Lyoness: Europaweite Einkaufs-
gemeinschaft aus Österreich startet durch

Mit seiner simplen Handelsidee hat Lyoness-Gründer Hubert Freidl schon 350.000 Kunden überzeugt. Ziel des Steirers: eine europaweite Einkaufsgemeinschaft.

Geniale Gedankenblitze zünden oft im Alltäglichen. So wie bei Hubert Freidl, der sich einst im Möbelhaus über die saftigen Preise und die abschätzige Reaktion des Verkäufers ärgerte. Wenn er größere Mengen ordere, versprach der Möbelhändler, werde er ihm auch einen besseren Rabatt gewähren. Freidl, gelernter Großhandelskaufmann aus der Steiermark, zog ab und dachte nach.

350.000 Kunden
Fünf Jahre und zahllose Investorengespräche später ist Freidl wieder da – mit der geballten Einkaufsmacht von 350.000 Kunden. Das soll aber erst der Anfang sein: Mit der ab Ende des Monats in Österreich über alle Medienkanäle flimmernden Werbekampagne will der Steirer alleine hierzulande 450.000 Kaufwütige von seinem „Lyoness“-System überzeugen (Lyonese war übrigens ein legendäres Reich in der britischen Mythologie). Sukzessive läuft dann auch in den anderen acht Ländern, in denen der Unternehmer aktiv ist, großflächiges Marketing an. Ziel ist, die größte Einkaufsgemeinschaft Europas zu werden.

Rabatt inklusive
„Lyoness ist ein Verbund von Kunden, die beim Einkauf sofort Rabatt erhalten“, erklärt der Gründer, „und Händler, die sich unserem System anschließen, profitieren von neuen Stammkunden.“ Eine neue Stammkundenkarte wäre an sich keine Meldung wert. Das Neue daran: Freidls „Cashback“-Karte ist branchen- und länderübergreifend. So bekommt, wer sich kostenlos registriert hat, nicht nur bei Zielpunkt seine Lebensmittel und an OMV-Tankstellen seinen Sprit, sondern auch bei Kika/Leiner seine Möbel günstiger. Ein bis zwei Prozent Nachlass sind das bei jedem Einkauf, der durchschnittliche Lyoness-Kunde spart damit rund 200 Euro pro Jahr.

Einkauf mit Gutscheinen
Bis dato, wohlgemerkt, denn noch müssen für die meisten Händler – in Österreich sind das 1.700, in Europa 14.000 – zunächst Gutscheine geordert und damit die Einkäufe bestritten werden. „Mit der Cashback-Karte, die die Kunden jetzt bekommen, sind auch Spontankäufe möglich – dadurch steigen Umsatz und Ersparnis“, frohlockt Freidl. Bislang hat der 36-Jährige freilich nur kleinere Händler, die noch keine eigene Stammkundenkarte haben, von seinem Kartensystem überzeugen können. Große wie bauMax oder Stiefelkönig hofft Freidl in den nächsten Monaten auf seine Seite zu ziehen: „Unterjährig steigen die ohnehin nicht um, außerdem müssen wir genügend Kunden mitbringen.“ Um Kundenzahl und Verhandlungsbasis zu steigern, fließen aber nicht nur neun Millionen Euro in die österreichweite Werbekampagne. Zusätzlich operiert Lyoness mit einem Direktvertriebssystem, in welchem jeder geworbene Kunde Bares bedeutet.

Provisionen für neue Kunden
Wie das geht, weiß Elisabeth Gössl. Von den Einkäufen jener, die sie geworben hat, erhält die ehemalige Lehrerin ein halbes Prozent auf ihrem Provisionskonto gutgeschrieben. Und von denen, die ihre Kunden geworben haben – der sogenannten zweiten Linie –, ein weiteres halbes Prozent. Hinzu kommen Provisionen je nach Einkaufsvolumen, über die man sich bei Lyoness aber ausschweigt. Gössl, die nach ihrer Erstkarriere zunächst einen mexikanischen Fairtrade-Laden in Graz aufgemacht hat, verdient nach anderthalb Jahren Kundenwerben schon mehr als der österreichische Durchschnitt. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Verdienst“, so die Steirerin, „und dabei muss ich kein Produkt verkaufen.“ Denn auf Kaltakquise verzichtet sie völlig, stattdessen nimmt sie nur noch solche unter ihre Fittiche, die von ihrem Kernteam geworben werden, und macht sie „systemfit“. Gössls Lieblingstag ist der Dienstag: „Da schickt mir Lyoness immer die SMS mit dem Verdienst der vergangenen Woche.“

Nicht zu verschenken
Skeptisch gegenüber Lyoness ist die Arbeiterkammer Graz. „Ob dieses System wirklich zu den in Aussicht gestellten Provisionen führt, kann von uns nicht festgestellt werden“, heißt es in einem extra für potenzielle Lyoness-Kunden angefertigten Arbeiterkammer-Schreiben. In der heutigen Zeit habe schließlich kein Unternehmer mehr etwas zu verschenken. „Haben wir auch nicht“, kontert Freidl, „wir geben lediglich Vorteile aus der Handelsspanne weiter.“ Im Regelfall betrage die zwischen vier und zehn Prozent, ein Prozent deckt die Verwaltungskosten, weiteres Geld fließe in eine gemeinnützige Stiftung, die auch ohne Spenden Projekte wie den Bau eines Waisenhauses in Tansania finanzieren könne. Der Löwenanteil gehe aber direkt an die Kunden. Doch Lyoness selbst verdient auch nicht so schlecht. Freidl: „Den Break-even haben wir bereits sechs Monate nach dem Start erreicht.“

Von Arndt Müller

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