LEDs sollen Glühbirnen ablösen

LEDs sollen Glühbirnen und Energiesparlampen ablösen. Die treibende Innovationskraft kommt aus kleinen Start-ups, die mit revolutionären Produkten die Branchengiganten unter Druck setzen.

Die Glühbirne hat ausgedient: Im Energiespar-Zeitalter wird dem 130 Jahre alten Lichtspender jetzt endgültig der Saft abgedreht. In Europa und den USA werden Birnen, die über einen Glühdraht Licht erzeugen, per Gesetz aus dem Handel verbannt. Der Umstieg auf Energiesparlampen stößt jedoch auf Widerstand: Schwächere Leuchtstärke, eine als unangenehm empfundene Lichtfarbe und handfeste Gesundheits- und Entsorgungsbedenken aufgrund des hochgiftigen Quecksilbers sorgen bei Konsumenten zunehmend für Verunsicherung und Ärger.

Nun setzt die Branche ihre gesamten Hoffnungen auf die LED – die Licht emittierende Diode. Noch sparsamer und noch langlebiger soll das Licht aus den winzigen Halbleiter-Dioden sein – und dafür sollten Konsumenten auch bereit sein, 40 Euro und mehr für eine einzige Birne auszugeben.

Blitzstarter

Die anfängliche Goldgräberstimmung der großen Leuchtmittelhersteller wird jedoch durch unerwartete Konkurrenz gedämpft: Da sich LEDs technologisch der Halbleitertechnik aus der IT-Industrie bedienen, hat man den Unternehmergeist von Silicon Valley auf sich aufmerksam gemacht. Kleine Start-ups schießen in den USA wie Pilze aus dem Boden, die mit Innovation und neuen Denkansätzen ein Stück vom 20-Milliarden-Euro-Markt abhaben wollen. Bereits 2010 erwirtschaftete die Licht-Branche mit dem Verkauf von LED-Lampen weltweit rund 491 Millionen Dollar – ein Wert, der sich nach Einschätzung der Wirtschaftsexperten des Marktforschungsinstitutes GfK in den kommenden fünf Jahren auf über zwei Milliarden Dollar verfünffachen soll.

Weltweit sind es bis heute drei Unternehmen, die den Markt für alles, was leuchtet, unter sich aufgeteilt haben: Philips, Osram und der noch von Thomas Edison gegründete US-Konzern General Electric (GE) gebieten zusammengenommen über knapp 90 Prozent des Weltmarktes. Kaum ein anderer Industriesektor konnte in den vergangenen 100 Jahren so konstant und unbehelligt seinen Geschäften nach gehen – kein Wunder, dass man sich hier nicht ins Handwerk pfuschen lassen will. Es geht um eine Menge Geld und um ein enormes Potenzial, das prognostizierte 4,5 Prozent Marktwachstum pro Jahr verspricht. Doch die einbetonierte Dominanz beginnt nun endgültig zu bröckeln.

Licht 2.0

Auf der weltgrößten Messe für Lichttechnik, der Lightfair, drehte sich heuer in Philadelphia alles um LED. Obwohl Philips, Osram und GE mit einer Unmenge an neuen Leuchtobjekten auf opulenten Messeständen die Gemüter der 24.000 Besucher erhellen wollten, waren es die kleinen Start-ups, die den Großen die Show stahlen.

Ganz vorne im Rampenlicht stand Brett Sharenows Unternehmen Switch, das mit seinen revolutionären Leuchtkörpern zum High-Light der Messe avancierte. Dem jungen Team scheint es tatsächlich geglückt zu sein, eines der großen Probleme der LED-Beleuchtung zu knacken. „Das Hauptproblem von LEDs ist: Sie leuchten nicht sehr hell. Wenn ich also eine LED herstellen will, die der Helligkeit einer 100-Watt-Glühbirne entspricht, muss ich sehr, sehr viele kleine LEDs in das Lampengehäuse quetschen“, erklärt Sharenow. Statt vieler schwacher LEDs setzt er bei seinen Switch-Birnen auf wenige, sehr helle LEDs. „Das Problem, dass sie schnell durchbrennen, wenn man ihnen höhere Lichtstärken abverlangt, haben wir jetzt gemeistert: Unsere LED-Leuchte wird mit Wasser gekühlt.“

Seine Switch-Bulb erinnert auf den ersten Blick an eine Schneekugel: eine mit einer klaren Flüssigkeit gefüllte Glaskugel – im Inneren sitzt ein Ring aus kleinen LED-Chips, die beim Einschalten ein wohliges Licht verströmen, das mit dem einer Glühbirne praktisch identisch ist. „Durch unsere Kühltechnik haben wir es geschafft, die erste LED zu erzeugen, die so hell ist wie eine 100-Watt-Birne“, sagt Sharenow stolz, „und das bei einem Preis von unter 30 Dollar und einer Lebensdauer von 18 Jahren.“ Der Kaufpreis soll sich laut Sharenow schon innerhalb des ersten Jahres amortisieren, „weil unsere LED nur ein Siebtel des Stroms einer normalen Glühbirne verbraucht“.

Neben Langlebigkeit, Energieeffizienz und Leuchtstärke sehen Experten bei der Switch-Bulb vor allem die warme, natürliche Lichtfarbe als Killerargument für Konsumenten. Das Licht der klassischen Glühbirne empfinden wir nämlich als ausgesprochen beruhigend und angenehm. Den Grund dafür kennt Psychologe Eugen Hotwagner: „Seit die Menschheit das Feuer gezähmt hat, sind wir an das charakteristische Leuchten von brennendem Holz gewöhnt und verbinden damit Sicherheit und Wärme. Diese jahrtausendelange Konditionierung ist nicht spurlos an uns vorübergegangen, weshalb wir heute Leuchtmittel, die ein Licht aussenden, das dem Spektrum von Feuer sehr ähnlich ist, als besonders angenehm empfinden.“ Genau hier hat die Switch-Bulb derzeit klar die Nase vorn.

Der Preis von 30 Dollar (rund 22 Euro) – sofern er bis zur Markteinführung Anfang 2012 nicht noch angehoben wird – setzt die Platzhirsche des Licht-Business ordentlich unter Zugzwang. Liegen LED-Lampen mit 60-Watt-Äquivalent doch in der Regel bei rund 40 Euro oder mehr.

Noch einen Schritt weiter in Sachen Preisdruck geht das Unternehmen Lighting Science Group (LSG) aus Florida: Mit seiner 60 Watt entsprechenden LED-Lampe unterschreitet es erstmals die Grenze von 20 Dollar. Damit kosten die LEDs von LSG gerade einmal die Hälfte gängiger Markenprodukte. Dennoch verspricht LSG eine Haltbarkeit von rund 23 Jahren.

Revierverhalten

Die Schwergewichte der Leuchtmittelindustrie wollen das Feld klarerweise jedoch nicht kampflos räumen. Sie gehen bereits jetzt mit harten Bandagen gegen die drängende Konkurrenz aus der Halbleiterecke vor. Mehrmals soll beispielsweise Osram im Rahmen der Lightfair versucht haben, den Stand von Switch wegen vermeintlicher Patent- und Urheberrechtsverletzungen schließen zu lassen.

Etwas weniger rabiat verhält sich die Nummer eins am Licht-Markt, Philips. Hier will man in erster Linie auf Aufklärung setzen. „Konsumenten brauchen keine Angst zu haben – mit LED und auch Halogenlampen gibt es genügend Alternativen zur klassischen Glühbirne“, so Philips-Pressesprecherin Ingun Metelko.

Die lichtstarke Konkurrenz aus den USA sieht man hier sogar sportlich und hält die aggressiven Preisankündigungen „schon für eine echte Ansage“.

– Jan Fischer

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