Misswirtschaft im Gasometer

Der Rechnungshof stellt der Stadt Wien ein vernichtendes Zeugnis bei der Bewirtschaftung des Gasometers aus. FORMAT liegt der Prüfbericht vor.

Es ist einer von vielen Versuchen, an den Glanz alter Zeiten anzuknüpfen: Melissa Etheridge, 50-jährige Sängerin aus den USA, gastiert kommenden Sonntag im Wiener Gasometer. Bis zu 4.000 Besucher soll die mehrfach preisgekrönte Musikerin nach Simmering locken – und damit wohl auch ein wenig internationales Flair versprühen.

Das hat das in den letzten Jahren deutlich heruntergekommene Viertel auch bitter nötig. Denn der Plan, die vier früheren Gasbehälter zu revitalisieren, misslang selbst nach wiederholten Anläufen. Das heute aus Büros, Wohnungen, Geschäften, einer Konzerthalle und einem Entertainment-Center bestehende Grätzel begeistert niemanden mehr.

Verlustgeschäft

Jetzt zeichnet der Rechnungshof in einem FORMAT vorliegenden Prüfbericht ein düsteres Bild von der Geschäftsgebarung der Gasometer Shopping und Entertainment Center GmbH (GSE). Anlass des Berichts waren ein Verlust von 20,95 Millionen Euro und ein negatives Eigenkapital von 16,14 Millionen Euro im Jahr 2009 – und die nunmehr berechtigte Annahme, dass die GSE weiterhin Verluste schreiben würde.

Die GSE ist eine 100-Prozent-Tochter der Gasometer-Mall Errichtungs und Betriebs GmbH, die sich wiederum im Besitz der Wohnbauvereinigung für Privatangestellte sowie der GESIBA (Gemeinnützige Siedlungs- und Bau AG) befindet. Die Gemeinde Wien hat das Sagen. Und hier liegt laut Rechnungshof das erste Problem. So mietete die GSE von ihrer Mutter, der Gasometer-Mall, Räumlichkeiten über einen nur mündlich abgeschlossenen und in einer Video-Aufnahme festgehaltenen Vertrag. Unter anderem heißt es im Prüfbericht, dass Änderungen des Generalmietvertrags nicht dokumentiert waren, wodurch „die gebotene Rechtssicherheit und Nachvollziehbarkeit“ fehlte.

Zudem brachte die Weitervermietung von gemieteten Geschäftsflächen zwischen 2007 und 2009 weniger als 2,5 Millionen Euro ein – wodurch die Generalmiete nur zu 50 Prozent erwirtschaftet wurde. Auch musste die GSE 40 Prozent der Betriebskosten selbst tragen. Kritisiert wird die Festsetzung der Höhe der Betriebskosten. Manche Mieter wurden bevorzugt und zahlten weniger. In der Folge musste die GESIBA Wertberichtigungen vornehmen, zwischen 2006 und 2010 waren es rund fünf Millionen Euro. Dabei pumpte die GESIBA zwischen 2002 und 2010 ohnehin fast 4,5 Millionen Euro in das Projekt.

Das Hauptproblem ist die Auslastung. Laut Rechnungshof waren im März 2011 nur die Flächen im Gasometer D gänzlich vermietet, B und C standen zu 32 bzw. 35 Prozent leer, in Gasometer A waren noch elf Prozent zu vergeben. Daran wird wohl auch Melissa Etheridge nichts ändern können. Aber zumindest wird sie die Gasometer-Konzerthalle kommenden Sonntag einen Abend lang mit Leben füllen.

– Silvia Jelincic

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