Maurer vom Königlichen Bogen

Maurer vom Königlichen Bogen

Um keinen Geheimbund ranken sich mehr Mythen als um die Freimaurer. Konspirative Versammlungen und bizarre Rituale inspirieren Verschwörungstheoretiker und katholische Glaubenshüter regelmäßig zu kühnen Phantasien. Tatsache ist aber: Die Logenbrüder haben mächtige Seilschaften geknüpft, die bestens in Politik, Wirtschaft, Kultur, Justiz und Verwaltung verankert sind.

Bisweilen auch mit unrühmlichen Nebenerscheinungen, die zuletzt bei der Skandalverstrickung der (mittlerweile ausgeschlossenen oder beurlaubten) Freimaurer Rudolf Fischer (Ex-Telekom-Austria-Vorstand), Peter Hochegger (Lobbyist) und Wolfgang Kulterer (Ex-Hypo-Boss) für Aufregung sorgten.

Klar, dass die Logen um Beruhigung bemüht sind und ihre Tarnung (im Fachsprech "Deckung") intensiviert haben. FORMAT ist es dennoch gelungen, einige aktuelle Entwicklungen im Geheimbund aufzuspüren. So wurde etwa vergangene Woche in der "Großloge d alten freien u angenommenen Maurer v Österreich" ein neuer Großmeister gewählt. Der Textilunternehmer und Aufsichtsrat der Privatklinik Rudolfinerhaus, Georg Semler, löst den Vorarlberger Ex-Landesvolksanwalt Nikolaus Schwärzler ab. Semler bestätigt zwar seine Wahl, gibt sich aber über seine Vorstellungen zur Amtsausübung zugeknöpft.

Internationales Geheimtreffen in Wien

FORMAT liegt zudem eine Einladung und ein detailliertes Programm der "Annual Convocation of the Supreme Grand Chapter of Royal Arch Masons" in Wien vor. Konkret ist damit eine international besetzte Freimaurerversammlung gemeint, die hierzulande vom 11. bis zum 15. Juni abgehalten wird.

Im Mittelpunkt des Geheimtreffens steht der meistausgezeichnete General-Großhohepriester Edmund D. Harrison - sozusagen der Chef des internationalen Großkapitels der Maurer vom Königlichen Bogen. Mit von der Partie ist auch Großmeister Louis E. Bartrand, ein hochdekorierter Oberst der US Airforce. Das Rahmenprogramm ist durchaus erbaulich, und man begeht feierlich das 40-Jahr-Jubiläum der "Maurer vom Königlichen Bogen".

Gemeinsam mit hochgradigen Logenbrüdern aus Österreich werden die rund 300 Gäste aktuelle Probleme der Freimaurerei besprechen, ein einschlägiges Besichtigungsprogramm absolvieren und natürlich Logenarbeit betreiben. Einquartiert ist die internationale Delegation übrigens im Parkhotel Schönbrunn. // Unter dem Vorsitz von Österreichs Ex-Großmeister Michael Kraus, der nun als Großmeister des Königlichen Bogens fungiert, werden gleich zum Auftakt die Freimaurersymbole Winkel und Zirkel ausgepackt, um in den Logen Concordia und Sarastro in der Wiener Rauhensteingasse 3 die Hand zum Bunde zu reichen. In der Großloge von Österreich wird im Anschluss diniert. Weitere Programmpunkte: eine Donauschifffahrt in den Freimaurertempel von Bratislava - laut Kraus eine Art Wallfahrtsort der heimischen Freimaurer - und Arbeit in den Wiener Logen Anthropos, Acacia und Prometheus. Gewürdigt wird auch die innerhalb der Organisation angesehene Brückenkopffunktion der österreichischen Logen Richtung Osteuropa.

Prominente Logenbrüder

Am Freitag, dem 13. Juni, wird dann die offizielle "Einberufung" im Parkhotel Schönbrunn erfolgen und am Folgetag Versammlungen in der Großloge - fein abgestuft nach unterschiedlichen Freimaurergraden. Unter den prominentesten österreichischen Freimaurern sind übrigens der Industrielle Hannes Androsch, Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner und Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske - allesamt regelmäßige Besucher des Tempels in der Rauhensteingasse.

Abgeschlossen wird das Weltfreimaurertreffen mit einem Ausflug ins gerne als "gedeckter" Treffpunkt verwendete Freimaurermuseum Rosenau und der Besichtung von Schloss Esterházy in Eisenstadt. Letzterer Programmpunkt ist auch kein Zufall - immerhin gibt es im Umfeld mehrere aktive Brüder.

In ganz Österreich gibt es rund 3.200 Mitglieder des Bundes, die in 74 Logen die Lichter entzünden. Zumeist sind sie als Kultur- oder Bildungsverein registriert. Die oberste freimaurerische Instanz sitzt in der "Vereinigten Großloge von England". Vorteil der Freimaurer aus angelsächsischen Ländern: Sie agieren offener - während in Zentraleuropa die Angst vor Verfolgung durch Kirche und Nationalsozialisten unvergessen ist und daher Geheimniskrämerei Vorrang hat. Wittern Freimaurer Gefahr von Außenstehenden, warnen sie sich vor unbedachten Gesprächen mit den Worten "Es regnet". Die Brüder hoffen auf Sonnenschein in Wien.

> siehe auch Großmeister der Skandale

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