"Mit unseren Bossen im Osten", Teil 4:
Mit Kurt Asamer in Bosnien-Herzegowina

Mit Kurt Asamer in Bosnien-Herzegowina. Die Asamer-Gruppe ist mit ihrer Zementfabrik der größte Auslandsinvestor. Für viele ist das Land noch ein rotes Tuch. Wird Bosnien EU-Beitrittskandidat, könnte sich das bald ändern.

Im Balkankrieg landeten am Flughafen in Tuzla die Militärflugzeuge der Kosovo Force. Jetzt geht es im nordöstlichen Winkel von Bosnien-Herzegowina (BiH) beschaulicher, ja schon fast familiär zu. An diesem sonnigen Tag im Mai steuern gerade mal drei österreichische Privatjets den Flughafen in Tuzla an. „Ihr Chef ist schon da“, begrüßt der freundliche Grenzbeamte die Ankommenden. Der Chef, das ist der Baustoffunternehmer Kurt Asamer. Der Oberösterreicher hat mit der Asamer-Gruppe (Umsatz: 500 Millionen Euro) vor acht Jahren bei der Privatisierung die Zementfabrik Fabrika cementa Lukavac (FCL) für 30 Millionen Euro ersteigert. Sie liegt ganz in der Nähe von Tuzla. Asamer steckte in Folge 100 Millionen in die Fabrik und stieg damit zum führenden Zement­hersteller und größten Auslands­investor Bosniens auf.

Auslands-Kaiser
Die Einheimischen bezeichnen Asamer oft scherzhaft als „Zementkaiser von Sarajevo“, in Anspielung auf die Habsburger-Vergangenheit. Das einstige Kronland ist seit dem Dayton-Abkommen vor zehn Jahren zwar befriedet, aber für ausländische Investoren oft noch ein rotes Tuch. Die verworrene Bürokratie schreckt ab. Denn das Land besteht aus zwei Gebietseinheiten. Die Österreicher sind mit insgesamt 1,5 Milliarden Euro die größten ausländischen Investoren im Land. „Ich erwarte einen großen Schub, wenn Bosnien-Herzegowina offizieller EU-Beitrittskandidat wird. Das wird nicht mehr lange dauern. Außerdem stehen große Privatisierungen an“, urteilt die österreichische Handelsdelegierte in Sarajevo, Astrid Pummer. „Bosnien hatte nie so einen Boom wie andere osteuropäi­sche Länder und verfällt daher jetzt nicht in eine starke Depression“, ergänzt Asamer.

Euphorie  
In Asamers Zementwerk im Tuzlaer Becken – während des Kommunismus lag in der rohstoffreichen Gegend das industrielle Zentrums Jugoslawiens – wird indes der Abschluss der Investitionsphase gefeiert: Die Arbeiter sind euphorisch und schunkeln zur dargebotenen traditionellen Musik. „Wir hatten große Angst, dass nach der Privatisierung die Fabrik zugesperrt wird“, erzählt der Geschäftsführer des Werks, Izet Imamovic, „ich hätte nicht geglaubt, dass wir jetzt eine moderne Fabrik haben.“ Vor der Privatisierung produzierte die FCL 250.000 Tonnen Zement jährlich, und seit 1986 wurde praktisch nichts investiert. Künftig liefert der Standort satte 900.000 Tonnen und macht Bosnien-Herzegowina vom Zementimporteur zum Selbstversorger. Asamer modernisierte auch die Filteranlagen.­ „Bei schlechtem Wind war der ganze Ort mit Staub der Fabrik übersät. Jetzt spürt man davon nichts“, freut sich Imamovic.

Chancen für Investoren
Derzeit rittert Asamer gemeinsam mit einem türkischen Sodaproduzenten um einen staatlichen Steinbruch, von wo die FCL ihr Rohmaterial, Kalkstein, bezieht. Die Regierung der Föderation Bosnien-Herzegowina verabschiedete vergangenen Februar einen Privatisierungsplan. In den nächsten 15 Monaten sollen demnach An­teile von elf staatseigenen Unternehmen im Wert von rund 500 Millionen Euro verkauft werden. Ein Aluminiumwerk in Mostar und die beiden Telekomgesellschaften BH Telecom und HT Mostar stehen auf der Liste. Viele ausländische Investoren wie Asamer stiegen in Bosnien-Herzegowina über Privatisierungen ein. Die ausländischen Direktinvestitionen betrugen 2008 immerhin 664 Millionen Euro, im Jahr davor waren es sogar 1,6 Milliarden Euro. „Unternehmen aus dem Ausland brachten teilweise ganze Industriezweige, die durch den Krieg ein­brachen, wieder in Schwung“, so Handelsdelegierte Pummer. Beispiel: Der österreichi­sche Zuckerhersteller Agrana eröffnete vergangenes Jahr eine Rohzuckerraffinerie. Davor produzierte das Land keinen Zucker.
Die wirtschaftlichen Fortschritte sind in Bosnien deutlich spürbar, auch wenn die Spuren des Balkankriegs noch nicht ganz verblasst sind. „Man kommt in den Gesprächen mit der Bevölkerung fast immer auf das Thema“, erzählt Asamers Finanzchef Klaus Födinger, „doch man spürt deutlich, dass die Menschen vorwärtskommen wollen.“ Den Flughafen in Tuzla werden so künftig wohl mehr ausländische Jets ansteuern.

Barbara Nothegger

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