„Mit einigen Aufsichtsräten hat die Chemie einfach nicht gestimmt“

Styria-Boss Horst Pirker über seinen Abgang, seine Erfolge und wie seine Zukunft aussehen könnte.

FORMAT: Herr Pirker, gab es überraschende Reaktionen auf Ihren letztwöchigen Rücktritt?

Horst Pirker: : Am meisten hat mich die Reaktion der Mitarbeiter überrascht. Ich habe mich wie bei meinem eigenen Begräbnis gefühlt. Einige haben Tränen in den Augen gehabt. Da denkt man sich dann schon: „Vielleicht habe ich doch nicht alles falsch gemacht.“

FORMAT: Sie wirken aber auch nicht wirklich glücklich … Pirker: Es wäre eine Verleugnung der Wirklichkeit, wenn ich sagte, ich bin hundertprozentig glücklich. Die letzten zwei Monate waren unheimlich belastend. Es fühlt sich so an, als würde ich meinen Lebenspartner zurücklassen. Aber ich freue mich trotzdem auf mein neues Leben.

FORMAT: Manche in der Steiermark sagen, Ihr Abgang wäre für das Land ein Riesenverlust. Fühlen Sie sich geschmeichelt? Pirker: Meine Mission war nicht die Steiermark, sondern die Styria. Ich habe mir für die Steiermark nie Verantwortung angemaßt.

FORMAT: Wieso können Sie jetzt bereits sagen, dass 2010 das beste Jahr in der Geschichte der Styria sein wird? Pirker: Es müsste schon Lehman und 9/11 zusammenfallen, dass das nicht gelänge. Das Ergebnis liegt nach acht Monaten deutlich über dem früherer Jahre. Das liegt wohl auch daran, dass wir heuer kaum offene Baustellen haben. Ich rechne heuer mit einem EGT jenseits von 20 Millionen Euro.

FORMAT: Und dennoch ist es zu Differenzen mit dem Aufsichtsrat gekommen … Pirker: In den letzten zwei Jahren sind neue Leute in den Aufsichtsrat gekommen, die die jüngere Geschichte der Styria nicht miterlebt haben. Mit einigen hat auch einfach die Chemie nicht gestimmt. Die Spannung ist eben sukzessive größer geworden. Ohne Schuldigen.

FORMAT: Sie sollen als Styria-Chef an mehreren Unternehmen Beteiligungen gehalten haben, etwa an der Firma Paar oder an Weitzer Parkett. Stimmt das? Pirker: Nein, das ist absolut falsch. Das würde ich auch nicht tun, weil mir die Hygiene immer wichtig war. Ich habe auch Funktionen in Aufsichtsräten oder Stiftungen immer nur ehrenamtlich ausgeübt.

FORMAT: Sie haben angekündigt, sich bis zum Jahresende eine Auszeit zu nehmen. Wie genau sieht das aus? Pirker: Damit sieht es schlecht aus. Dabei habe ich meine Frau extra gebeten, mich davon abzuhalten, schnell wieder voll einzusteigen. Sicher ist aber, dass wir zwei Wochen auf Urlaub irgendwohin fliegen werden.

FORMAT: Es sieht schlecht mit der Auszeit aus, weil so viele Angebote eintrudeln? Pirker: Ich bejahe das ungern, weil das so eitel wirkt, deshalb nur so viel: Mit der Auszeit sieht es schlecht aus.

FORMAT: Können Sie sich vorstellen, wie Magna-Chef Sigi Wolf nach Russland zu gehen? Pirker: Nein, ich brauche mein Biotop, meine Familie und meine Freunde.

FORMAT: Ist Wien auch zu weit weg? Pirker: Nein, Wien ist nicht zu weit und außerdem eine wunderbare Stadt.

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