Machtwechsel bei BA: Mit Hampel wird der siebte von neun Vorständen ausgewechselt

Der Exodus in der Bank Austria gipfelt in der Ablöse von Erich Hampel. Jetzt bauen die Italiener die Wiener komplett um – inklusive Jobabbau.

In zwei Stunden war die Sache erledigt. In der vorwöchigen Aufsichtsratssitzung der Bank Austria (BA) brauchte Alessandro Profumo keine Minute länger, um zwei Vorstände zu bestellen, die Entwicklung des krisenbehafteten Osteuropageschäfts abzuklopfen und die Quartalszahlen fürs Privat- und Firmenkundengeschäft abzunicken. Ein Antrag über milliardenschwere Staatshilfe – wohl das zentrale Thema in der Bank – wurde gar nicht erst thematisiert. Warum auch? Seit der italienische UniCredit-Boss vor fast drei Jahren das Ruder übernommen hat, ist das Kontrollgremium der größten Bank Österreichs zum exklusiven Kaffeekränzchen mutiert. „Wir werden ferngesteuert“, stellt ein BA-Aufsichtsrat, der anonym bleiben will, trocken fest. Wichtige Anträge würden längst nicht mehr lokal entschieden. „Mailand ist die Zentrale, Wien die Peripherie.“

Profumo wünscht sich was
Zu Wochenbeginn wurde den Österreichern ihr Randdasein dramatisch vor Augen geführt: Der 52-jährige Willibald Cernko soll auf Profumos ausdrücklichen Wunsch BA-General Erich Hampel ersetzen – eine Bombe. Damit erreicht die Kaltschnäuzigkeit, mit der Profumo seit Ausbruch der Finanzkrise die Österreich-Tochter durchrüttelt, einen neuen Höhepunkt. Innerhalb eines Jahres wurden sechs von neun BA-Vorständen ausgetauscht. Hampel ist die Nummer sieben. Unversehrt blieben lediglich Alessandros Amici Federico Ghizzoni und Carlo Vivaldi, die Mailänder Gesandten im BA-Vorstand. Der Machtwechsel auf Italienisch sorgt jedenfalls bei Kunden und Mitarbeitern gleichermaßen für Verunsicherung. Doch warum fiel Erich Hampel bei Profumo in Ungnade? Es war wohl seine zögerliche Haltung bei brisanten Themen. Harte Entscheidungen unter Zeitdruck zu treffen war nie Hampels Stärke. So boxte er vor vier Jahren nur mit größter Anstrengung eine Reform des veralteten BA-Dienstrechts durch. Damals griff der Betriebsrat unter der machtbewussten Hedwig Fuhrmann Hampel öffentlich hart an. Einen derart brutalen Arbeitskampf wollte er nie wieder erleben.

Neuer Arbeitskampf?
Genau das könnte aber sehr bald bevorstehen. Derzeit beschäftigt die Bank rund 10.900 Mitarbeiter in Österreich. Laut FORMAT-Informatio­nen spielen die Mailänder Konzernstrategen Szenarien durch, die Personalkosten bis 2012 zwischen zehn und 15 Prozent zu reduzieren. In der BA-Backoffice-Einheit Administration Services wurden beispielsweise 320 Stellen identifiziert, für die keine Verwendung mehr besteht. Nachdem keine Abfindungen gezahlt werden und auf allen Ebenen gespart werden muss, dürften Kündigungen wohl unausweichlich sein. Entgegen bisherigen Behauptungen sollen auch kundennahe Bereiche wie Filialen betroffen sein. So weit der Plan der Italiener. In Wien wird ein beschleunigter Personalabbau bestritten. BA-Sprecher Martin Halama: „Über die im Vorjahr bekannt gegebenen Maßnahmen hinaus gibt es ­keine weiteren Pläne.“ Der schüchterne BA-Betriebsratschef Wolfgang Heinzl wird es nicht leicht haben. Denn mit Willibald Cernko hat er ein Gegenüber, das Manager von Heinzls Schlag zum Frühstück verspeist (siehe Porträt ) .

Die Affäre Madoff
Doch nicht nur in der Bank herrscht große Betroffenheit, auch draußen gibt es Opfer: Rund 740 wohlhabende BA-Kunden sind wegen des US-Milliardenbetrügers Bernard Madoff gemeinsam um 800 Millionen Euro ärmer. Die Bank Austria verkaufte bekanntlich ihre Primeo-Fonds an betuchte Kunden. Diese Fonds wurden zum Leidwesen der Anleger von Madoff gemanagt – und sind mittlerweile wertlos. Zu den Betroffenen zählen pikanterweise Ex-BA-General René Alfons Haiden und Ex-Nationalbank­präsident Adolf Wala. Die wollen die Bank Austria wegen Fehlberatung verklagen. Ein Rechtsanwalt arbeitet nun eine Klage aus. Die wütenden Bankpensionäre zu ­kalmieren ist vorerst die Hauptaufgabe von Georg Danzmayr. Der Exchef der Schoel­lerbank und frischgebackene Private-Banking-Vorstand der Bank Austria genießt beim heimischen Geldadel hohes Ansehen. Er soll den angeknacksten Ruf der BA wiederherstellen. Das Wohl von Adolf Wala liegt Profumo besonders am Herzen. Denn Wala ist Vorstand der Banken-ÖIAG Fimbag. In die bald startenden Verhandlungen um BA-Staats­hilfe ist die Fimbag voll eingebunden.

Austro-Milliarden für UniCredit
Profumo benötigt vier Milliarden Euro, um seine UniCredit wieder aufzupäppeln. Zwei Milliarden soll Österreich zuschießen, den Rest der italienische Staat. Die überraschende Hampel-Ablöse zu Wochenbeginn hat das Vertrauen in die Ita­liener zumindest erschüttert. Das Finanzministerium kontert nun mit harten Auf­lagen. So soll Wien für die Laufzeit des Partizipationskapitals als Sitz der Ostzentrale erhalten bleiben. Zudem soll die BA auch mit UniCredit-Geld versorgt werden – Volumen: mindestens 75 Prozent des vom Staat zur Verfügung gestellten Betrags. Auch eine Mindesteigenkapitalquote wird angedacht, um zu verhindern, dass Geld aus Österreich abgezogen wird. Profumo ist bereit, über alles zu verhandeln – über fast alles: Denn einem Verbot, Jobs abzubauen, würde der Ex-McKinsey-Mann Profumo niemals zustimmen.

Von Ashwien Sankholkar

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