Megacities: Die Zahl der Riesenstädte nimmt rasant zu

Die Zahl der Metropolen mit mehr als 20 Millionen Einwohnern nimmt weltweit in den nächsten Jahrzehnten dramatisch zu. Wasserversorgung und Abwasserentsorgung werden dabei zur größten Herausforderung für die Stadtplanung und die Politik.

Wenn Felipe Calderón, Präsident Mexikos, in seinem Palast am Zócalo im Zentrum der 22-Millionen-Metropole Mexiko-Stadt den Wasserhahn aufdreht, hat das kühle Nass bereits eine 150 Kilometer lange Reise hinter sich. Längst sind die Grundwasservorkommen unter der einst auf einem aufgeschütteten See entstandenen Stadt so stark ausgebeutet, dass Mexiko-Stadt jährlich um bis zu 40 Zentimeter tiefer sinkt. Frisches Wasser kommt aus weit entfernten Bergen über löchrige Leitungen in die Stadt. Vor allem Einwohner in den Slums sind nicht an reguläre Wasserleitungen und die Kanalisation angeschlossen.

Das Beispiel Mexiko-Stadt ist nur eines von vielen, welche der World Wide Fund for Nature (WWF) in seiner jüngst veröffentlichten Studie über die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung der neuen Millionenmetropolen gesammelt hat.

Wüsten statt Oasen

2050 werden laut Schätzung der UNO rund 70 Prozent der Weltbevölkerung von dann rund neun Milliarden Menschen in Städten wohnen, die meisten davon in Asien, Afrika und Südamerika. Den Städtern drohen dabei Verhältnisse wie im Mittelalter. Denn in fast allen Megacitys der Zukunft ist Wasser bereits jetzt, bei deutlich geringeren Einwohnerzahlen, Mangelware.

So haben in einigen städtischen Agglomerationen Afrikas schon heute bis zu 50 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Wasser, bis zu 60 Prozent stehen keine ausreichenden Sanitäranlagen zur Verfügung. Die Megacitys „verdursten“ und versinken gleichzeitig im eigenen Abwasser. Denn die Verstädterung, so Martin Geiger, Autor der WWF-Studie, stellt die ohnehin nicht bestens ausgestattete Infrastruktur der Megacitys in Indien, Pakistan oder Afrika vor schier unlösbare Probleme.

Geiger: „Wesentlich für ein Funktionieren der Infrastruktur in diesen Megacitys ist, dass sich die Stadtverwaltungen an de zentrale Ver- und Entsorgungslösungen wagen, da 20 und mehr Millionen Einwohner nicht über eine einzige Leitung aus einem Einzugsbereich mit Trinkwasser versorgt werden können.“ Wichtig ist dabei auch die nachhaltige Nutzung der Resourcen vor Ort, also auch die Wiederaufbereitung von Abwasser oder die Nutzung von kontaminiertem Süßwasser aus Flüssen und Seen.

Geiger: „Reichere Industriestädte Chinas, etwa Shanghai, haben ihre Wasserversorgung gut im Griff; allerdings ist die Aufbereitung des Wassers aus dem Huangpu-Fluss, aus dem die Stadt 80 Prozent ihres Wassers bezieht, sehr aufwendig.“ Bei zunehmender Bevölkerungszahl müssen auch die Shanghaier Stadtväter über Alternativen nachdenken, die von der Meerwasserentsalzung bis zur besseren Klärung der Industrieabwässer am Huangpu reichen. In Karatschi im wesentlich ärmeren Pakistan sterben hingegen jährlich bis zu 30.000 Menschen, weil sie kontaminiertes Wasser aus den Flüssen der Stadt getrunken haben.

Milliardengeschäft

Die sichere Versorgung mit Wasser ist ein Milliardenmarkt. 15 Billionen Euro, so eine Berechnung des Unternehmensberaters Booz Allen Hamilton, werden die Megacitys rund um den Globus in den nächsten Jahren in den Ausbau und die Sicherung ihrer Wasserversorgung investieren müssen. Die Palette der Maßnahmen reicht dabei vom Aufbau eines möglichst verlustfreien Leitungsnetzes – daran krankt es vor allem in Afrika, Indien und Südamerika – bis zu leistungsfähigen Kläranlagen, die das Abwasser von 30 Millionen Menschen und mehr samt dazugehörender Industrie reinigen können, etwa ein Problem in China.

Kein Wunder, dass sich auch Österreichs Hochtechnologieunternehmen zusehends dem Thema Urban Technologies widmen. Siemens hat eine eigene Division für Stadt-Technologien gegründet, in der Wasserwirtschaft neben der Energieversorgung und der urbanen Mobilität eine entscheidende Rolle spielt. Anlagenbauer Andritz ist schon vor Jahren ins Wasserreinigungsgeschäft eingestiegen und hat sich dabei auf die Trennung von festen und flüssigen Bestandteilen im Abwasser konzentriert. Diese Technologie ist inzwischen in 1.500 Großkläranlagen weltweit im Einsatz, etwa in den Millionenstädten Paris und Athen. Mit biologischer Abwasserreinigung und dem Recycling von Brauchwasser kann die Salzburger SFC Umwelttechnik ihren Umsatz jährlich um 30 Prozent steigern.

Nachhaltigkeit

Wichtig ist aber die Schaffung nachhaltiger Projekte vor Ort. Bestes Beispiel: „harmonia 57“ in São Paulo in Brasilien. Durch ein ausgeklügeltes Sammel- und Verteilsystem gewinnt das Haus sämtliches Wasser aus Niederschlag. Das Wasser kühlt auch das Gebäude, wodurch im tropischen Klima keine Klimaanlage notwendig ist. „harmonia 57“ wurde 2010 mit dem renommierten Zumtobel Award ausgezeichnet.

– Christian Neuhold, Martina Bachler

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