Liechtenstein: Neue Transparenz und Einführung der Flat-Tax

Die Regierung des früher als Steueroase verschrienen Finanzplatzes Liechtenstein arbeitet emsig an einer Imagepolitur. Künftig will der Zwergstaat mit Transparenz und Solidität Anlagegelder anziehen.

Österreichische Schwarzgeld­akrobaten, die befürchten, auf der berühmten CD mit gestohlenen Bankdaten aus Liechtenstein zu stehen, dürften mit Spannung den heurigen Herbst erwarten. Dann nämlich wird am Fürstlichen Obergericht in Vaduz der Fall Elmar S. neu aufgerollt, dem es in erster Instanz erkleckliche 7,4 Millionen Euro Schadenersatz zugesprochen hatte, weil der deutsche Steuersünder als Betroffener vom Diebstahl seiner Kundendaten nicht rechtzeitig genug informiert worden war. S. hatte ­Berufung eingelegt, weil ihm die Schadenersatzsumme zu niedrig erschien. Gegenpartei ist die ehemalige LGT-Tochter ­Fiduco Treuhand AG, die sich im Falle eines Erfolgs des Deutschen auf eine Klagewelle einstellen muss.

Kunden zogen 2009 sieben Milliarden Franken bei liechtensteinischen Banken ab

Während Steuersünder wie ihre Dienstleister also noch länger von den Folgen der seit gut zwei Jahren laufenden Debatte um die Schwarzgeld-Usancen des Fürstentums betroffen sind, arbeitet die Regierung intensiv an einer Imagepolitur des Finanzplatzes. „Wir sind überzeugt, dass der Kunde
der Zukunft ein steuerkonformer Kunde sein will“, sagt Regierungschef Klaus Tschütscher im FORMAT-Interview. Die Hoffnung des 43-Jährigen, der seit einem Jahr an der Spitze der liechtensteinischen Politik steht, ist aus der Not geboren: Sieben Milliarden Franken zogen die Kunden der liechtensteinischen Banken im Vorjahr ab, 2008 war die Summe mit 5,3 Milliarden nur ungleich niedriger – nicht wenig angesichts der 261,6 Milliarden Franken, die auf dem gesamten Finanzplatz verwaltet werden.

Seit rund einem Jahr hat Liechtenstein deswegen mit 16 anderen Staaten bilaterale Steuerabkommen geschlossen, gleichzeitig wird Geldwäscherei rigoros verfolgt. Die Zahl entsprechender Verdachtsmeldungen stieg im vergangenen Jahr um 24 Prozent auf 235, immerhin 174 davon wurden der Staatsanwaltschaft zur weiteren Bearbeitung übergeben.
Die neue Null-Toleranz-Politik hat am Finanzplatz allerdings nicht nur Freunde. „Es geht hier weniger um die Einführung internationaler Standards“, wettert Clemens Laternser, Chef der Treuhändervereinigung, „sondern um die bedingungslose Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen.“ Seiner Meinung nach berücksichtigen die Steuerabkommen nach OECD-Muster die Bedürfnisse von dienstleistungsorien­tierten Kleinstaaten zu wenig. Aber auch Laternser möchte die Hoffnung nicht aufgeben: „Stiftungen und Trusts werden weiterhin eine gute Zukunft haben.“

Arndt Müller

Im Bild: Schloss Vaduz: Neue Transparenz hinter sehr dicken Mauern

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