Mit viel Fremdkapital haben Unternehmer wie Mirko Kovats Firmenimperien aufgebaut

Sie bauten mit fremdem Geld wahrlich beeindruckende Firmenimperien auf – doch die Krise brachte sie zu Fall. Jetzt kämpfen Kovats & Co nur noch um ihren Ruf. So er nicht schon ruiniert ist.

Sechs Jahre ist es her, da war Mirko Kovats noch zum Feiern zumute: Mit Partner Ronny Pecik hatte er zwei Logen in der Wiener Staatsoper für 20 Opernball-Gäste gemietet. „Geld spielt keine Rolle“, sagte Kovats, nachdem rund 100 Millionen Euro Gewinn mit dem Verkauf von VA-Tech-Aktien eingefahren waren.

Mittlerweile spielt Geld eine große Rolle für Kovats. Der Konzern A-Tec, den er in der Folge aufgebaut hatte, musste im Oktober 2010 Insolvenz anmelden; seither wird um die Sanierung gerungen. Das Vermögen des Selfmademillionärs schrumpfte laut „trend“ um 600 Millionen Euro auf rund 30 Millionen Euro. Er selbst sagt: „Ich musste den Großteil meines Privatbesitzes verkaufen.”

Kovats ist ein typisches Beispiel der Gruppe unternehmerischer Glücksritter, die im vergangenen Jahrzehnt den einfachen Zugang zu Kapital ausnutzten und riesige Firmen aufbauten, bevor die Krise sie zu Fall brachte. Ein paar Jahre waren sie gefeierte Manager und Investoren. Jetzt ist ihr Ruf ruiniert, oder sie sitzen, wie etwa Wolfgang Auer-Welsbach, sogar im Gefängnis.

Das Geld saß locker in den 2000er-Jahren: sowohl bei den Banken als auch bei Anlegern. Wer ausreichend Selbstbewusstsein mitbrachte, konnte ohne eigene Mittel gleich ein großes Rad drehen. Erst als die Zeiten härter wurden, das Vertrauen der Banken schwand, endete so mancher Traum im Crash – was sich derzeit unter dem Titel Schuldenkrise ähnlich auch auf Ebene der Staaten abspielt. „Die Mehrheit der österreichischen Wähler sind ja so gesehen auch Glücksritter“, sagt Manfred Reichl, langjähriger Chef von Roland Berger und jetzt Unternehmer. Denn am meisten Stimmen erhalte jener Politiker, der höhere Staatsausgaben verspricht.

Vorwärts mit Fremdmitteln

Kovats’ A-Tec, da sind sich die Experten einig, hatte für die Größe und Art des Betriebs viel zu wenig Eigenkapital. Über Jahre kaufte der 63-Jährige Firmen. Er zimmerte einen Milliardenkonzern mit 11.500 Mitarbeitern. Akquisitionen finanzierte er mit Fremdmitteln. „Man kann zwar auch mit wenig Eigenmitteln erfolgreich ein Unternehmen führen“, meint Hans-Georg Kantner, Leiter Insolvenz beim Kreditschutzverband KSV1870: „Aber dann bräuchte man viel Liquidität.“ Das Problem: Für Hasardeure sind neue Geschäftschancen attraktiver als ein sicherer Polster.

Dazu kommt, dass Fremdkapital in Österreich steuerlich besser behandelt wird. In den vergangenen Jahren ist die Verschuldung der Unternehmen laut Notenbank deutlich gestiegen. Die Eigenkapitalquote heimischer Unternehmen liegt im Schnitt generell nur bei rund 25 Prozent, in Ländern wie Belgien, Spanien oder Polen beträgt sie hingegen 40 bis 50 Prozent.

Die A-Tec wies Ende 2010 minus 25 Prozent Eigenkapitalquote aus. Zu dieser Zeit schlug auch für Thomas Streimelweger die Stunde der Wahrheit. Sein IT-Dienstleister S&T, den er in rasantem Tempo hochgezogen hatte, liegt kapitalmäßig ebenfalls im negativen Bereich – und braucht dringend einen Käufer.

Bis zur Lehman-Pleite 2008 war es auch leicht, am Kapitalmarkt Anleihen und Aktien zu platzieren. Immofinanz und Immoeast nutzten das weidlich aus: Immer größer wurden die Emissionen, immer spektakulärer die Deals. Und mittendrin herrschte Karl Petrikovics, der stolz auf rund 1.800 Liegenschaften in Zentral- und Osteuropa verwies. Am Ende war über eine Milliarde Euro verzockt. Der Fall Petrikovics beschäftigt die Justiz. Demnächst wird es eine Anklage geben.

Bereits verhaftet wurde der Boss des Kärntner Investmenthauses AvW, dessen Kartenhaus die Finanzkrise einstürzen ließ. Im Prozess meinte Wolfgang Auer-Welsbach, der zu acht Jahren Haft verurteilt wurde: „Ich habe mit der Gier gespielt. Und ich habe ja selbst auch immer gut gelebt. Dazu kam dann der Erfolgsdruck: immer höhere Renditen, immer mehr Beteiligungen.“

Immer neue Projekte zauberte auch der saudische Investor Mohammed Al Jaber aus dem Hut und wurde in Österreich als Heilsbringer von AUA bis Wirtschaftskammer herumgereicht. Mittlerweile ist der Lack ab. Obwohl der österreichische Staatsbürger vom US-Magazin „Forbes“ noch zu den hundert reichsten Menschen der Welt gezählt wurde, hält er seine Investitionszusagen nicht ein. Die Folge: Seine Skifirma Kneissl musste Insolvenz anmelden, die Wirtschaftskammer Wien hat ihn geklagt.

„Sie fühlen sich groß und stark.“

Exberater Manfred Reichl sieht allerdings nicht nur in Kovats & Co waghalsige Wirtschafts-Abenteurer. „Glücksritter waren eher die Banken, die diesen Leuten noch Geld gegeben haben. Diese Leute haben doch die Situation nur ausgenutzt.“ Für ihn sind die gefallenen Konzerngründer „Halbschuhtouristen“, die sich groß und stark fühlen, mangelnde Erfahrung durch Selbstvertrauen wettmachen und Ratschläge anderer in den Wind schreiben. „Diese Leute zeichnen sich oft auch durch eine unfair harte Behandlung ihrer Geschäftspartner aus. Sie glauben, übertriebene Verhandlungshärte sei ein Zeichen ihrer persönlichen Verhandlungsstärke“, so Reichl. Kovats etwa rühmte sich, der „härteste Industrielle“ des Landes zu sein, im Film „Let’s make money“ wurde er als Arbeitgeber ohne Gnade gezeigt.

Im Nachhinein zeigt sich, dass vieles nur heiße Luft war. Auch mancher gelungener Deal wäre wohl besser in Bescheidenheit genossen als ausgelassen gefeiert worden.

– Miriam Koch

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