Mon dieu, Depardieu!

Schauspieler und Neo-Russe Gérard Depardieu hat sich ein kleines Genussimperium aufgebaut.

Mon dieu, Depardieu!

Über 140 Millionen an Steuern habe er gezahlt, mehr als 80 Prozent seines Einkommens habe das ausgemacht. Über 80 Menschen habe er Arbeit gegeben, und als "erbärmlich“ oder "unpatriotisch“ müsse er sich deshalb nicht beschimpfen lassen. Nicht von Frankreichs Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault, nicht von Frankreichs Presse, von überhaupt niemandem in einem Land, das Eigentumsrechte verletze und seine Unternehmer bestrafe.

Gérard Depardieu hat sich in den vergangenen Wochen öffentlich Luft gemacht, nachdem ihm regelrechte Stürme der Entrüstung entgegengeschlagen waren, weil er angekündigt hatte, Frankreich aufgrund der von Präsident François Hollande angestrebten Vermögenssteuer von 75 Prozent zu verlassen. Depardieu argumentiert dabei nicht als vermögender Schauspieler, sondern als Unternehmer, an denen es der Grande Nation, deren Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich zusehends verloren geht, momentan ohnehin fehlt. Als Unternehmer, der von seiner Freiheit Gebrauch macht und das Land, dessen Ikone er ist, Richtung Russland verlässt.

Der Genussunternehmer

Vor allem als Charakterdarsteller, aber auch als Obelix bekannt, als genusssüchtiger Choleriker verschrien wie bewundert, hat Gérard Depardieu in den vergangenen 25 Jahren ein kleines Imperium aufgebaut. Die Gagen aus seinen Filmerfolgen investierte er in Unternehmen, die ganz zu dem Lebensstil passen, den der immer voluminöse "Gégé“ verkörpert: in Weingüter, Feinkostgeschäfte, Restaurants und eine Filmproduktionsfirma. Hinzugekommen sind außerdem Immobilien, von denen er eine in Paris gerade für rund 50 Millionen Euro verkaufte. Der Legende nach lässt er sich zusätzliche Innentaschen in Sakkos nähen, um Platz für die Handys zu haben, mit denen er seine Geschäfte in Europa, Nordafrika und Lateinamerika managt.

Am Anfang seiner unternehmerischen Tätigkeit stand 1988 das Weingut "Château de Tigné“ im Anjou, das nördlich der Loire liegt und Depardieus Heimat ist. Hinzu kamen Güter im Languedoc, im Médoc, in Sizilien und im spanischen Toro. Mithilfe des umstrittenen algerischen Geschäftsmannes Rafik Khalifa weitete er seinen Besitz auch nach Algerien und Marokko aus.

Wie viel Geld Depardieu mit seinen Weinen verdient, ist allerdings nicht bekannt. Manche von ihnen wurden ausgezeichnet, doch in die obersten Sammlerränge schafften es nur sehr wenige. Über 340.000 Flaschen Wein produziert er mithilfe von Weinmachern jährlich allein in Frankreich, wo seine Hauptinvestitionen liegen - doch zu einem Großwinzer macht ihn das nicht. Auch seine drei Pariser Restaurants - gehobene Küche, aber nicht der Gastrohimmel -, das Fischgeschäft und jenes für japanische Gewürze haben ihn bisher nicht unbedingt als "gierigen Unternehmer“ erscheinen lassen. Im Gegenteil: Depardieu hatte den Ruf als Wohltäter, der Leuten in seinem Viertel aus der Patsche hilft. Als ein aufgrund seiner Herkunft dem "Proletariat“ verbundener Aufsteiger, der seinen Erfolg genießt und so etwas wie den Fischladen kauft, damit er nicht aus dem Grätzel verschwindet.

Keine Frage: Gérard Depardieu ist wohlhabend, und Wohlhabende müssen einen größeren Teil zum Wohlfahrtsstaat beitragen als weniger Wohlhabende. Und auch keine Frage: Viel mehr als mit seinen Wutausbrüchen, seinen Trinkereien und unzähligen Motorradunfällen hat Depardieu mit seiner Steuerflucht Menschen vor den Kopf gestoßen.

Doch er hat damit auch eine Debatte angestoßen, die nicht nur seinem Heimatland gut zu Gesicht stünde: jene über die Definition einer gerechten Gesellschaft und die Rolle, die der Staat darin übernimmt.

Zur Person: Gérard Depardieu, 64, ist ein französisches Paradebeispiel für jemanden, der es von ganz unten nach ganz oben schaffte. Er war das dritte von sechs Kindern eines "sehr guten Blechschmieds, außerdem Analphabet, Trinker und ein sehr freier Mensch“, wie Depardieu es beschrieb. Er begann eine Druckerlehre, boxte und schlug sich als Kleinkrimineller durch - bis er die Schauspielerei entdeckte. Er reüssierte als Charakterdarsteller, feiert aber auch in kommerziellen Produktionen wie "Asterix“ große Erfolge. Der Paradefranzose baute parallel ein Genussimperium aus Weingütern, Restaurants, Feinkostläden und Immobilien auf.

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