Nach dem Tod des Thai-Miteigentümers
brodelt es im Dosen-Imperium

Nach dem Tod von Red-Bull-Miterfinder Chaleo Yoovidhya versucht sein 61-jähriger Sohn, die Position der thailändischen Partner im Getränke-Imperium auszubauen.

Red Bull verleiht offenbar auch im fortgeschrittenen Alter Flügel. Der 61-jährige Chalerm Yoovidhya verspürt nach dem Tod seines Vaters Chaleo, dem Miterfinder des Energydrinks, Aufwind. Gegenüber der Zeitung "Bangkok Post“ nimmt er erstmals zu den komplizierten Machtverhältnissen im Red-Bull-Reich Stellung und selbst kein Blatt vor den Mund. Chalerm wird dort mit dem Satz zitiert: "Ich habe geholfen, den Drink von null auf zu entwickeln.“ Das ist insofern bemerkenswert, als die thailändischen Miteigentümer bislang nie öffentlich am Alleinstellungsanspruch von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz kratzten. In der Dosen-Zentrale im Salzburger Fuschl ist man denn auch weniger erfreut, verordnet sich aber Schweigen - wie bei Interna üblich.

Ein Machtkampf bei Red Bull ist aber aufgrund der gegebenen Eigentümerstruktur nicht auszuschließen. Die Red Bull GmbH gehört zu 49 Prozent Dietrich Mateschitz. Weitere 49 Prozent hält die asiatische TC Agro Trading Company, deren Boss bis zu seinem Tod vor drei Wochen Chaleo Yoovidhya war. Die restlichen zwei Prozent gehören Chalerm Yoovidhya, der seine Rolle so erklärt: "Bei der Red-Bull-Gründung wollten sowohl mein Vater als auch Mateschitz die Kontrolle über die Gesellschaft. Ich habe angeboten, ein Puffer zu sein.“

Selbstbewusster Thai

Seither schwang das Ringen um die bestimmende Mehrheit im Konzern immer mit. Auch bei den Gesellschaftersitzungen, die immer im Dezember stattfinden, gab es manche Auseinandersetzung: über die Marketingmillionen für die Formel 1, Pläne für die China-Expansion oder die Ausschüttung der Unternehmensgewinne.

Mateschitz’ Trümpfe waren stets der rasende Erfolg sowie sein persönlicher Einsatz bei der Markenentwicklung. Jetzt fordert aber auch Chalerm Yoovidhya mehr Anerkennung: "Manchmal musste ich mein eigenes Geld einsetzen, um die Firma zu stützen.“ Und er reklamiert zumindest einen Teil des Erfolgs für seine Heimat: "Thais haben sowohl das Hirn als auch die Fertigkeiten, um Weltklasseprodukte herzustellen und damit Geld zu verdienen.“ Gewählte Worte, aber für Red-Bull-Verhältnisse schon fast eine Kampfansage.

Family Business

Chalerm bringt sich damit jedenfalls im Kampf um die Nachfolge seines Vaters in Stellung. Denn dieser hinterlässt elf Kinder aus zwei Ehen - die Aufteilung des Erbes wird also eine juristische Herausforderung. Ein Umstand, der auch Dietrich Mateschitz nicht unbeeindruckt lässt. Er nahm sich ausgiebig Zeit, um an Totenwache und Einäscherung in der thailändischen Tempelanlage Wat Khrua Wan Worawiharn teilzunehmen. Chalerm Yoovidhya beschwor bei dieser Gelegenheit Einigkeit: "Dietrich ist auch ein Familienmitglied für uns.“

Seine Möglichkeiten, eine stärkere Rolle bei Red Bull zu spielen, stehen nicht schlecht. Immerhin ist er selbst mit eigenen Firmen in der Getränkebranche tätig, etwa mit der Siam Winery, die Weine und Champagner auf der ganzen Welt vertreibt. Chalerm lebt die meiste Zeit in London, von wo aus er seine Geschäfte steuert. Dadurch ist er geografisch und mental näher an Fuschl, als es sein Vater war.

Mateschitz hat einen Verkauf seiner Anteile immer kategorisch ausgeschlossen. Sein Sohn Mark ist zwar bereits in einer Red-Bull-Tochter tätig, allerdings noch sehr jung. Und in einem Punkt schlägt Mateschitz seine Thai-Partner jedenfalls: "Forbes“ führt ihn mit einem Vermögen von 5,3 Milliarden Dollar - zwölf Plätze vor Yoovidhya.

- Florian Horcicka

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