Münze Österreich-Boss Kurt Meyer stolperte über Kreditkarten-Abrechnungen

Der Generaldirektor der Münze Österreich AG stolperte über Kreditkarten-Abrechnungen. Die strengen Wohlverhaltensregeln der Nationalbank zwangen den Topmanager zum Rücktritt.

Am 13. Oktober trommelte Wolfgang Duchatczek den Aufsichtsrat der Münze Österreich AG zu einer außerordentlichen Sitzung in die Zentrale der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zusammen. In seiner Funktion als Münze-Präsident musste OeNB-Vizegouverneur Duchatczek eine heikle Abstimmung herbeiführen: die Trennung von einem verdienten Topmanager.

„Duchatczek dankt den Erschienenen für das Kommen“, heißt es im FORMAT vorliegenden Aufsichtsratsprotokoll vom 13. Oktober 2010, das eine Woche später vom Notar Wolfgang Lenhart beglaubigt wurde. „Duchatczek stellt sodann den Antrag, das Vorstandsmitglied Herrn Generaldirektor Dipl.-Ing. Kurt Meyer mit sofortiger Wirkung aus seiner Vorstandsfunktion in der Münze Österreich AG gemäß Paragraf 75 Absatz 4 Aktiengesetz abzuberufen.“

Einstimmig abgewählt

Die fünf Mitglieder des Aufsichtsrats – neben Duchatczek sind das sein OeNB-Direktorenkollege Peter Zöllner, OeNB-Hauptabteilungsleiter Rudolf Trink sowie zwei Betriebsräte – machten es sich nicht leicht. Eine Dreiviertelstunde wurde im Beisein der vom Finanzministerium entsandten Staatskommissäre Heinrich Treer und Regina Reitböck über den Fall Meyer diskutiert. Letztlich war das Ergebnis aber eindeutig. Der Aufsichtsrat beschloss „antraggemäß einstimmig und ohne Stimmenthaltung“.

In der Praxis wird der Paragraf 75 des Aktiengesetzes nur selten angewandt. „Der Aufsichtsrat kann die Bestellung zum Vorstandsmitglied und die Ernennung zum Vorsitzenden des Vorstands widerrufen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt“, heißt es dort. „Ein solcher Grund ist namentlich grobe Pflichtverletzung, Unfähigkeit zur ordnungsgemäßen Geschäftsführung oder Entziehung des Vertrauens durch die Hauptversammlung, es sei denn, dass das Vertrauen aus offenbar unsachlichen Gründen entzogen worden ist.“

Die Münze Österreich AG steht zur Gänze im Eigentum der Nationalbank und vertreibt die weltberühmten Gold-Philharmoniker. Alle Bediensteten der Münze müssen sich an die strengen Wohlverhaltensregeln der Muttergesellschaft OeNB halten. Meyer wurde die Zero-Tolerance-Politik im Umgang mit den OeNB-Regeln nun zum Verhängnis.

Konkret stolperte er über falsche Abrechnungen mit der Firmenkreditkarte, die die interne Revision entdeckt hatte. Mehr als 50.000 Euro soll er für private Zwecke ausgegeben haben. Ein Verhalten, das für einen Spitzenmanager der Notenbank nicht statthaft ist, wie es heißt. Daher auch die radikale Abberufungsweise. Der Aufsichtsrat konnte gar nicht anders, als umgehend zu reagieren.

Kulante Lösung

Schwierige persönliche Lebensumstände – Meyer war zuletzt zwei Monate im Krankenhaus – und seine besonderen Verdienste um das Haus wurden bei der Trennung berücksichtigt. Auch weil Meyer den Kreditkarten-Saldo am Monatsende immer abgedeckt hat und offenbar kein Schaden für das Unternehmen übrig geblieben ist, wurde sein Dienstverhältnis jetzt sogar einvernehmlich gelöst und im Firmenbuch eingetragen.

Der studierte Diplomingenieur für Maschinenbau Kurt Meyer arbeitete seit 1988 für die Nationalbank. Seit 1992 sitzt der Bayer im Vorstand der Münze und ist seit 2008 Generaldirektor.

Einen Namen machte sich Meyer als Sanierer der in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Oesterreichischen Banknoten- und Sicherheitsdruckerei (OeBS), deren Geschäfte er in den Jahren 2004 und 2005 erfolgreich führte.

Wer dem 62-jährigen Meyer nachfolgen wird, soll sich 2011 entscheiden, nach einer Ausschreibung. Bis es so weit ist, werden Gerhard Starsich und Meyers Nachfolger in der OeBS, Johannes Miller, die Geschäfte der Münzprägestätte führen – und wieder Ruhe in die Wechsel-Stube bringen.

Die Weichen dafür wurden in der Aufsichtsratssitzung am 29. Oktober 2010 gestellt. Zitat aus dem Protokoll: „Duchatczek stellt den Antrag, Herrn Dipl.-Ing. Johannes Miller mit sofortiger Wirkung bis zum 31. Oktober 2011 zum interimistischen Vorstandsmitglied in der Münze Österreich AG zu bestellen.“ Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

– Ashwien Sankholkar

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