Nach ÖIAG-Ausschuss: Lufthansa hat die AUA jetzt in der Tasche

Bis zum 3. Dezember soll der Kaufvertrag unterschrieben sein. Offen ist, wie die 500 Mio. Zuschuss fließen.

Bei der AUA sind die Würfel gefallen. Trotz des Riesenwirbels der vergangenen Wochen hat ÖIAG-Chef Peter Michaelis von seinem Pri­vatisierungsausschuss am Donnerstag grünes Licht für die Fortführung des Verkaufsprozesses bekommen. Damit wird jetzt nur noch mit der Lufthansa verhandelt. Deren Angebot gilt bis zum 3. Dezember. Bis dahin soll der Kaufvertrag unterschrieben sein.
Vor der Sitzung in der ÖIAG war Lufthansa-Boss Wolfgang Mayrhuber nochmals nach Wien gereist, um den Politgranden Werner Faymann und Josef Pröll ein letztes Mal seine Pläne dar­zulegen. Bereits am 7. November traf Mayr­huber mit Vertretern der Länder und des Wiener Flughafens zusammen.

Gegessene Sache
An der Übernahme der AUA durch die Lufthansa ist nicht mehr zu rütteln – selbst wenn die Air France, die sich im Bieterverfahren benachteiligt fühlte, rechtliche Schritte ergreifen sollte (was keineswegs sicher ist). Michaelis präsentierte seinen Aufsehern ein Gutachten des Juristen Christian Nowotny, der nicht zur Erkenntnis kommt, „dass ein Bieter bevorzugt worden wäre“. Er bezeichnet auch den verlangten Staatszuschuss als „prozesskonforme Bedingung“.


Betriebsrat und Gewerkschaft haben mittlerweile akzeptiert, dass es keine Alternative zur Lufthansa gibt. Von dieser Seite haben Michaelis und AUA-Chef Alfred Ötsch trotz herber persön­licher Kritik nicht mehr sehr viel Wi­derstand zu erwarten. Auch die SPÖ schreit nicht mehr laut. Faymann-Berater Hannes Androsch, der noch vor zwei Wochen meinte, der Staat solle die AUA notfalls selbst sanieren, meint jetzt nur: „Aus Verfahrensgründen hätte man die Air France nochmals einladen sollen.“

Zuschuss vom Staat
Die ÖIAG muss der AUA 500 Millionen Euro zuschießen (und erhält im Gegenzug einen Besserungsschein). Ursprünglich wollte die Lufthansa sogar die Hälfte der von ihr mit rund 1,5 Milliarden bezifferten Altlasten: Schulden plus Flugzeugabwertungen, nötige Flottenerneuerung und fast 100 Millionen Verlust der Piloten-Pensionskasse (durch die Finanz­krise). In den Verhandlungen konnte noch ein 2:1-Schlüssel fixiert werden.
Wie die 500 Millionen fließen werden, steht noch nicht fest. Die Berater der ÖIAG klären gerade in Brüssel ab, welche Form die EU akzeptieren würde. Am einfachsten wäre ein simpler Gesellschafterzuschuss an die AUA. Alternativen sind eine Kapitalerhöhung oder die Abspaltung einer AUA-Tochter mit einer halben Milliarde Schulden.

Streckenstreichungen
Die Lufthansa hat zugesagt, nicht mehr als fünf bis sechs Prozent der AUA-Strecken zu streichen und das Langstrecken-Business der Austro-Airline zu erhalten. Das war dem Flughafen vor allem wichtig. Der Kostendruck auf den Airport und auf den Spritlieferanten OMV wird mit dem deutschen Eigentümer aber steigen. Die AUA-Kleinaktionäre können halbwegs zufrieden sein. Ihnen wird die Lufthansa ein Übernahmeangebot machen (über vier Euro pro Aktie), das sie sich für den Moment rechtlich auch hätte ersparen können.
Alfred Ötsch wird die AUA unter den Fittichen der Kranich-Airline sehr wahrscheinlich nicht mehr lange führen und aus dem Unternehmen ausscheiden.

Von

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff