London calling: Bankier Julius Meinl V. zieht es immer häufiger auf die britische Insel

Die Meinl Bank rüstet nach den Geschäftsrückgängen in Österreich ihr Büro in England auf. Auch Meinls Privatjet wurde von Wien nach London verlegt.

Julius Meinl V. hat nie ein Hehl aus seiner Affinität zu England gemacht. Der Wiener mit britischem Pass wird neuerdings wieder häufig in der Stadt an der Themse gesichtet. Er residiert dann meist in einer Suite im exklusiven Lanesborough Hotel (Kostenpunkt pro Nacht: 1.100 Pfund), einem Fünf-Sterne-Haus in der Nähe des Hyde Parks. Auch sonst lässt es sich der Banker in seiner zweiten Heimat gut gehen: Mit eigenem Dienstauto der Type Mercedes S-Klasse und Chauffeur lässt sich Meinl durch die City von Termin zu Termin kutschieren oder zum Familiensitz ins südenglische Wiltshire.

Auf zu neuen Ufern
Kein Wunder, dass die Gerüchteküche brodelt. „Julius Meinl will seine Zelte in Wien abbrechen und ganz nach London gehen“, glauben Banker zu wissen. Stimmt nicht, heißt es dazu aus der Meinl Bank, Meinl sei lediglich in London, um Kunden zu akquirieren. Tatsache ist, dass die Meinl Bank dabei ist, in London aufzurüsten und dort – nahezu unbelastet von den Anfeindungen in Wien – groß ins Corporate-Finance-Geschäft einzu­steigen. Mittlerweile ist der Mitarbeiterstab auf fünf Leute angewachsen, und ein neues, erheblich größeres Büro wurde be­zogen. Dort, in der feudalen Hill Street im Londoner Stadtteil Mayfair, hat der „Fünfer“ vor wenigen Wochen auch auf seinen Fünfziger angestoßen. In naher Zukunft sollen in London zehn Meinl-Mitarbeiter arbeiten. Die Rekrutierung neuer Banker, an der auch Julius Meinl selbst mitwirkt, ist in vollem Gange.

Lizenzverfahren im Laufen
„Das Lizenzverfahren in London – zunächst für Fondsmanagement – läuft“, bestätigt Bank-Sprecher Herbert Langsner. Solange man von der Financial Services Security (FSA) kein grünes Licht habe, werde die Bank aber nur nicht-lizenzpflich­tige Geschäfte tätigen. Geplant ist der Aufbau eines Fonds, der mit Distressed Debt, also Not leidenden Krediten, handelt. Der Neustart in London hat einen Grund: Die Geschäfte in Wien wurden aufgrund der Betrugs- und Untreuevorwürfe gegen das Meinl-Management stark in Mitleidenschaft gezogen. Am Wiener Bauernmarkt arbeiten nur mehr rund 100 Leute (früher 150). Auch das verwaltete Vermögen der Bank ist von fünf Milliarden Euro auf unter zwei Mil­liarden Euro zusammengeschrumpft. Die Klagen aufgebrachter MEL-Anleger ­machen für Meinl einen Tapetenwechsel attraktiv. „Aber die Zentrale der Meinl Bank bleibt in Wien“, versichert Vorstand Peter Weinzierl: „Unsere Parole in Österreich heißt: Durchhalten.“

Privatjet ist abgeflogen
Auch Meinls ­Privatjet hat Wien bereits verlassen. Die österreichische Crew der Falcon 2000 wurde vor wenigen Tagen gekündigt, neuer Standort des Meinl-Jets soll London sein. „Es stimmt, der Flieger ist aus Wien weg, anderswo sind die Gebühren nämlich um ein Drittel oder die Hälfte niedriger als in Wien“, so Langsner. Und sogar bei Meinl müsse man sparen.
So wie in Wien hat Meinl auch in London einen Beraterstab um sich geschart: Juristisch steht ihm der renommierte Schadenersatzrechtler James Lewis zur Seite, in PR-Fragen hat er sich an Alan Kilkenny gewandt, der auch schon Camilla Parker-Bowles zu seinen Kunden zählte. Kilkenny war es auch, der Meinl-Interviews in vielen englischen Medien wie dem „Independent“, der „Sunday Times“ und dem „Daily Telegraph“ vermittelt hat. Die Staatsanwälte in Wien – Meinl muss ja für Auslandsreisen immer seinen Pass bei Gericht abholen – stoßen sich nicht an der Reiselust des Bankers. „Wie oft er im Ausland ist, ist uns völlig wurscht“, sagt Sprecherin Michaela Schnell. Und Meinl hat ja in der englischen Presse schon einmal klargestellt: „Sehe ich aus wie ein Mann, der aus Österreich flieht?“

Von Angelika Kramer

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