Maria-Elisabeth Schaeffler – Comeback der Witwe

Ein Pelzmantel-Auftritt in Kitzbühel brachte sie an den Pranger, die missglückte Conti-Übernahme fast in die Pleite. Doch jetzt ist die Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler wieder da.

Maria-Elisabeth Schaeffler – Comeback der Witwe

Ein Drama mit Tricks und Tränen, einer der wildesten Coups der Wirtschaftsgeschichte, ein Lehrstück, wie man bei einer Übernahme scheitern kann - und am Ende dennoch als Sieger lacht. Die in Wien aufgewachsene Maria-Elisabeth Schaeffler versetzte Deutschland in Aufruhr, als sie sich 2008 anschickte, den Reifenriesen Continental zu schlucken. Ein kühnes Unterfangen: Conti ist dreimal so groß wie das fränkische Familienunternehmen Schaeffler, die Übernahme komplett fremdfinanziert. Es geht schief, was nur schiefgehen kann. Beide Unternehmen stehen kurz am Rand des Ruins, erdrückt von Milliarden-Schulden und der plötzlichen Wirtschaftsflaute.

Doch jetzt, vier Jahre später, ist wieder alles anders: Continental, mit einem Umsatz von 30,5 Milliarden Euro einer der weltweit größten Autozulieferer (zum Vergleich: Frank Stronachs Magna setzt 20,7 Milliarden um), brilliert mit Super-Ergebnissen. Der Aktienkurs hat sich in den vergangenen zwölf Monaten fast verdoppelt, die Wiederaufnahme in den DAX, den Leitindex der Frankfurter Börse, könnte schon im September erfolgen. "Es ist wieder Ruhe eingekehrt“, atmet Conti-Sprecherin Antje Lewers durch.

Großes Comeback

Und Großaktionär Schaeffler ist wieder ganz obenauf. Mit 10,7 Milliarden Euro erzielte der Spezialist für Kugel- und Wälzlager 2011 einen Rekordumsatz. Investoren rennen dem Familienunternehmen die Türen ein: Seit Februar hat Schaeffler über Anleihen am Kapitalmarkt knapp vier Milliarden Euro eingesammelt - 36 Monaten zuvor hatte die Firmenchefin noch um staatliche Finanzhilfe gebettelt.

Schaeffler und Conti - das ist die Geschichte von Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg einer Unternehmerin. Eine moderne Wirtschaftsstory, die anschaulich belegt, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg geworden ist.

In der ersten Hälfte 2008 ist die Welt nicht nur in Ordnung, sie strotzt gerade vor Wachstum. Die Börsen sind im Höhenflug, die Banken fragen nicht nach Sicherheiten, sondern nur, ob es noch eine Kredit-Milliarde mehr sein darf. In dieser Phase setzt Maria-Elisabeth Schaeffler zu ihrem größten Coup an: der Übernahme des Reifen-Riesen Continental.

Die Frau ist eine Unternehmerin wider Willen. Einst Medizinstudentin in Wien, lernt sie beim Skifahren den deutschen Unternehmer Georg Schaeffler kennen. Sie heiraten. Als ihr Mann 1996 stirbt, übernimmt sie das Unternehmen in der Nähe von Nürnberg - und expandiert. Nach der Übernahme von FAG Kugelfischer - der Deal bringt ihr den Beinamen "listige Witwe“ ein - beschäftigt das Unternehmen 66.000 Mitarbeiter. "Wiener Charme mit Durchsetzungskraft“, so beschreibt Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer die Unternehmerin.

Griff nach den Sternen. Und dann soll es Conti sein, nach Bosch der zweitgrößte deutsche Autozulieferer. Im Juli 2008 legt Schaeffler ein offizielles Übernahmeangebot. Ein Kleiner will einen Großen schlucken - bei Conti in Hannover geht das Management sofort in Abwehrstellung. Es beginnt ein brutaler Übernahmepoker, wie ihn Deutschland noch nicht erlebt hat. Doch schlimmer trifft die Unternehmerin die Lehman-Pleite zwei Monate später: Weltweit bricht der Autoabsatz ein, die Banken werden nervös, an den Börsen wird nur noch verkauft. Der Conti-Kurs stürzt auf unter 25 Euro - doch das verbindliche Schaeffler-Angebot liegt bei 75. Plötzlich hat Schaeffler über 90 Prozent der Anteile - und elf Milliarden Euro Schulden. Noch einmal so viele lasten auf Conti. Ein Schuldenberg von 22 Milliarden Euro droht Schaeffler zu erdrücken.

Pleite im Pelz

Es folgt der Fauxpas von Kitzbühel. Schaeffler besucht im Jänner die Audi-Nacht, lässt sich bei dem Society-Event im teuren Pelzmantel fotografieren. Als sie wenig später um staatliche Finanzhilfen für ihr Unternehmen ansucht, ist die Empörung groß. Die "Bild“-Zeitung bringt die Kitzbühel-Fotos und spottet. Man kann nicht im Nerzmantel um Staatshilfe bitten. Die Regierung lehnt ab.

Zwischen Schaeffler und Conti herrscht weiter Eiszeit, Vorstand und Aufsichtsrat blockieren sich gegenseitig. Statt Synergien gibt es Kleinkrieg. Mitte 2009 verlieren die Banken die Geduld. Oberaufseher Rolf Koerfler und Conti-Chef Karl-Thomas Neumann müssen gehen, der ehemalige BMW-Manager Wolfgang Reitzle wird neuer Chef des Aufsichtsrats - und bricht die verhärteten Fronten auf. Eine Einkaufsgemeinschaft wird gebildet, auch ein Turbolader gemeinsam entwickelt.

Doch die eigentliche Rettung ist die anziehende Autokonjunktur. Die exportstarken deutschen Autohersteller sorgen für volle Auftragsbücher. Erstmals seit fünf Jahren schafften 2011 alle Conti-Divisionen wieder schwarze Zahlen. In die Reifensparte, lange ein Verkaufskandidat, wird eine Milliarde Euro investiert für neue Werke in Russland und den USA, in China und Brasilien sollen die Kapazitäten ausgebaut werden. "In den vergangenen Jahren lagen wir mit unserem Wachstum immer rund fünf Prozent über dem Gesamtmarkt“, sagt der neue Vorstandschef Elmar Degenhart, und das soll so bleiben.

Auch Schaeffler steht wieder besser da und verdient Geld. Doch noch immer hat das Unternehmen eine Schuldenlast von 6,7 Milliarden Euro auf den Schultern - für ein paar Gemeinschaftsprojekte mit Conti ein hoher Preis. Von einer Fusion und Synergien ist schon lange keine Rede mehr. Immerhin steht der Kurs der Conti-Aktie leicht über 75 Euro, dem Preis, den Maria-Elisabeth Schaeffler bezahlt hat. Doch dafür wankt die Autokonjunktur. In Südeuropa schrumpft der Markt, bei Schaeffler war der Gewinn im ersten Quartal rückläufig. Das letzte Kapitel des Conti-Abenteuers ist noch nicht geschrieben.

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