Milliarden-Konzern Vatikan

Milliarden-Konzern Vatikan

Neben den Millionen der Vatikanbank lukriert der Papst allein aus dem "Petersgroschen" 52 Millionen Euro. Die alljährliche weltweite Kollekte geht auf eine mittelalterliche Abgabe zurück und gilt als größte konzertierte Spendensammlung der Welt.

Ein hochsommerlicher Donnerstag Abend in Rom, der 12. Juli 2012: Paolo Cipriani hatte sich auf den anstrengenden und für ihn ungewohnten Termin sorgfältig vorbereitet. In einer dreistündigen PowerPoint-Präsentation überschwemmte der Generaldirektor der Vatikanbank die gut sechs Dutzend anwesenden Journalisten mit Informationen zu den Geschäften seines bis dato völlig im Hintergrund agierenden Hauses. Es war die erste Pressekonferenz in der Geschichte des hinter dicken vatikanischen Mauern in sich selbst ruhenden Institutes, das in Gottes Namen seit Jahrzehnten Milliarden scheffelt.

Die Pressekonferenz fand nicht ohne Grund statt. Denn schon am folgenden Tag stand die Publikation der Europarats-Entscheidung darüber an, ob die Vatikanbank in den Kreis jener europäischen Geldinstitute aufgenommen werden sollte, denen die EU in Sachen Geldwäsche-Prävention unbedenkliches Verhalten bescheinigt.

Bisher konnte davon keine Rede sein. Ranken sich um die Vatikanbank doch seit Jahrzehnten wildeste Gerüchte von Geldwäsche über Mafiakontakte bis hin zu Mord und Totschlag. Wenig ist über das Institut bekannt, das unter seinem eigentlichen Namen "IOR“ (Kasten rechts) undurchsichtigen Geschäften nachgeht. Wirklich Licht ins Dunkel bringen konnte - oder wollte - auch Cipriani bei seinem Medienauftritt nicht. Spontane Fragen waren ebenso wenig erlaubt wie Kameras oder Mikrofone.

Auch wenn das "Moneyval“-Expertenkomitee des Europarats der Bank tags darauf "großes Bemühen“ bei einer transparenteren Geschäftsgebarung bescheinigte - ein Persilschein ist das noch lange nicht. Nach wie vor hängen die finanziellen Nebel undurchdringlich dicht über dem Vatikan. Immer noch schafft es der Kirchenstaat nicht auf die "Weiße Liste“ der OECD - die jene Staaten umfasst, deren Finanzgeschäfte internationalen Transparenz-Standards genügen.

Die verwinkelte Gestion des IOR lässt wenig Raum für Klarheit: Die Vatikanbank managt nicht nur nebulöse Finanz- und Immobiliendeals in Milliardenhöhe. Sie ist verlässlichster, potentester und diskretester Finanzier des Heiligen Stuhls. 49 Millionen Euro transferierte das IOR etwa 2011 in den Vatikan - nach dem "Petersgroschen“ und den Einnahmen aus den vatikanischen Museumsbetrieben der größte Einzelposten auf der jährlichen Einnahmenliste des Papstes.

Defizit trotz sprudelnder Quelle

Um dessen Finanzen es derzeit nicht gut zu stehen scheint - auf den ersten Blick jedenfalls. 15 Millionen Euro Defizit musste die vatikanische Finanzkurie - jenes Gremium, das über die finanziellen Belange des Kirchenstaates wacht - erst jüngst für das Jahr 2011 zerknirscht an die Weltöffentlichkeit melden.

Neben den Millionen der Vatikanbank lukrierte der Papst zuletzt allein aus dem Petersgroschen 52 Millionen Euro. Die alljährliche weltweite Kollekte geht auf eine mittelalterliche Abgabe zurück und gilt als größte konzertierte Spendensammlung der Welt. Über 91 Millionen Euro flossen an Einnahmen aus den vatikanischen Museen, die sich steigender Besucherzahlen erfreuen, weil der Papst-Tourismus voll im Trend liegt. 24 Millionen Euro spülten 2011 zudem über die Welt verstreute kirchennahe Organisationen mit ihren Beiträgen in die Kassen. Alles in allem nimmt der Vatikanstaat pro Jahr an die 400 Millionen Euro ein.

Kein Problem an sich also für den Heiligen Stuhl, seine 2.800 Angestellten und den pompösen kirchlichen Staatsprunk zu finanzieren. Nur halten die Kirchenfürsten wenig vom Sparen. Auch 2012 soll unter dem Strich der Jahresbilanz wieder ein Defizit stehen. Bekannt gegeben werden dürften die Zahlen im kommenden Sommer, der neue Papst wird damit kaum große Freude haben.

Milliardenvermögen

Leisten kann sich der Vatikan die jährlichen Abgänge jedoch locker. Denn bei genauerem Hinsehen geben Konten, Aktiendepots und Immobilienbesitz des Kirchenstaates Hinweise auf ein viele Milliarden schweres Vermögen. Wie viel genau Gottes irdische Vertreter auf der hohen Kante haben, wissen dabei wohl nicht einmal sie selbst bis ins letzte Detail. Alles in allem dürften es zumindest an die sechseinhalb Milliarden Euro sein. Insider vermuten sogar, dass das gesamte Vatikanvermögen bis zu zwölf Milliarden schwer sein könnte. Tendenz: steigend.

Vor allem in London investieren Päpste und Kardinäle seit Jahrzehnten in Immobilien. Das Edelhotel Bulgari, Luxusjuweliere samt den sie beherbergenden Häusern in der Bond Street oder ein imposantes Bankgebäude an der Ecke von St. James Square und Pall Mall zählen zum 600 Millionen schweren Londoner Immobilienimperium des Vatikans, fand der britische "Guardian“ heraus. Auch in Paris, Zürich und Genf besitzt der Vatikan Häuser. Die österreichische Kirche macht es dem römischen Vorbild mit ihrem weitläufigen Wiener Immobilienvermögen (siehe rechts) nach.

An wie vielen Banken der Vatikan über das IOR und verschachtelte Treuhandkonstruktionen außerdem beteiligt ist, weiß außer Gott und seinem Bankier Cipriani niemand - vermutlich nicht einmal der Papst. Und das Aktiendepot des Vatikans ist überhaupt dessen bestgehütetes Geheimnis. Alles steuert die Vatikanbank, in die auch die Kardinäle der Finanzkurie keinen Einblick haben.

Den Grundstein für das gigantische Vermögen des Vatikans legte übrigens der italienische Staat: Für die kirchliche Anerkennung des Mussolini-Regimes bedankte sich der Diktator 1929 mit umgerechnet knapp 70 Millionen Euro. Dieses Geld haben die Männer Gottes seit damals gut angelegt.

Die spudelnden Geldquellen im Überblick:

91 Millionen Euro liefern die Museen des Vatikans aus ihren Einnahmen pro Jahr ab.

52 Millionen Euro spült der "Petersgroschen“ Jahr für Jahr in die päpstlichen Kassen.

49 Millionen Euro steuert die Vatikanbank jedes Jahr zum Budget des Heiligen Stuhls bei.

24 Millionen Euro kommen jährlich aus den weltweiten Beiträgen kirchlicher Organisationen.

12 Milliarden Euro Vermögen könnte der Vatikan alles in allem besitzen, schätzen Insider. Konservativere vermuten: 6,5 Milliarden.

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