Meinl soll 245 Mio zahlen: Rebellen klagen wegen an­geblicher Vertragsverletzung

Die aufständischen Aktionäre fordern von der Meinl Bank insgesamt 245 Millionen Euro. Sie behaupten, durch Fehlkäufe sei bei Airports International dieser Schaden entstanden.

Wolfgang Vilsmeier ( 2. v. r. im Bild ) kann sich dieser Tage über Langeweile nicht be­klagen. Von Zürich nach Wien, von dort weiter nach Bratislava und wieder zurück nach Zürich. Der Reiseplan des Chairmans der ehemaligen Meinl-Gesellschaften MAI (jetzt: Airports International) und MIP (jetzt: Power International) ist dicht gedrängt. Vilsmeier muss den Aktionären nämlich bald beweisen, dass sich der Putsch gegen die Meinl-Herrschaft ­gelohnt hat. Wie könnte das überzeugender gelingen, als wenn er es schaffte, eine Viertelmilliarde Euro von Meinl zurückzuholen? So mag sich Vilsmeier gedacht haben.

245-Millionen-Klage
Genau das versucht der Schweizer Unter­nehmer jetzt. Am 13. Jänner wurden zugleich Klagen am Royal Court of the Island of Jersey in London und beim Internationalen Schiedsgericht in Wien eingebracht. Eingeklagte Gesamtschadenssumme: 245 Millionen Euro. Gerichtet sind diese Klagen gegen die MAM, die Managementgesellschaft der Airports International (AI), und gegen die Meinl Bank selbst. „Der größte Brocken, ­nämlich 211 Millionen Euro, resultiert aus Vertrags­verletzungen, die das Management der Meinl-Bank-Tochter MAM begangen ­haben dürfte“, erläutert Vilsmeier. Weitere 32,3 Millionen Euro will der AI-Chef an zu viel bezahlten Placement- und Market-Maker-Gebühren von der Bank zurück.

Keine Due Diligence
Die Vorwürfe in der Millionenklage, die FORMAT in Auszü­gen vorliegt, sind nicht unbrisant: So dürften sich die MAM-Manager in mehreren Fällen eine Due Diligence erspart haben. Etwa beim Kauf des Flughafens Ulan Ude am Baikalsee: Laut Vilsmeier hat man sich da lediglich auf Aussagen der MAM-Managerin Nadine Gilles verlassen, wonach eine jährliche Rendite von acht Prozent als gesichert gelte und Bargeld von Tag eins an fließen werde. Außerdem, so führt die Klage aus, sei dieser Flughafen von einem russischen Geschäftsmann um nur sechs Millionen Dollar gekauft worden. Meinl habe sich den Airport wenige Monate ­später 17,2 Millionen Euro, also fast das Dreifache, kosten lassen. Viel zu teuer. Beim Kauf der Beteiligung am türki­schen Flughafen TAV lautet der Vorwurf, man habe sich ausschließlich auf zwei ­Berichte von Börsenmaklern verlassen. ­Diese Berichte wären außerdem veraltet gewesen (siehe auch Artikel ).

Rasche Ausschüttung geplant
Die MAM hat wegen unzulässiger Vertragsauflösung durch die rebellischen Aktionäre ihrerseits bereits 72 Millionen Euro eingeklagt. Bei der Meinl Bank reagiert man auf die neuen Klagen nüchtern: „Es war klar, dass das neue Management jetzt irgendwelche Forderungen aus dem Hut zaubern musste. Diesen Betrag können wir aber nicht bestätigen, da die Forderungen nicht konkretisiert und nicht nachvollziehbar sind“, sagt Meinl-Bank-Sprecher Herbert Langsner. Bekommt Vilsmeier bei Gericht Recht, will er das Geld den leidgeprüften AI-Aktionären zurückgeben: „Es spricht nichts dagegen.“ Von den Beteiligungen an den Flughäfen im polnischen Bydgoszcz und im italienischen Parma möchte er sich möglichst bald trennen. Eine Strategie der schrittweisen Liquidierung, die der Manager bekanntlich ja auch bei der Power International (PI) fahren will. Auch bei ­dieser Gesellschaft hat er angekündigt, die rund 200 Millionen Euro Cash so schnell wie möglich ausschütten zu wollen.

Zustimmung nötig
So einfach, wie Vilsmeier sich das vorgestellt hat, dürfte es aber nicht gehen. Zum Ausschütten einer Dividende aus dem ­Kapital ist nämlich noch die Zustimmung zu einer Kapitalherabsetzung nötig. Und dafür müssen sich die ­Aktionäre neuerlich zu einer Hauptversammlung einfinden, der fünften innerhalb weniger Monate. Zusammen mit Experten von KPMG sucht Vilsmeier auch bei der PI nach etwaigen Vertragsverletzungen: „Wir sind mit Hochdruck daran, auch dort ­Verfehlungen des früheren Managements aufzuarbeiten.“

Beraterkosten in der Kritik
Während die KPMG-Prüfer wühlen, muss sich Vilsmeier aber selbst Vorwürfe von ­Aktionären gefallen lassen, er betreibe, wie einst die Meinl Bank, Spesen- und Honorarwucher. Er schmettert ab: „Die Kosten für Anwälte und Berater, die wir jetzt zahlen, sind angesichts der Größenordnungen und unserer Chancen auf Erfolg mehr als gerechtfertigt.“

Von Angelika Kramer

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