MediaMarkt-Saturn schreibt wegen heftiger Streitereien der Eigentümer Verluste

In der Media-Saturn-Gruppe tobt ein Machtkampf zwischen Haupteigentümer Metro und den zwei Gründern. Nun schreibt der bislang höchst erfolgreiche Elektrohändler sogar Verluste.

Eckhard Cordes, Chef der Metro-Gruppe, des Mehrheitseigentümers von MediaMarkt und Saturn, ist regelmäßiger Besucher der Salzburger Festspiele und lässt die Aufführungen gerne kulinarisch ausklingen. Ein bestimmtes Lokal der Mozartstadt meidet er aber wie die Pest. Das Restaurant Schmederer in der gleichnamigen Nobelvilla – denn die gehört seinem hartnäckigen Gegenspieler Erich Kellerhals.

Dieser ist Gründer von MediaMarkt und hält immer noch 21,6 Prozent am Unternehmen. Zusammen mit Mitgründer Leopold Stiefel verfügt der Unternehmer über rund 25 Prozent der Anteile und macht mit dieser Sperrminorität seit Jahren gegen Metro-Manager Cordes mobil. Zuletzt eskalierte der Streit gar vor Gericht – und die Kollateralschäden sind gewaltig.

Der Hintergrund: Kellerhals und Stiefel können laut Gesellschaftsvertrag alle wichtigen Entscheidungen von Media-Saturn blockieren und nutzen dieses Recht ausgiebig. Cordes versuchte die beiden durch die Einrichtung eines Beirates auszuhebeln, was bislang scheiterte. Kellerhals zog vor den Kadi.

Pattstellung bremst Erfolg

Der Streit lähmt das Unternehmen nachhaltig. Wichtige Strategieentscheidungen, etwa der Einstieg ins boomende Online-Geschäft, wurden verschlafen und dadurch Marktanteile an Mitbewerber wie amazon.com abgegeben. Die Schuld schieben sich Kellerhals und Cordes gegenseitig zu. Die Unternehmenszahlen sprechen für sich. Beflügelt durch Werbeslogans wie „Geiz ist geil“ und „Ich bin doch nicht blöd“, lief das Geschäft lange wie geschmiert.

Vor allem in Österreich hat man das Gefühl, dass Media-Saturn quasi ein Monopolist ist, absolut unantastbar. Doch der Zank wirkt sich sehr wohl negativ auf die Gruppe aus. Im zweiten Quartal 2011 schrieb Media-Saturn sogar einen operativen Verlust (vor Sonderfaktoren) von 44 Millionen Euro. Was sogar auf den Mutterkonzern Metro durchschlägt, dessen operativer Gewinn um knapp 30 auf 306 Millionen Euro absackte. Cordes konnte sich zu Wochenbeginn einen Seitenhieb auf die Elektro-Tochter nicht verkneifen: „Das ist nicht akzeptabel. Ich habe immer vor dem süßen Gift des Erfolgs gewarnt.“

Der frühere Erfolg erlaubte es Gründer Kellerhals, Hunderte Millionen auf die Seite zu legen. Er zog sich nach Salzburg zurück, hielt sich vom operativen Geschäft fern und gründete in Österreich mehrere erfolgreiche Immobiliengesellschaften. Hierzulande kann er aber auch genau beobachten, wie MediaMarkt und Saturn ohne sein Zutun arbeiten. Österreich war nämlich der Testmarkt für den nun doch konzernweit langsam anlaufenden Einstieg ins Online-Geschäft.

Während man in Deutschland nur Preise und Produktinformationen via Website abfragen konnte, stellte die Austro-Tochter unter den Geschäftsführern Frank Kretzschmar und Thomas Pöcheim einen funktionierenden Webshop auf die Beine und sicherte so den Marktanteil von rund 30 Prozent ab. Zuletzt durchbrach man die Eine-Milliarde-Umsatz-Schallmauer und trug wesentlich zum Ergebnis der vor allem in Deutschland schwächelnden Gruppe bei.

Später Trendfolger

Cordes musste dafür einen teuren Umweg gehen und verleibte sich den Online-Anbieter redcoon ein, der Media-Saturn ein Standbein am Online-Markt verschaffen soll. Denn der Trend im Elektrohandel geht klar in Richtung Internet. Niedermeyer-Chef Werner Weber bestätigt: „Bei einzelnen Produktgruppen, etwa Fotografie, werden bereits 30 Prozent aller Umsätze online gemacht. In drei bis vier Jahren könnte das in sämtlichen Warenbereichen der Fall sein – wer nicht wie wir auf Verzahnung mit Beratung und Service in lokalen Geschäften setzt, wird es schwer haben.“

Media-Saturn-Mann Kretzschmar bestätigt: „Wir sind dabei, das Online-Sortiment Monat für Monat zu erweitern, und verzeichnen einen starken Anstieg von Kundenbestellungen.“ Hauptargument im Elektrohandels-Match ist zudem der Preis. Und hier musste Media-Saturn nicht zuletzt durch Vergleichsportale wie Geizhals schwere Abstriche machen.

Gerichtsstreit tobt

Abseits des täglichen Geschäfts mit TV-Geräten, Waschmaschinen und Handys rüsten die Media-Saturn-Kontrahenten jetzt zur großen Schlacht. Eine erste Verhandlung am Landgericht in Ingolstadt (dem Sitz der Media-Saturn-Holding) brachte für keine Seite ein befriedigendes Ergebnis. Am 11. Oktober wird nun entschieden, ob eine Beweisaufnahme stattfinden wird oder gleich ein Urteil fällt.

Kellerhals hat allerdings bereits angekündigt, im Fall seines Unterliegens bis zum deutschen Höchstgericht zu gehen. Auf die Frage, ob er mit seinem juristischen Feldzug dem Unternehmen nicht Schaden zufüge, antwortet er: „Oberstes Ziel ist es, Schaden von der Media-Saturn-Holding abzuwenden. Schädigen würde momentan vielmehr die von der Metro beabsichtigte Einrichtung eines Beirats, in dem weder Zuständigkeiten noch Entscheidungsfindungen geklärt wären.

Dann käme es für die Geschäftsführer von Media-Saturn zu einer verwirrenden Situation: Wer ist überhaupt legitimiert, verbindliche Entscheidungen zu treffen – der Beirat oder die Gesellschafterversammlung? Dies würde alle Beteiligten verunsichern, vor allem die Media-Saturn-Mitarbeiter.“

Aus Metro-Unternehmenskreisen verlautet, dass die Geduld bald zu Ende sei liebend gern würde man den streitbaren Gründervätern ihre Anteile abkaufen. Erich Kellerhals erteilt solchen Plänen allerdings eine deutliche Abfuhr. Seine Berater teilen in einer Stellungnahme mit: „Herr Kellerhals verkauft seine Anteile nicht. Daran hat er überhaupt kein Interesse. Ganz im Gegenteil: Er kann sich kein besseres Investment als Media-Saturn vorstellen. Auch ein angedachter Börsengang mit der Metro AG als Mitgesellschafter ist nun ausgeschlossen, denn ohne Vertrauen und partnerschaftliche Zusammenarbeit ist ein Gang an die Börse nicht möglich.

Der Zoff hat sich mittlerweile auch auf die persönliche Ebene verlagert. So soll Kellerhals dem Metro-Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Kluge einen Brief geschrieben haben, in dem er die Kompetenzen von Eckhard Cordes anzweifelt und dessen Abberufung fordert. Kellerhals weist diesen Vorwurf zurück, will seinen privaten Briefverkehr aber nicht weiter kommentieren.

Besuch von der Kripo

Der Neo-Österreicher Kellerhals legt offenbar wenig Wert auf Verbündete. Ein weiterer Brief beinhaltet die Forderung an Eckhard Cordes, wenigstens gegen die verstärkte Organisation der Belegschaft in Gewerkschaften mobilzumachen, denn sonst würde der Unternehmenswert wesentlich fallen.

Die Turbulenzen reißen im Umfeld des Streits nicht ab – im Gegenteil: So durchsuchten kürzlich deutsche Sicherheitsbeamte die Konzernzentrale des Elektrohandelsunternehmens in Ingolstadt. Der Verdacht: Media-Saturn-Manager hätten Bestechungsgelder genommen. Lieferanten sollen versucht haben, eine bessere Platzierung und Werbung für ihre Produkte zu bekommen. Der entscheidende, verräterische Tipp soll aus dem Unternehmen selbst gekommen sein.

Großes Aufräumen

Cordes kommen solche Turbulenzen und die erodierenden Umsätze und Gewinne möglicherweise gar nicht so ungelegen, kann er doch damit sein Bestreben nach mehr Durchgriffsmöglichkeiten argumentieren.

Kellerhals zeigt sich unbeeindruckt und lässt zur Festspielzeit in seinem Salzburger Restaurant groß aufkochen – seinem Motto „Geiz ist geil“ bleibt er dabei allerdings treu: Den Gourmet-Businesslunch mit Grießnockerl-Consommé und Blattsalat auf Rindsfiletstreifen gibt es bereits um kostengünstige 10,50 Euro.

Klar wird auch, warum Restaurant-Eigentümer Kellerhals ganz generell kein großer Freund von Gewerkschaften ist. Im Juli suchten nämlich 15 Mitarbeiter seines Salzburger Lokals Rechtshilfe wegen Hunderter unbezahlter Überstunden. Der frühere Souschef leistete innerhalb eines Jahres 800 Überstunden, die Hälfte davon ohne Bezahlung.

– Florian Horcicka

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