Lehman Brothers – Was aus den Skandalbankern wurde

Laut Berichten aus einem unabhängigen Insolvenzreport haben 63 ehemalige Mitarbeiter von Maßnahmen gewusst, mit denen die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers 2008 versuchte, ihre desaströse finanzielle Lage zu verschleiern. 47 von ihnen sind nach wie vor in hohen Positionen in der Finanzwirtschaft tätig. Sie profitieren von der Erholung, die in der Branche eingesetzt hat. Die Bankerboni für 2012 lagen neun Prozent über jenen von 2011, für 2013 wird ein Plus von 20 Prozent erwartet. Frühere Lehman-Manager findet man heute deshalb auf Segelbooten, in der Londoner City oder an der Wall Street.

Lehman Brothers – Was aus den Skandalbankern wurde

John Rhea zählt nicht zu den Ehemaligen, die der Branche treu geblieben sind: Als Chef der Sozialbauverwaltung von New York schlägt er sich mit Dealern, Gangs und Fäkalien in Aufzügen herum. Sein Büro liegt im zwölften Stock der New Yorker Sozialwohnungsverwaltung NYCHA. Die zwei Fensterfronten geben den Blick frei auf die Türme der Wall Street und die Brooklyn Bridge. Leider ist keine Zeit, die Aussicht zu genießen, und auch für Smalltalk nicht.

Der 48-Jährige will eigentlich nur über seine neue Karriere als Chef der NYCHA sprechen. Schließlich lässt er sich aber doch überzeugen, auch auf seine Vergangenheit als Banker Bezug zu nehmen: "Unter einer Bedingung: Sie werden kein negatives Wort von mir über Lehman hören.“

Die Karawane zieht weiter

Fünf Jahre ist es her, dass Lehman Brothers Insolvenz anmelden musste, und damit die größte Wirtschaftskrise seit Ende des Zweiten Weltkrieges auslöste. Lehman beschäftigte damals 28.600 Mitarbeiter, nach der Insolvenz waren es nur noch 170. Es wäre ein Leichtes für Rhea, sich von der Katastrophe zu distanzieren: Er könnte die Geschichte des geläuterten Bankers erzählen, der nun den ärmsten New Yorkern ein Dach über dem Kopf sichert. Die Reform der chronisch defizitären NYCHA gleicht einer Sisyphusaufgabe. Diese Einrichtung verwaltet Sozialwohnungen für rund 650.000 New Yorker.

Schaut man sich an, was aus der restlichen Führungsriege von Lehman geworden ist, bleibt Rhea die große Ausnahme. Vorstandschef Dick Fuld (siehe Karrieren: Lehmans Ex-Elite ) hat sich mit seinen Millionen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nur ganze wenige wie der Österreicher Günther S. in London haben auf die Seite der Behörden und Regulierer gewechselt. Die meisten anderen der ehemaligen Top-Banker haben neue Jobs in der Finanzindustrie gefunden. Sie sind bei anderen Banken oder Fonds untergekommen. Der Österreicher Christian Meissner - eine Woche vor dem Crash war er zum Europa-Chef bestellt worden - arbeitete zunächst für die amerikanische Großbank Nomura, die Lehmans internationale Geschäft übernahm. Seit dem Frühjahr 2012 ist er im Vorstand der Bank of America. Wieder andere haben sich zusammengetan und sich mit Fonds selbstständig gemacht.

Lehman als Opfer der Finanzkrise

Rhea war bei JP Morgan bis er 2004 zu Lehman wechselte. Als Head of Consumer Retail war er für die Geschäftskunden der Bank zuständig. "Meine Abteilung hatte nichts mit den Ursachen der Insolvenz zu tun.“ Er habe schließlich keine faulen Hypothekenkredite zu komplizierten Finanzderivaten geschnürt. "Bis die ersten Presseberichte im Sommer 2008 auftauchten, habe ich nichts von der Schieflage der Bank gewusst“, sagt Rhea. Lehman sieht er als ein Opfer der Finanzkrise.

Dementsprechend habe es auch nichts mit Buße zu tun, dass er 2009 den Job als NYCHA-Chef antrat. Eine Verlegenheitslösung war es auch nicht, denn er hätte bei der britischen Bank Barclays bleiben können, die Lehman in den USA übernahm. Doch er wollte in die Politik. "Das Land steckte in einer Krise, der Regierung kam die wichtigste Rolle zu, die Krise zu beenden“, sagt er. Schon früher war er politisch aktiv. Im Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2008 sammelte Rhea Spenden für Obama, ein Jahr später verhandelte er über einen Regierungsposten.

Doch dann kam ein Angebot des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg. "Meine Familie wollte nicht nach Washington, deswegen erschien mir das als ideale Lösung“, sagt Rhea. Er konnte "eine wichtige Rolle für die Gesellschaft übernehmen“ und trotzdem in New York bleiben.

Der Banker als Wohltäter

Rhea schlug ein Sturm der Entrüstung entgegen, als Bloomberg ihn im Mai 2009 zum Chef von NYCHA ernannte. Ausgerechnet ein Investmentbanker ohne Erfahrung im öffentlichen Dienst sollte die größte Sozialwohnungsverwaltung der USA übernehmen. Es half auch nicht, dass Rhea damals scherzte, er mache den Job sicher nicht fürs Geld. Knapp 150.000 Euro verdient Rhea im Jahr, ein Bruchteil der Millionen als Investmentbanker. Natürlich habe er Einbußen, sagt Rhea, aber ihm mache der Gehaltsverzicht nichts aus. Und sein heutiges Gehalt sei ja nun wahrlich auch kein Hungerlohn.

Nach vier Jahren sind die meisten Kritiker verstummt. "Viele sagten anfangs, weil ich nicht in einer Sozialwohnung aufgewachsen bin, könnte ich die Probleme der Mieter nicht verstehen.“ Dennoch hat Rhea viel erreicht. Das Bundessteuerrecht wurde geändert, so dass Kredite an NYCHA für private Investoren interessant wurden. Er organisierte 32 Millionen Euro, mit denen rund ein Viertel der Gebäude mit Überwachungskameras ausgestattet werden. Die Kriminalitätsrate ist gesunken, Reparaturarbeiten gehen jetzt viel schneller. Trotz dem fehlen noch immer Milliarden, um die alten Wohnblocks zu renovieren.

Mit dem Ende der Bloomberg-Administration endet im Januar aber auch Rheas Amtszeit. Waren die vergangenen vier Jahre sinnstiftender als seine Zeit als Banker? Rhea runzelt die Stirn. "Natürlich habe ich dabei geholfen, New York für den ärmsten Teil der Gesellschaft besser zu machen“, sagt er. Aber als Banker habe er doch einen mindestens genauso wichtigen Beitrag für das Land geleistet. "Ohne Investmentbanken hätten Konzerne keinen Zugang zu Kapital, könnten nicht wachsen und keine Jobs schaffen, die Familien ernähren.“ Das klingt nicht ganz falsch, aber irgendwie auch nicht ganz richtig.

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