Meinl am Graben: Die geheime Mohren-Bilanz zeigt rote Zahlen von 1999 bis 2007

Der Wiener Luxus-Gourmettempel Meinl gewährt erstmals Einsicht in seine bislang geheimen Bücher: Bis 2007 wurden nur rote Zahlen geschrieben.

Auch auf das Luxuskaufhaus Meinl am Graben hat sich der Finanzskandal rund um den Namen Meinl niedergeschlagen: Es kam zumindest wochenweise zu Umsatzrückgängen bei den Delikatessen. Drastischere Einbruch gab es aber nicht. Das lässt sich auch aus der Bilanz der Julius Meinl am Graben GmbH ersehen, die erstmals in der Geschichte des Unternehmens für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Bislang galt diese Bilanz als eines der bestgehüteten Geheimnisse im Handel, die Arbeiterkammer prangerte Meinl sogar als Bilanzmuffel an und forderte härtere Strafen. Für die Konkurrenz war das Schweigen Nährboden für allerlei pikante Gerüchte.

2007 erstmals positiv
Damit ist nun Schluss: Mit rund 23 Millionen Euro ist der Umsatz seit mehreren Jahren stabil, im abgelaufenen Jahr lag er leicht darüber. Weniger erfreulich präsentiert sich die Ergebnisseite: Seit dem großen Umbau des Traditionsgeschäfts im Jahr 1999 schrieb der Meinl-Mohr jedes Jahr operativ Verluste: Waren es 2002 noch satte 4,4 Millionen Minus, reduzierten sich die Verluste 2006 auf 1,3 Millionen. 2007 gingen sich sogar knapp schwarze Zahlen aus. Meinl-am-Graben-Geschäftsführer Michael König zeigt sich erfreut: „2007 war für uns ein Rekordjahr.“ Trotz des Jubels über die operative Aufholjagd ist der Bilanzverlust des Luxuskaufhauses mit 21,3 Millionen Euro beträchtlich, das Eigenkapital ist negativ. Meinl begründet das mit „Anlaufverlusten“ nach der Wiedereröffnung.

2006 noch 3 Mio Abschreibungen
2006 beliefen sich die Abschreibungen immer noch auf knapp drei Millionen Euro. In den nächsten Jahren, so König, werde dann alles abgeschrieben sein und auch dieser Schönheitsfehler aus der Bilanz verschwinden. Druck vonseiten der Eigentümer, rascher positiv zu bilanzieren, gebe es aber nicht.
Überhaupt streut König der Familie Meinl Rosen: „Sie überlassen uns das Geschäft, als wäre es unser eigenes. Einmischungen gibt es so gut wie keine.“ „Sie“ damit meint König Julius Meinl V. und seine Frau Franziska. Letztere bezeichnet er als „guten Geist des Hauses“, der regelmäßig seine Runden durch den Gourmettempel zieht und Verbesserungsvorschläge macht. Formeller Eigentümer von Meinl am Graben ist die Somal Investments A.V. in den Niederlanden, jene Gesellschaft also, die auch die umstrittenen MEL-Aktienrückkäufe durchgeführt haben soll.

Erste-Klasse-Catering für ÖBB
Die Öffnung der Bücher ist nur ein Teil des frischen Winds, der durch das Traditionshaus am Wiener Graben weht. „Die steigende Transparenz spiegelt auch den Paradigmenwechsel bei unseren Kunden wider. Unser Hauptkunde ist eben nicht mehr die klassische Hofratswitwe“, konstatiert der Geschäftsführer. Und ganz im Sinne der neuen Transparenz verrät König auch die kommenden Projekte: Im Jahr 2009 wird Meinl mit e-express für das Erste-Klasse-Catering in den neuen Hochleistungszügen der ÖBB verantwortlich zeichnen. Ebenfalls im nächsten Jahr sperrt am neuen Flughafen-Terminal in Schwechat ein „Meinl 2 go“, Mohr-Spezereien zum Mitnehmen also, auf. Auch das Thema Hauszustellung wird für Meinl immer wichtiger. Vorerst nur im ersten Bezirk, soll der Mohr bald auch in anderen Wiener Bezirken zustellen.

Meinl in der Wüste
Das interessanteste Projekt in der Pipeline ist aber die kurz bevorstehende Auslandsexpansion des Gourmethauses. In wenigen Wochen schon soll ein Vertrag mit einem Franchisenehmer, einem Scheich aus dem Nahen Osten, unterzeichnet werden. Näheres will König aber erst verraten, wenn der Deal unter Dach und Fach ist. Auch in anderen Ländern werden ähnliche Franchiseprojekte geprüft, eine Expan­­sion in Österreich steht aber vorerst nicht auf der Agenda.

Von Angelika Kramer

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