Lego-Boss Knudstorp: „In eineinhalb Jahren können Kinder online Lego spielen“

Der Spielzeugkonzern ist seit seiner Gründung vor 50 Jahren noch immer in Familienbesitz.

FORMAT: Mit welchem Spielzeug haben Sie als Kind am liebsten gespielt?
Jørgen Vig Knudstorp: Natürlich mit Lego. Der Tischtennistisch meiner Eltern war die perfekte Unterlage für die Lego-Welt mit Zügen, Häusern und einem kleinen Meer.

FORMAT: Was lieben Kids heute, bezie­hungsweise auf welche Neuheiten können sich Lego-Fans demnächst freuen?
Knudstorp: Wir sind gerade dabei, die Lego-Plastikboxen mit den diversen Grundsteinen zu erneuern. Geplant sind außerdem ein Schloss und eine Unter-der-Erde-Welt. Sehr beliebt sind auch die Lego-Videospiele. In ein bis eineinhalb Jahren werden wir mit dem Onlinespiel „Lego Universe“ starten. Auf unse­rer Homepage ermöglicht dann eine Onlineplattform, dass etwa ein Kind aus Deutschland mit einem Kind aus Österreich gemeinsam ein Haus im Internet bauen kann.

FORMAT: Sie konnten den Umsatz für den Gesamtkonzern im ersten Halbjahr 2008 um 20 Prozent auf 476,5 Millionen Euro steigern. Werden Sie dieses Wachstum halten können, oder rechnen Sie mit Auswirkungen der Wirtschaftskrise?
Knudstorp: Im Vorjahr ist Lego von diesen Ereignissen verschont geblieben, aber heuer werden wir die Abschwächung sicher spüren. Wir werden den Markt jedoch wöchentlich beobachten und entsprechend reagieren. Was wir bereits bemerkten, ist, dass die Kreditversicherungen die Außenstände unse­rer Händler nicht mehr so leicht ab­sichern. Offenbar sind einige Händler nicht mehr entsprechend liquid.

FORMAT: Welche Rolle spielt Österreich in der Lego-Welt?
Knudstorp: Eine sehr große. Wir haben einen Marktanteil im österreichi­schen Spielwarenhandel von 15 Prozent und sind Marktführer. Etwa tausend österreichische Händler verkaufen Lego.

FORMAT: Sie sind 2004 zu Lego gekommen und haben den Steinchen-Konzern damals vor der Pleite gerettet.
Knudstorp: Ja, das sagen viele …

FORMAT: Was war bei der Restrukturierung für Sie besonders schwierig?
Knudstorp: Die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass mein Weg der richtige ist. Wir hatten eine zu breite Produkt­palette und eine schlecht organisierte Wertschöpfungskette. Das heißt, ich habe die Produktpalette stark verkleinert und damit gleichzeitig hohe Lager- und Servicekosten gesenkt.

FORMAT: … und die gesamte Produktion zur Firma Flextronic ausgelagert.
Knudstorp: Ja, Flextronic hat uns geholfen, die Produktion von Dänemark, der Schweiz und den USA nach Ungarn, Tschechien und Mexiko zu verlagern. Jetzt sind wir jedoch dabei, die Arbeitskräfte wieder zu übernehmen, weil wir so den Güterfluss besser kontrollieren können.

FORMAT: Wie viele Elemente (Steine)produzieren Lego im Jahr?
Knudstorp: 19 Milliarden, das sind etwa 36.000 Steine pro Minute.

FORMAT: Lego gibt es in so gut wie jedem Kinderzimmer weltweit. Wo sehen Sie noch Wachstums­chancen?
Knudstorp: Osteuropa und Russland sind unsere stärksten Hoffnungsträger. Der Absatz ist noch relativ gering, aber der Um­satz wächst in diesen Ländern im Schnitt um 20 Prozent pro Jahr.

FORMAT: Danke für das Gespräch.

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