Lego erobert das world.wide.web: Das Internetspiel soll Umsätze weiter steigern

Der dänische Steinchen-Konzern, vor drei Jahren noch in ­schweren Turbulenzen, ist heute hochprofitabel und baut nun im Internet eine virtuelle Lego-Welt auf.

Lego-Steinchen sind nicht nur bei Kindern begehrt. Das umstrittene Lego-Kreuz des Objektkünstlers Manfred Erjautz, das anstatt des gekreuzigten Christus ein Lego-Lastauto ziert, wurde am 23. Dezember aus der Wiener ­Jesuitenkirche entwendet. Böse Zungen meinen, dass ­diese Aktion von Lego zwecks medialer Aufmerksamkeit selbst inszeniert wurde. Dabei hat es der dänische Familien­konzern nicht notwendig, durch Negativschlagzeilen von sich reden zu machen (siehe Die Geschichte des Lego-Konzerns ). Lego schreibt gute Umsatzzahlen und satte Gewinne. Die Zeiten blutroter Bilanzen sind vorbei. Verantwortlich für den Trend ins Positive ist der heutige Vorstandsvorsitzende Jørgen Vig Knudstorp (siehe Interview ). Der frühere McKinsey-Mann hat den Konzern nicht nur vor dem Ruin bewahrt, sondern lässt auch mit ständigen Innovationen aufhorchen.

Lego bläst zur virtuellen Attacke
Vor allem mit dem Internetprojekt „Lego Universe“ will Knudstorp die Hauptkonkurrenten Mattel, Hasbro und Playmobil auf dem weltweit 60 Milliarden schweren Spielzeugmarkt demnächst ausbremsen. Das Internet-Game soll Ende 2009 auf den Markt kommen. Lego-Fans können sich dann auf der Internetplattform ( http://universe.lego.com ) zu Teams zusammenschließen, gemeinsam bauen, forschen und Kontakte knüpfen. Lego Universe wird eine „dauerhafte“ Spielwelt sein, die sich durch die Handlungen der Spieler weiterentwickelt. Lego-Finanzchef Sten Daugaard rechnet mit gut einer Million zahlender Lego-Spieler im Netz. Schon jetzt greifen 20 Millionen Besucher im Monat auf die Lego-Homepage zu und verweilen dort bis zu 20 Minuten. Pro Monat wird der virtuelle Lego-Spaß fünf Euro kosten. Ziel: In zehn Jahren sollen die Nutzer mehr als 90 ­Prozent der Lego-Universe-Spielwelt selbst ge­stalten. Die geschätze Investition für das Lego-Computerspiel: 50 Millionen Euro.

Sanierung in Lichtgeschwindigkeit
Knudstorp, der 2004 als erstes Nichtfamilienmitglied den heutigen stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Kjeld Kirk Kris­tiansen als Hauptgeschäftsführer ablöste, genießt das Vertrauen der Familie. 2001 begann er den maroden Klötzchenkonzern in seine Einzelteile zu zerlegen und baute ihn neu zusammen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Der Manager drehte das Minus in Höhe von 242 Mio. Euro nur ein Jahr später in ein Plus von 28 Mio. Die Kernprobleme – eine viel zu breite Produktpalette, zu wenig Innovationen und eine schlecht organi­sierte Wertschöpfungskette – löste er mit Bravour. Die Optimierung der Logistik sparte allein 50 Mio. Euro ein. Im vergangenen Geschäftsjahr schrieb Lego ein Umsatzplus von 2,9 Prozent auf 1,07 Mrd. Euro. Der Gewinn stieg um zehn Prozent auf 190 Mio. Euro. „Am schwierigsten war es, Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass mein Weg der richtige ist“, erzählt Knudstorp. „Ich habe die Produktpalette stark verkleinert und gleichzeitig hohe ­Lager- und Servicekosten gesenkt.“ Zur Veranschaulichung: Bei Lego lieferten damals 30 Produkte 80 Prozent des Absatzes, aber zwei Drittel der Lagerhaltung wurden für Spiele benötigt, die nicht gekauft ­wurden. So wurde Kapital gebunden, das dem Unternehmen für die Expansion und neue Spielprojekte fehlte. Trotz der guten Entwicklung weiß Knudstorp, dass im Jahr 2009 auch Lego kein leichtes Spiel hat. „Wir werden die Abschwächung sicher spüren und entsprechend reagieren.“

Aufgeputzt für den Verkauf?
Reagiert hat der Manager bereits, als er Lego umstrukturierte. Søren Jakobsen, der das Buch „Die Lego-Erben“ schrieb, spekuliert darin, dass die Neuordnung des Konzerns nicht allein dazu diente, wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Vielmehr sei dies auch eine Vorbereitung auf einen möglichen Verkauf des Traditionsunternehmens. Der Mehrheitseigentümer Kjeld Kirck Kristiansen, der in der „Forbes“-Liste auf 6,5 Mrd. Dollar Vermögen taxiert wird, hat drei Kinder, die jedoch nur wenig Interesse an der Weiterführung des Lego-Konzerns haben. Die vierte Generation widmet sich lieber wie deren Vater Kristiansen der Pferdedezucht. Am eigenen „Blue Hors“-Gestüt im süddänischen Randbøl stehen 150 Pferde, vor allem Dänisches Warmblut, Oldenburger, Holsteiner und Hannoveraner. Der jüngste Coup: Kristiansen ­erwarb den Hengst „Larico“ um 1,1 Mio. Euro, den höchs­ten Preis, den ein Junghengst je in Deutschland erzielte.

Von Gabriela Schnabel und Carolina Burger

Industrie 4.0 und das flexiblere Arbeiten: Die Vorzüge der Automatisierung kommen mit verbesserter Kommunikation zwischen Maschinen noch besser zum Einsatz.
 

Business

Wegbereiter einer neuen Industrie

Boom oder Crash? Unternehmen brechen durch die Kämpfe in der Ukraine und im Nahen Osten Exportmärkte weg. In Österreich macht sich die Sorge vor einer neuen Krise breit.
 

Business

Comeback der Krise?

Innovationskraft: Forschung und Entwicklung sind die Grundlage des Erfolgs der heimischen Industriebetriebe.
 

Business

Innovation - der wichtigste Rohstoff