Madoff: Geheime Revisionsberichte bringen die Bank Austria in Bedrängnis

Geheime Revisionsberichte aus der Bank Austria zeigen: Das Institut ignorierte Warnungen vor Geschäften mit US-Guru Madoff. In Schadensersatzprozessen könnte sich das nun rächen.

Die Geschäfte liefen wie geschmiert, damals in den Jahren 2000 und 2001. „ Die Firma ist hochprofitabel. Der Ertrag der Bank Austria belief sich im Jahr 2000 auf 2,9 Millionen US-Dollar und im Jahr 2001 (bis inklusive Juli) auf 2,2 Millionen US-Dollar “, lautete ein Resümee eines konzerninternen Berichts über die BA Worldwide Fund Management (BAWFM) vom 29. August 2001. Doch schon damals war bei der zur Bank Austria gehörenden Gesellschaft nicht alles eitel Wonne. Zumindest die Innenrevision beurteilte die Tätigkeit der BAWFM, die bekanntlich über Jahre als Investmentberater des vom US-Milliardenbetrüger Bernard Madoff gemanagten Primeo-Fonds tätig war, äußerst kritisch. Das geht aus bankinternen Revisionsberichten hervor, die im Zuge von Ermittlungen der FMA zutage gefördert wurden und FORMAT exklusiv vorliegen. Sie erhöhen auch die Brisanz von Schadensersatzklagen gegen die Bank.

Kein schriftlicher Vertrag

An einer Stelle des Berichts aus dem Jahr 2001 heißt es unter dem Punkt „Vertragliche Situation“ etwa: „ Über die Beauftragung des tatsächlich operativ agierenden Managers (Anmerkung: Bernard Madoff) gibt es keinen schriftlichen Vertrag mit der BAWFM.“ Die Prüfer empfahlen daher: „Aus Haftungsgründen sollte nochmals versucht werden, vom Manager eine schriftliche Unterlage zu erhalten, wonach sich dieser verpflichtet, die Fondsbestimmungen einzuhalten .“ In ihrer abschließenden Risikobewertung versahen die Revisoren das Fehlen jeglicher schriftlicher Unterlagen mit dem Rating 1 für „kritisch“ und „Handlungsbedarf“. Sie empfahlen deshalb, so rasch wie möglich auf Verträge mit Madoff zu drängen. Und noch etwas stieß den Revisoren schon damals sauer auf: Die Fondskontrolle war nur in Teilbereichen vorhanden.

Wer nun meint, dass nach einem derart deutlichen Bericht in der Bank alle Alarmglocken schrillten, der irrt. Denn im Jahr 2003 rückten die Prüfer erneut aus, um die Geschäfte der Bank-Austria-Fondstochter unter die Lupe zu nehmen. Diesmal fiel ihr Urteil noch härter aus. „ Eine schriftliche Vereinbarung mit Madoff über dessen Aktivitäten gibt es bis dato nicht “, wird erneut bemängelt. Und weiter: „ Die BAWFM ist bei der Kontrolle der Transaktionen nahezu ausschließlich auf Informationen seitens des Managers angewiesen. “

Weil sich die Bemühungen um Vereinbarungen mit dem früheren US-Finanzguru anscheinend als aussichtslos erwiesen, warteten die Revisoren mit einer neuen Empfehlung auf: „ Die Revision hat daher die Einholung einer rechtlichen Stellungnahme hinsichtlich der Haftungssituation der BAWFM bzw. der BA-CA empfohlen “, heißt es in dem Papier. Das Haftungsrisiko der Bank wurde damals mit 350 Millionen Dollar beziffert.

Diese Berichte zeigen, dass nahezu das gesamte Bank-Austria-Management bis hinauf in die Vorstandsetage über die erheblichen Risiken bei den Geschäften mit Madoff Bescheid wusste, aber – zumindest einige Jahre hindurch – nichts unternahm. Auf dem Verteiler des Revisionsberichts des Jahres 2001 finden sich so prominente Namen wie jener von Exvorstand Franz Zwickl, damals zuständig für Konzernrevision, weiters Friedrich Kadrnoska und Karl Samstag. Der damalige Vorstandsvorsitzende Gerhard Randa stand auf dem Verteiler sogar ganz oben. Auch im Jahr 2003 erfuhren die maßgeblichen Herren von den Prüfungsergebnissen. Mit auf der Verteilerliste auch der Name des jetzigen Bank-Austria-Chefs Willibald Cernko, der damals im Vorstand für Asset Management zuständig war.

Bank schweigt

Warum aber haben die Bank Austria und ihre Manager auf die Empfehlungen der Revisoren nicht reagiert? Das Institut schweigt zu dieser Frage, man wolle laufende Verfahren nicht kommentieren. Es verweist aber darauf, dass einzelne Dokumente immer im Kontext zu sehen seien.

Ein Jurist, der anonym bleiben will, aber zahlreiche Madoff-Opfer bei Gericht vertritt, sieht die Dokumente als Indiz für die „Riesenschlamperei“, die in der Bank herrschte. Bloß mündliche Verträge zwischen Bank und Fondsmanagern wären absolut unüblich. Das Vertrauen auf die Handschlagqualität eines Fondsmanagers wäre bestenfalls als „grob fahrlässig“ einzustufen, so der Anwalt.

Diese „Schlamperei“ könnte das Institut jetzt teuer zu stehen kommen. Mehrere Hundert Anleger, darunter auch einige Gemeinden, sind in Österreich gegen die Bank vor Gericht gezogen. Einige Klagen wurden zwar bereits rechtskräftig abgeschmettert – die Malversationen von Madoff könnten nicht der Bank angelastet werden, lauteten die Urteilsbegründungen. Aber US-Anwalt Irving Picard ließ sich dadurch nicht abschrecken und brachte Ende 2010 eine Megaklage gegen die Bank Austria, deren Mutter UniCredit, die Bank Medici und mehrere heimische Banker in Höhe von 19,6 Milliarden Dollar ein. Die nun aufgetauchten Revisionsberichte dürften für den Madoff-Opferanwalt bei seiner Argumentation, die Bank Austria sei eher Mittäter als Opfer von Madoff gewesen, wohl recht hilfreich sein.

– Angelika Kramer

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