LED-Markt: Der Kampf um das Licht

Der Kampf um Marktanteile im Geschäft mit Licht ist voll entbrannt. Die Vorarlberger Zumtobel AG will künftig ein Drittel ihres Umsatzes mit der neuen LED-Technologie generieren.

Weil herkömmliche Glühbirnen in der EU 2012 ausgeknipst werden, hat in der Leuchtenbranche das Wettrüsten begonnen. Und da auch dem aktuellen Nachfolgeprodukt Energiesparleuchte wegen technischer Eigenheiten und gesundheitlicher Bedenken kein langes Leben beschieden sein dürfte, setzen die Marktführer auf LEDs. Diesen auf Halbleiterkristallen basierenden Leuchtkernen, so der allgemeine Tenor, gehört die Zukunft.

Die Vorteile der LED-Leuchten liegen auf der Hand: Sie benötigen um 90 Prozent weniger Energie als herkömmliche Glühbirnen und halten 25-mal so lange – ein kleiner Schritt also zum ewigen Licht. Anders als Energiesparlampen nehmen sie auch keinen Schaden, wenn sie Tausende Male ein- und ausgeschaltet werden. Branchenkenner Pedram Payami von EFG Financial Products: „In der Branche wird das Säbelrasseln immer lauter. LED-Leuchten werden jetzt für den Massenmarkt vorbereitet. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die Kosten gesenkt werden und der Durchbruch gelingt.“

Das Wachstumspotenzial der modernen Leuchtmittel ist jedenfalls enorm: 60 Prozent des heute benutzten Kunstlichts sind ineffizient, 30 Prozent der Straßenbeleuchtung in Europa sind älter als 20 Jahre und basieren auf einer Technologie aus den 1960er-Jahren. Vor allem bei Dauerein­satz kommt die LED-Technologie daher immer häufiger zum Zug. Payami: „Die LED-Branche wird pro Jahr voraussichtlich um 30 Prozent wachsen.“ 2010 wurden weltweit bereits rund sieben Milliarden Euro mit LED-Beleuchtung umgesetzt.

Wachstumsmotor  

Der globale Run auf die neue Technik macht den Beleuchtungssektor daher auch zu einem immer wichtigeren Abnehmer von LED-Chips. 2012 sollen bereits 40 Prozent der weltweit produzierten Chips bei Leuchtkörpern zum Einsatz gelangen.

Diesen Trend will auch der heimische Leuchtenkonzern Zumtobel nicht verpassen. „Derzeit macht LED-Beleuchtung knapp zehn Prozent des Umsatzes aus. Bis 2014/15 soll der Anteil auf ein Drittel steigen“, erklärt Vorstandschef Harald Sommerer im soeben präsentierten Fünfjahresplan. Um das ambitionierte Ziel zu erreichen, werden 2012 rund 80 Millionen Euro investiert. Sommerer: „Danach werden wir jährlich rund 5,5 Prozent des Umsatzes für Innovationen aufwenden.“

Bislang konzentrierte sich das in Dornbirn ansässige Unternehmen vor allem auf den europäischen Markt. Aber das soll sich jetzt ändern. „Wir wollen uns in den USA und in China, wo wir bisher nur Prestigeprojekte übernommen haben, breiter aufstellen“, so der Zumtobel-Boss. Konkurrenz aus China braucht er noch nicht zu fürchten, denn die Stärke von Zumtobel liegt nicht in der Chipproduk­tion, sondern darin, die Chips mit der richtigen Technik auszustatten. Sommerer: „Das Geheimnis unseres Geschäfts ist die Ansteuerung der LED-Leuchten. Hier geht es vor allem um das Know-how, das in den Chip implementiert wird.“

Preise rasseln nach unten  

Zuletzt profitierten Leuchtenhersteller wie Zumtobel vom Preisverfall bei LED-Chips. Christian Rössing, Branchen-Analyst der Schweizer Privatbank Vontobel: „Im Schnitt sind die Preise für LED-Chips pro Jahr um 20 Prozent gefallen. Damit werden LED-Leuchten zunehmend wirtschaftlicher.“ Der globale Beleuchtungsmarkt ist rund 50 Milliarden Euro schwer. Allein 25 Prozent entfallen auf den Bedarf privater Haushalte. Das eröffnet entsprechend großes Sparpotenzial, was den Energieverbrauch betrifft, doch vorläufig noch nicht bei den Kosten. Im Vergleich zu herkömmlichen Glühbirnen sind die Hightech-Strahler immer noch sehr teuer. Sommerer: „Glühlampen kosten ein bis zwei Euro. Eine LED-Leuchte, die einer 60-Watt-Glühbirne entspricht, kommt auf etwa 40 Euro.“ Damit das Preisniveau für Private attraktiver wird, müssten LED-Chips noch einmal um rund 50 Prozent günstiger werden, schätzt Vontobel-Analyst Rössing. Im gewerblichen Dauereinsatz amortisiert sich Spotbeleuchtung mit LED-Strahlern jedoch bereits nach zwei bis drei Jahren. Sommerer: „Mittels intelligenter Lichtsteuerung können wir etwa in Baumärkten den Stromverbrauch für Licht um 65 bis 80 Prozent senken.“

Mit einer Preisreduktion im Endkundenmarkt rechnet Stephan Seitz, Gründer und Geschäftsführer des LED-Leuchten-Anbieters 16east: „Die Kosten von LED-Leuchten für private Haushalte werden in den nächsten Jahren bis zu 25 Prozent sinken.“ Seine Leuchtmittel sind mittlerweile in allen Obi-Märkten und teils auch bei Interspar, Pagro und MediaMarkt/Saturn erhältlich, was den Absatz auf jährlich über 500.000 Stück gepusht hat.

Zumtobel ist seit Sommer 2009 mit LED-Leuchten unter dem Namen „Retrofit“ bei Interspar und in Baumärkten vertreten. Sommerer: „Am WC dürfen private Haushalte eine LED-Lampe nicht montieren, da würde sie sich nie rechnen. Aber überall, wo das Licht ständig brennt, hat man den höheren Anschaffungspreis bereits nach zwei bis drei Jahren herinnen.“

Carolina Burger

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