Leitl: "Die Politik ist gefordert, wir lassen nicht locker“

Leitl: "Die Politik ist gefordert, wir lassen nicht locker“

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl fordert für EPUs Erleichterungen bei Steuern und der Krankenversicherung.

FORMAT: Die Zahl der Einpersonenunternehmen (EPU) wächst schnell. Wie trägt die Kammer dem Rechnung?

Leitl: Hier ist zunächst ganz stark die Politik gefordert, aber wir lassen nicht locker, diese Unternehmer zu vertreten. Das beginnt bei der Forderung nach der Senkung des Mindestkapitals bei der GmbH auf 10.000 Euro und der Abschaffung der Notariatspflicht.

FORMAT: Die meisten EPUs benötigen aber noch eine viel elementarere Unterstützung.

Leitl: Ja, die Steuererklärung soll auf einem Blatt durchführbar sein, und es muss eine vereinfachende Pauschalierung erreicht werden.

FORMAT: Die Steuer drückt bei den meisten EPUs am meisten.

Leitl: Deshalb soll der Zugang zur Kleinstunternehmerregel erleichtert werden. Die Befreiung von der Umsatzsteuer sollte bis zu einem Betrag von 35.000 Euro in Anspruch genommen werden können. Der Betrachtungszeitraum der vergangenen fünf Jahre soll wegfallen und lediglich auf Umsätze und Einkünfte abstellen.

FORMAT: Viele EPUs arbeiten ja von zuhause aus und nutzen ihren Privat-Pkw beruflich. Welche Erleichterungen wären da sinnvoll?

Leitl: Das Arbeitszimmer soll vollkommen unbürokratisch pauschal steuerlich begünstigt werden, und bei der Anschaffung eines Autos sollte es einen unbeschränkten Vorsteuerabzug geben.

FORMAT: Wenn Einpersonenunternehmen krank werden, leiden sie nicht nur unter dem Verdienstentgang, sondern oft auch unter der mangelnden Absicherung.

Leitl: Bei längeren krankheitsbedingten Ausfällen sollen diese Selbständigen nach sechs Wochen eine mit Arbeitnehmern vergleichbare Unterstützung durch die AUVA erhalten. Und die Mindestbeitragsgrundlage in der Krankenversicherung und in der Pensionsversicherung soll an die Geringfügigkeitsgrenze der Arbeitnehmer angeglichen werden.

FORMAT: Die EPUs stellen schon einen sehr hohen Prozentsatz der Kammermitglieder dar. In ihrer ökonomischen Bedeutung hinken sie aber deutlich hinterher.

Leitl: Das ist wie mit Kindern. Man muss natürlich in sie investieren, damit sie sich gut entwickeln, aber das kostet zunächst viel. Wenn wir das bei den EPUs auch machen, helfen wir dadurch den Arbeitgebern von morgen.

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