"Michael Tojner ist ein Vollblutunternehmer"

FORMAT: Herr Quandt, Sie wurden bereits 1979 in den Aufsichtsrat des früheren Familienunternehmens berufen und haben seine Teilung hautnah erlebt. Wo steht Varta zum 125-Jahre- Jubiläum?

Sven Quandt: Auf gutem Kurs. Nach der Teilung 1977 in einen Batterien-, einen Elektronik- und einen Pharmabereich durch meinen Vater hatte die Varta schwierige Jahre und musste große Bereiche verkaufen. Im Besitz meiner Schwester und von mir als auch der Deutschen Bank – gemeinsam über 90 Prozent – sind um 2000 einige Beteiligungen und der Mikrobatterienbereich geblieben.

Der aber auch 2007 um rund 30 Millionen Euro an den österreichischen Investor Michael Tojner verkauft wurde.

Quandt: Ja. Eigentlich hätte die Familie diesen Bereich gerne wieder übernehmen wollen. Aber Herr Tojner hat einen höheren Preis geboten. So kam ich dann in seinen Verwaltungsrat. Ich sehe auch in den Mikrobatterien, die vor allem bei Hörgeräten zum Einsatz kommen, einen riesigen Zukunftsmarkt.

Im Mittelpunkt von Varta steht derzeit die Entwicklung von Elektroauto-Batterien gemeinsam mit VW und dem Ziel einer industriellen Fertigung für bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr ab 2015. Das würde angeblich Investitionen von rund 500 Millionen Euro erfordern. Übernimmt sich da Varta nicht?

Quandt: Glaube ich nicht. Die Frage ist immer: Wer hat die richtige Batterie zum richtigen Zeitpunkt? Wir sind jetzt früh genug im E-Car-Markt und haben mit VW einen großen Abnehmer. Mit diesem Joint Venture hat Herr Tojner sehr viel Mut bewiesen. Ich muss sagen: Hut ab. Er ist ein echter Vollblutunternehmer. Was können die Varta-E-Car-Batterien? Sie sind relativ klein und haben eine hoch verdichtete Leistung. Diese vielen kleinen Zellen werden dann zu großen Batterien konfektioniert. Varta hat da was, was die anderen nicht haben. Denn wir haben bei den Hörgerätezellen, die auch ganz klein sind, aber viel Leistung bringen, großes Know-how aufgebaut.

Wo soll die Massenfertigung der E-Car-Batterien angesiedelt sein?

Quandt: Wenn wir in diese Dimension vorstoßen, sicherlich in Europa, vielleicht am Standort in Ellwangen oder auch in Österreich. Das ist auf jeden Fall keine Produktion, die wir in ein Drittland verlegen werden.

Trotz der derzeitigen Krise in Europa?

Quandt: Natürlich werden derzeit viele große Investitionen wegen der Krise verschoben. Aber an der E-Mobilität führt kein Weg vorbei, und wir haben ja einen großen Abnehmer. Und bis zur seriellen Großproduktion bleiben uns ja noch zwei, drei Jahre Zeit. Mir gefällt, dass Michael Tojner unternehmerische Visionen hat und bereit ist, Risiken einzugehen. Und da ich weiß, dass die Varta sein Liebkind ist, bin ich sehr zuversichtlich. Er will wieder eine richtig große Varta machen.

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