Millionen-Transfer vor dem Crash: Turnauers
zogen Einlagen und Eigenkapital aus CPB ab

Wenige Wochen vor dem Zusammenbruch wurde die Constantia Privatbank ausgeräumt. Die Eigentümer ließen sich satte 33 Millionen Euro an Dividende auszahlen.

Eine nur schwer kontrollierbare Mischung aus Gier und Angst dürfte im vergangenen Juni die Altaktionäre der Constantia Privatbank (CPB) erfasst haben. Sie ließen sich noch rasch 33 Millionen Euro Dividende auszahlen. Bis vor kurzem stand die Bank ja indirekt im Eigentum der milliardenschweren H. Turnauer Stiftung. Die im Liechtensteiner Vaduz domizilierte Gesellschaft ist nach dem verstorbenen Industriellen Herbert Turnauer benannt und besitzt nebenbei die Mehrheit an der börsennotierten Constantia Packaging AG. Die Affäre rund um die von der CPB gemanagte Immofinanz-Gruppe sowie massive Liquiditätsabflüsse zwangen die Turnauer-Stiftung, sich von ihrer piekfeinen Privatbank zu trennen. Mitte Oktober musste die CPB von einer Banken-Gruppe aufgefangen werden.

Schnüffler in der Bank
Seit der Vorwoche lassen die neuen Eigentümer alle Verbindungen zwischen Bank, Immofinanz-Gruppe und Ex-Bankeigentümer von Experten für Forensic Investigations durchleuchten (siehe CSI: Constantia ). Die Sonderprüfer stolperten bereits über interessante Dokumente, wie unbekannte CPB-Protokolle. Die dokumentieren, wie die Bank von den Turnauers regelrecht ausgesaugt wurde. Beim Industriellenclan war die Gier nach Geld offenbar ähnlich gelagert wie bei der vielfach kritisierten Bankiersfamilie Meinl.

Der Griff in den Topf
Nur wenige Monate bevor sich die CPB in die Arme von Bank Austria, RZB und Co rettete, griff die Turnauer-Stiftung kräftig in den Topf. Im HV-Protokoll vom 4. Juni 2008 heißt es zur Gewinnverteilung für das Geschäftsjahr 2007: „Aus dem Bilanzgewinn (wird) ein Betrag von 33 Millionen Euro als Dividende ausgeschüttet.“ Das ist um 65 Prozent mehr als im Jahr davor. Eine Vorgangsweise, die auch Meinl Wochen zuvor gewählt hatte: Für 2007 wurden 70 Millionen Euro ausgeschüttet.

Weise Voraussicht
Die Turnauers – vertreten durch Prinz Michael von und zu Liechtenstein sowie Turnauer-Tochter Christine de Castelbajac – sahen den Crash offenbar bereits kommen: Ihr privates Geld ließen sie dabei nicht in der Bank. Dem Vernehmen nach soll ein Großteil der abgezogenen 440 Millionen Euro, die die CPB in Liquiditätsprobleme gebracht haben, auf Castelbajac zurückzuführen sein, wozu sie sich öffentlich nicht äußern will.

Millionenkontrakte durchgeboxt
Doch nicht nur Einlagen und Eigenkapital wurden abgezogen. Wenige Wochen vor der Hauptversammlung wurden Deals durchgeboxt, die das Turnauer-Vermögen weiter vermehren sollten: der Verkauf der Managementverträge für die Immofinanz-Gruppe sowie der Verkauf aller CPB-Immobilienaktivitäten an Immofinanz und Immoeast. Der langjährige CPB-, Immofinanz- und Immoeast-Boss Karl Petrikovics sollte das durchziehen.

440 Mio für den Turnauer-Clan
Gigantische 440 Millionen Euro wurden den Turnauers zugesichert. Davon 75 Millionen für die CPB-Immogeschäfte. Der Rest sollte für die Managementverträge fließen. Die waren erst im Vorjahr im Vorjahr unter mysteriösen Umständen um weitere zehn Jahre verlängert worden. Brisantes Detail: Ohne Verlängerung hätten Castelbajac und Co keinen Cent gesehen. Aus dem Deal wurde doch nichts, weil der Crash kam.
Die Turnauers können es verkraften. Sie haben allein in den vergangenen fünf Jahren mit der Constantia über hundert Millionen Euro Cash verdient – kein schlechtes Trostpflaster.

Von Ashwien Sankholkar

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