüber, so scheint es, als würde sie jede Benimmregel kennen. Sie lächelt stets höflich, erweckt aber nicht den Eindruck, als würde sie sich nach den vielen Interviews, die sie schon gegeben hat, langweilen. Nur zwischendurch blitzen ihre Augen auf, und man spürt, dass sie am liebsten gehen würde, um wieder zu arbeiten. Ihre Angestellten nennen sie nicht zufällig hart, aber herzlich. „Wenn etwas nicht ihren Vorstellungen entspricht, kann sie sehr ungemütlich werden, aber sie ist immer respektvoll“, sagt ein Mitarbeiter, der meint, das Sacher wäre ohne Gürtlers „Zuckerbrot-Peitsche-Taktik“ nicht das Sacher.

Gürtler geht auch mit sich selbst nicht zimperlich um: Tagwache unter der Woche kurz nach sechs, eine Tasse Kaffee, Schwimmen im Pool, danach noch aufs Laufband und dann ab ins Sacher.

Ständig pendelt die zweifache Mutter, die bei diesem Pensum kaum Zeit für Freunde und Familie hat, zwischen Hotel und Spanischer Hofreitschule.

Vor allem die Arbeit mit den Lipizzanern kostet Zeit, woran sich so schnell nichts ändern wird: Die Sanierung läuft auf Touren, gab es 2007 noch 2,7 Millionen Euro Miese, könnte es heuer erstmals eine schwarze Null geben. Gelingen soll das Gürtler und Direktor Erwin Klissenbauer mit Auslandstourneen, einer zweiten Lipizzanerequipe – und der Fête Impériale.

Am 7. Juli lädt Gürtler, früher Opernball-Organisatorin, zum zweiten Mal zum Sommernachtsball in die Spanische Hofreitschule. Der Erlös, erhoffte 150.000 Euro, soll den Pferden zugutekommen. Prominenz aus Wirtschaft und Politik wie Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Raiffeisen-General Christian Konrad, kommt in Scharen.

Dabei sah es nicht immer nach einem Leben im Rampenlicht aus: Gürtlers geschiedener Mann Peter nahm sich das Leben, die studierte Handelswissenschaftlerin, die auch im Aufsichtsrat der Erste Bank sitzt, musste ihre beiden Kinder Alexander und Georg alleine großziehen und kümmerte sich zudem auch noch ums Geschäft. Mit Helmuth Lohner lebt Gürtler in einer, wie sie sagt, erfüllten Beziehung. Wie im Berufsleben hält sie auch privat gerne die Zügel in der Hand. „Ich erwarte mir natürlich, dass er auf die Fête Impériale kommt. Wenn er Premiere hat, will er ja auch, dass ich ins Theater komme.“

Elisabeth Gürtler und Helmuth Lohner ticken in vieler Hinsicht gleich. Und das nicht nur, weil sie beide früh aufstehen und früh schlafen gehen. Sie verabscheuen Baustellen und wollen auf den Aufzug in ihrer Villa in Döbling keinen Tag länger als unbedingt nötig warten.

– Silvia Jelincic

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