Ludwig Scharinger, Chef der RLB OÖ, ist sicher, Probleme alleine lösen zu können

FORMAT: Herr Scharinger, im Raiffeisen-Sektor wird der von der EU ermittelte Kapitalbedarf von 1,9 Milliarden Euro für die RZB als zu hoch beziffert. Bezweifeln Sie die Summe auch?

Scharinger: Das war nur eine erste Analyse. Bei der Erste Bank sind die Verluste noch nicht berücksichtigt, ebenso bei der ÖVAG (Volksbanken AG; Anm.), dort wird die Sache noch schwieriger. Bei der RZB sind die Gewinne nicht berücksichtigt.

FORMAT: Aber eine Kapitalaufstockung durch die Eigentümer, also auch durch Ihre Bank, wird die RZB wohl auf jeden Fall benötigen …

Scharinger: Ich schließe eine Kapitalerhöhung nicht aus. Aber ich möchte den anderen Bundesländern und den Organen nicht vorgreifen. Darüber wird im ersten Halbjahr 2012 zu entscheiden sein. Außerdem ist das auch eine Frage der Entwicklung an den Börsen, die ja gerade wieder einmal verrückt spielen – weil die Griechen das Volk zu dem ausgehandelten Rettungspaket befragen wollen. Manchmal frage ich mich schon, ob die noch ganz dicht sind.

FORMAT: Ist die Raiffeisen-Gruppe stark genug, um eine nötige Kapitalerhöhung zu stemmen?

Scharinger: Natürlich. Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich hat zum Beispiel ein hartes Kernkapital von 10,13 Prozent. Neun Prozent werden jetzt plötzlich aus heiterem Himmel verlangt. Da haben wir immer noch genug Spielraum.

FORMAT: Aus heiterem Himmel? Sie können nicht nachvollziehen, dass man von Banken mehr Eigenkapital verlangt, damit sie in Krisen robuster sind?

Scharinger: Ganz nachvollziehen kann ich das nicht. Vor allem würde ich mir wünschen, dass sich die EU-Gremien einmal einig werden, was sie eigentlich wollen. Ich habe nicht den Eindruck, dass EU-Kommission, EZB und die EBA (European Banking Authority; Anm.) sehr koordiniert vorgehen.

FORMAT: Im Volksbanken-Sektor steht eine massive Umstrukturierung an, um das Spitzeninstitut ÖVAG zu stärken. Ist Ähnliches bei Raiffeisen geplant?

Scharinger: Nein, das brauchen wir nicht. Man kann die RZB wirklich nicht mit der ÖVAG vergleichen – die hat eine ganze Menge Probleme. Wir können die neue Situation in der bestehenden Struktur lösen, wir halten viel enger zusammen.

FORMAT: Glauben Sie, dass Beteiligungen verkauft werden müssen?

Scharinger: Das glaube ich nicht: Gute Beteiligungen wird keiner hergeben, und für schwache kriegen Sie kein Geld.

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