Millionenklage in den USA: bwin.party in Troubles

Aus österreichischer Sicht war es die Fusion des Jahres. Ende Jänner 2011 schlossen sich der heimische Sportwettenanbieter bwin und sein britischer Konkurrent PartyGaming zum größten börsennotierten Glücksspielkonzern der Welt bwin.party zusammen.

Gemeinsam sei man stark, gemeinsam könne man auch die regulatorischen Hürden leichter bewältigen, so wurde gejubelt. Die Zukunft erschien allen Beteiligten in leuchtenden Farben.

Heute, mehr als ein Jahr nach der Verkündung der Fusion und mehr als ein halbes Jahr nach erfolgtem Zusammenschluss, sieht die Zwischenbilanz des Unternehmens aber eher bescheiden aus. Erst letzte Woche musste bwin.party wieder einige herbe Rückschläge einstecken. Der deutsche Bundesgerichtshof hat Online-Sportwetten in Deutschland, mit 22 Prozent Umsatzanteil nach wie vor der wichtigste Markt von bwin.party, schlichtweg untersagt. Daran ändert auch die von bwin stets ins Treffen geführte Lizenz aus DDR-Zeiten nichts. Sie ist ebenso illegal wie Werbeaktivitäten in Deutschland, urteilten die Karlsruher Richter.

Aus in Portugal

Eine ähnliche Schlappe, wenn auch auf einem kleineren Markt, mussten die bwin-Leute letzte Woche in Portugal hinnehmen: In erster Instanz wurden die Aktivitäten des Sportwettenanbieters für illegal erklärt. Damit dürfte bwin auch seine Funktion als langjähriger Sponsor der portugiesischen Fußball-Liga los sein. Für jeden Tag, an dem bwin in Portugal – sei es als Anbieter, sei es als Sponsor – aktiv ist, muss das Unternehmen 50.000 Euro bezahlen, ist zu hören.

Auf derlei „bad news“ reagiert das Unternehmen gerne mit einem Achselzucken. So auch diesmal: In Schleswig-Holstein werde der Markt ohnehin ab 2012 geöffnet, dann werde man sich eben dort um eine Lizenz bemühen, lässt Jörg Wacker, Direktor von bwin Deutschland, wissen. Auch die portugiesische Entscheidung regt angeblich niemanden auf. „Wir werden auf jeden Fall dagegen berufen. Das Urteil hat aber sonst keine Auswirkungen auf das Angebot und das Sponsoring von bwin in Portugal“, sagt bwin-Anwalt Thomas Talos knapp.

Lieber redet er darüber, dass die EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen nicht EU-konformer Glücksspielgesetzgebung eingeleitet hat. Auch eine baldige Marktöffnung in Spanien, Dänemark und Griechenland sei wahrscheinlich. Beirren lassen will sich das Unternehmen von den Rückschlägen der jüngsten Vergangenheit jedenfalls nicht.

Millionenklage in den USA

Auch nicht von einer Millionenklage des US-Bundesstaates Kentucky. 47 Millionen Dollar Schadenersatz fordert Kentucky von bwin.party für jene Zeit, in der das Unternehmen gegen das dortige Glücksspielgesetz verstoßen hat. Zwischen 5. August 2005 und 13. Oktober 2006 habe das Unternehmen illegal Online-Glücksspiel angeboten, so lautet der Vorwurf. Erst danach erfolgte der Rückzug aus den USA.

97 Millionen Euro für Rechtsstreitigkeiten

Auch wenn sich das Management offiziell nicht aus der Ruhe bringen lässt, so hat es doch stattliche 97 Millionen Euro an Rückstellungen in der Halbjahresbilanz für aktuelle und zukünftige Rechtsstreitigkeiten reserviert. Nicht nur deswegen fiel die Bilanz von bwin.party zum Halbjahr traurig aus. Deutliche Umsatzrückgänge bei Sportwetten, Poker und Bingo werden durch einen satten Verlust von 41 Millionen Euro komplettiert. Dieser sei auf gestiegene Steuern und die Schließung des französischen Casino-Business zurückzuführen, erläuterte das Management.

Jim Ryan und Norbert Teufelberger, die zwei Co-CEOs von bwin.party, beeilten sich, auch gute Neuigkeiten zu verkünden: Die Synergieeffekte aus der Fusion würden mit 65 Millionen Euro um zehn Millionen Euro höher ausfallen als ursprünglich vorhergesagt.

Unter Wasser

Dies und andere Durchhalteparolen sollen Investoren wie Hannes Androsch bei Laune halten. Androsch, der seine Funktion als Aufsichtsrat im Unternehmen zurückgelegt hat, besitzt immer noch knapp unter fünf Prozent an bwin.party. Mittlerweile haben sich seine Buchverluste aber schon zu einem Riesenberg angehäuft. Seit der Fusion Ende Jänner hat die Androsch Privatstiftung rund 40 Millionen Euro mit dem Zockerpapier verloren. Ähnlich erging es den früheren bwin-Chefs Norbert Teufelberger und Manfred Bodner, die über New Media Gaming auch an die fünf Prozent an bwin.party besitzen.

Aber selbst die schwache Performance lässt die Beteiligten nach außen hin cool. Georg Riedl, Vorstand der Androsch Privatstiftung und im Board des Wettanbieters vertreten, ist mit dem Investment zufrieden: „An den Börsen läuft es ja zurzeit überall schlecht. Wir haben jedenfalls keinerlei Verkaufsabsichten.“

Obwohl die Börsen in den letzten Wochen oft an reines Glücksspiel erinnerten, wurde dennoch bwin.party besonders heftig gebeutelt. Während Kontrahent William Hill im abgelaufenen Jahr mit einem Kursplus von mehr als 30 Prozent allen die Show stahl, fuhr Sportingbet Verluste von mehr als 40 Prozent ein. Das ist aber nichts gegen die Kursverluste bei bwin.party, die in den letzten zwölf Monaten mehr als 55 Prozent ausmachten. Auch Kurspflege-Aktionen des Unternehmens wie groß angelegte Aktienrückkäufe – bis Mitte 2012 können 75 Millionen Aktien eingezogen werden – konnten das Bild nicht wesentlich verschönern.

Hoffnungsmarkt USA

Alle Hoffnungen, dass die bwin-Party doch noch irgendwann in Gang kommt, ruhen nun auf den USA. Eine Umfrage der „New York Times“ ergab kürzlich, dass sich 85 Prozent der US-Bürger für eine Legalisierung von Online-Poker aussprechen. Pläne dafür gibt es bereits seit mehreren Jahren auf Bundesebene und nun auch verstärkt in einzelnen Staaten. Vor allem Kalifornien und New Jersey gelten hier als Vorreiter.

Auch bwin.party will von Anfang an dabei sein und hat angekündigt, noch heuer einen US-Partner präsentieren zu wollen. Tatsächlich dürften Gespräche mit großen Casino-Betreibern aus Las Vegas schon weit gediehen sein. Als möglicher Partner wurde zuletzt häufig der US-Milliardär Steve Wynn genannt, einer der bekanntesten Casino-Betreiber in Las Vegas. Das bwin.party-Management hält eine neue Gesetzgebung für Online-Poker in den USA sogar noch im heurigen Jahr für möglich. Ist das wirklich der Fall, könnte die Fusion doch noch in einer Erfolgsstory enden. Die Chancen: ähnlich wie beim Poker.

– Angelika Kramer

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