"Luxuskonzerne müssen Arroganz ablegen":
Luxusmessen-Veranstalter Krispl im Interview

Der Veranstalter der Ausstellung „Luxury, please“ über perversen Luxus, Noblesse in Zeiten der Finanzkrise und neue Märkte.

Format: Herr Krispl, Händler aus allen Sparten verzeichnen wegen der ­aktuellen Finanzmarktkrise signifikante Umsatzrückgänge. Wie ernst ist die Lage im Luxussegment?
Krispl: Da gibt es nichts schönzu­reden: Die Verunsicherung ist spürbar. Im Gegensatz zu früher überlegen sich Luxusunternehmen nun sehr gut, wo sie ihr Geld investieren. Schöne Umsatzzuwächse sind zwar vorhanden, aber nicht mehr so wie noch vor wenigen Jahren.
Format: Nicht jedes Luxusunternehmen darf sich über schöne Umsatzzuwächse freuen, Hugo Boss oder Egana-Goldpfeil stehen unter großem Druck.
Krispl: Viele Luxusfirmen wie die LVMH-Gruppe gehen mit der Krise aber sehr gut um. Sie investieren in neue Märkte, etwa in Asien, wo das Wachstum noch enorm hoch ist. Dort sind Krise und Rezession noch in weiter Ferne. Auch in Osteuropa gibt es nach wie vor schöne Expansionsmöglichkeiten. Ich denke da etwa an Montenegro, Serbien und Rumänien. In Bukarest wollen wir im kommenden Jahr ja nicht ohne Grund eine Luxusausstellung veranstalten.
Format: Auch dort werden es sich die Menschen angesichts der globalen Lage wohl zweimal überlegen, ob sie sich mit Luxusware eindecken.
Krispl: Jede Krise, jede Rezession ist zugleich eine Chance, auch für die ­Luxusindustrie. Not macht erfinderisch. Zurzeit verkauft sich eben Hochpreisiges nicht so gut, dafür gehen Accessoires bestens. Nobelmarken sind auf die Krise gut vorbereitet und investieren nun ver­stärkt in Service und Qualität.

"Luxuskonzerne sollten Arroganz ablegen"
Format: Wie etwa Cartier. Das Geschäft am Wiener Kohlmarkt wurde erneuert.
Krispl: Cartier ist nur eines von vielen Beispielen. Viele Luxusunternehmen setzen jetzt etwa auf additive Synergien, nehmen verstärkt an Luxusausstellungen teil, um dem Abwärtstrend zu trotzen. In Krisenzeiten ist es wichtig, dass auch Luxuskonzerne die Arroganz ablegen.
Format: Mit welchen Highlights werden Sie auf Ihrer Luxusausstellung am 21. November aufwarten?
Krispl: Wir freuen uns sehr, erstmals Bulgari mit Schmuckkollektionen dabei zu haben und auch Haban. Oder etwa antike Koffer von Louis Vuitton sowie den Maybach von Daimler …
Format: Kostenpunkt?
Krispl: 1,3 Millionen Euro ist der Maybach wert. Aber allein ein antiker Koffer von Louis Vuitton kostet schon 50.000 Euro, Schmuck von Bulgari auch mehrere zehntausend Euro. Ein japanischer Designer ist auch dabei, der seine mit Diamanten verzierte Handtasche um 1,3 Millionen Euro verkauft.

"Nobelhalsketten für Hunde sind Katastrophe"
Format: Klingt absurd. Muss Luxus denn gleich so teuer sein?
Krispl: Nein, natürlich nicht, aber er kann teuer sein. Ich mag keinen Kitsch, nichts Üppiges, Schrilles. Für mich muss Luxus puristisch sein, einfach.
Format: Welchen Luxus gönnen Sie sich privat?
Krispl: Ich lebe mit meiner Familie in der Steiermark, draußen am Land, wo ich in einem schlichten, stilvollen Haus wohne. Als gelernter Schuhmacher habe ich natürlich ein Faible für schöne Schuhe. In meinem Schrank befinden sich mindestens fünfzig Paar.
Format: Keine Nobelhalsketten für den Hund?
Krispl: Um Gottes willen. Bloß nicht. Für Luxus dieser Art habe ich kein Verständnis. Den empfinde ich als Katastrophe.
Format: Zurzeit sind Luxusaktien so günstig wie nie. Werden Sie zuschlagen?
Krispl: Nein, obwohl ich an die Zukunft der Luxusgüterbranche glaube. Ich kaufe mir generell keine Aktien. Dafür bin ich zu altmodisch.

Interview: Silvia Jelincic

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