Meinls verlustreiches Türkei-Abenteuer:
Wie Ex-MAI-Manager Millionen verspielten

Riskante Einkäufe des Ex-MAI-Managements bescheren der jetzigen AI Millionenverluste und höheren Abschreibungsbedarf.

Als Wolfgang Vilsmeier (im Bild) im Sommer dieses Jahres nach dem Aktionärs­putsch das Ruder bei Meinl Airports International (MAI) übernahm, ahnte er bereits, dass der Job kein einfacher werden würde. Dass er sich aber zu einem Höllenritt auswachsen würde, steht erst seit kurzem fest. Denn die Beteiligung, die das frühere Management von MAI, heute AI, beim türkischen Flughafenbetreiber TAV eingegangen ist, dürfte sich nach Informationen von FORMAT zu einem Fass ohne Boden entwickeln.

130 Millionen Euro Verlust
Rund 90 Millionen Euro Abwertungsbedarf fallen allein in den ersten neun Monaten die­ses Jahres für die börsen­notierte TAV an. Ein Blick auf Aktienkurs und Wechselkurs erklärt, warum: Seit Beginn des Jahres krachte die TAV-­Aktie um rund 70 Prozent nach unten, die türkische Lira gab zum Euro um 15 Prozent nach. Das Hauptproblem dabei: Die frühere MAI-Führung hat in die 10-Prozent-Beteiligung an TAV fast ein Drittel ihres gesamten Vermögens gesteckt. Geld, das zum jetzigen Zeitpunkt großteils weg ist. Vom ursprünglichen Kaufpreis von 185 Millionen Euro sind laut Rechnung des neuen Managements heute nur noch rund 45 Millionen Euro übrig. Denn seit 30. September, dem Ende des dritten Quartals, geht der Wertverfall weiter. Das Neunmonats-Nettoergebnis der AI ist aufgrund der Abwertungen mit minus 130 Millionen Euro tiefrot gefärbt.

Weitere Abschreibungen im Raum
Ein Finanzanalyst ist von den katastrophalen Zahlen nicht überrascht: „Ein Drittel des Fondsvermögens in eine einzige börsennotierte Gesellschaft zu legen ist eben ein hochriskantes Geschäft.“ Doch damit nicht genug, muss Vilsmeier auch die Zahlen des Vorjahres noch einmal aufschnüren. Wie FORMAT aus Wirtschaftsprüferkreisen erfuhr, müssen für 2007 mindestens weitere 60 Millionen Euro abgeschrieben werden. Das frühere MAI-Management soll die Abwertung der TAV nämlich nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen haben. Das neue AI-Board rund um Vilsmeier unterzieht zurzeit jede Beteiligung einer intensiven Überprüfung. Als wahrscheinlich gilt, dass die verlustreichen Flughäfen in Ulan Ude und im polnischen Bydgoszcz verkauft werden.

Neue Klagen in Vorbereitung
Abgesehen von den verlorenen Millionen schlagen sich die neuen AI-Bosse auch mit einer Reihe von Prozessen gegen die Meinl Bank herum. AI fordert von der Bank 32 Millionen Euro Schadenersatz wegen angeblichen Missmanagements. Diese wiederum wehrt sich vor Gericht gegen die Streichung des Namens Meinl sowie gegen die Aufkündigung der Managementverträge. In Kürze setzt AI noch eins drauf: In den nächsten Tagen soll die Anwaltskanzlei Wolf Theiss mit juristischen Schritten gegen drei frühere Board-Mitglieder von Meinl Airports International beauftragt werden.

Von Angelika Kramer

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