Land der Unternehmensgründer

Land der Unternehmensgründer

Die Zahl der Jungunternehmer hat sich in Österreich in zehn Jahren verdoppelt. Bessere soziale Absicherung, mehr Information und Unterstützung helfen beim Sprung in die Selbständigkeit. Und Crowdfunding könnte neue Finanzierungswege öffnen.

Unternehmertum ist ein wichtiger Motor der österreichischen Wirtschaft. Und neben den erfolgreichen heimischen Großunternehmen und den Klein- und Mittelbetrieben ist die immer stärker wachsende Zahl der Ein-Personen-Unternehmen (EPU) ein wichtiger Antrieb für Wachstum in unserem Land. Diese Jungunternehmer müssen besonders flexibel, wendig und leistungsorientiert sein. Sie gehen ein hohes Risiko ein. Doch die neuen Austro-Entrepreneure können sich auf ein zunehmendes Maß an Unterstützung und sozialer Absicherung verlassen.

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl streicht die wichtigsten Leistungen für die EPUs hervor: "Wir haben im sozialen Bereich gerade zuletzt eine Reihe von Verbesserungen erreicht. So wurde nach vielen Jahren das Wochengeld für Unternehmerinnen verdoppelt und nun dem Niveau der Unselbständigen angepasst. Es beträgt nun 50 Euro. Dies ist eine große Errungenschaft für selbständige Frauen, denn der bisherige Betrag lag bei rund 27 Euro. Auch das nun fixierte Krankengeld für Selbständige trägt wesentlich zur sozialen Absicherung der Unternehmerinnen und Unternehmer in Österreich bei. Bereits umgesetzt wurden etwa die kostenlose Arbeitslosenversicherung für Unternehmer, die vor der Selbständigkeit angestellt waren, die Abfertigung Neu in Form der Selbständigenvorsorge oder die Halbierung der Selbstbehalte von 20 auf 10 Prozent in der Krankenversicherung bei aktiver Gesundheitsvorsorge.“

Gründerboom

Österreich wird immer mehr zu einem Land der Unternehmer - speziell der Kleinunternehmer. EPUs prägen das Bild der Unternehmenslandschaft in Österreich stärker denn je: Mehr als 54,6 Prozent aller Unternehmen sind EPUs. Diese Entwicklung ist ein Resultat des Wandels von einer industriellen, von Großunternehmen geprägten Ökonomie hin zu einer Wissensökonomie. In dieser finden auch kleinste Unternehmen ihren Platz. Sie haben Zugriff auf neueste Technologien und können ihre Talente und ihre speziellen Fähigkeiten hervorragend zur Geltung bringen.

Stagnierten Mitte der Neunzigerjahre die Unternehmensneugründungen noch bei rund 14.000 pro Jahr, gab es im Vorjahr satte 35.279 Neugründungen. Die Hochrechnungen gehen für 2012 vom selben Niveau aus. Das größte Volumen machen Einzelunternehmer aus - im ersten Halbjahr 2012 lag deren Anteil bei 82,7 Prozent. Dahinter folgt die Rechtsform der GmbH, die auf 8,2 Prozent kommt. Aufgrund des höheren Finanzbedarfs ist der Anteil größerer Kapitalgesellschaften deutlich geringer.

Bei den Sparten liegen Gewerbe und Handwerk an der Spitze. Mehr als die Hälfte der Neugründungen findet in diesem Bereich statt. Dahinter liegen Handel, Information und Consulting sowie Tourismus und Freizeitwirtschaft. Ermutigend ist die Altersstruktur: Im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2011 konnten die 20- bis 30-Jährigen hier weiter zulegen und haben bereits einen Anteil von 23,6 Prozent. Unternehmer im Alter zwischen 30 und 40 Jahren sind die Mehrheit.

Motive der Unternehmer

Die verstärkte Unterstützung erleichtert den Schritt in die Selbständigkeit. Dieser geschieht oft nicht nur freiwillig. Aber es gibt eine Vielzahl von Motiven, die zum Schritt in die Selbständigkeit führen: Fast 66 Prozent wollen das Ausmaß an Verantwortung, das sie als Angestellter zu tragen hatten, in ihr eigenes Unternehmen einbringen. Auch die Flexibilität in der Zeit-und Lebensgestaltung ist wichtig - besonders für Frauen.

Die Vorsitzende der Interessenvereinigung Frau in der Wirtschaft, Adelheid Fürntrath-Moretti, über die Motive von Frauen als Unternehmerinnen: "Frauen definieren Erfolg anders als Männer. Sie wollen nicht um jeden Preis wachsen. Ein ausreichendes Einkommen bei ausgewogener Work-Life-Balance ist für sie wichtig. Unternehmerinnen benötigen natürlich bessere Rahmenbedingungen, etwa was die Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen anlangt.“ Für Männer und Frauen gleich bedeutend ist das Motiv, endlich sein eigener Herr zu sein. Rund 60 Prozent der Jungunternehmer bekennen sich dazu.

Wirksame Unterstützung

Die neuen Unternehmensgründer können bei ihrem mutigen Schritt auf die Unterstützung der Wirtschaftskammer bauen. Präsident Christoph Leitl weist dazu auf die Initiativen für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) hin: "Die WKO hat sich für eine Reihe von Maßnahmen eingesetzt, die 2013 in die politische Umsetzung kommen. Dazu zählt die Verlängerung der Schwellenwerte-Verordnung, mit der Bund, Länder, Gemeinden und öffentliche Institutionen Aufträge bis 100.000 Euro direkt vergeben können. Damit erspart sich die öffentliche Hand teure und langwierige Vergabeverfahren, und KMUs können Aufträge einfacher und rascher erhalten.“

Alternative Finanzierungen

Besonders die Finanzierung des Sprungs in die Selbständigkeit ist ein wichtiges Thema. Die EU-Regeln von Basel III schränken die Kreditvergaben der Banken deutlich ein. Junge Unternehmensgründer stehen deshalb vor erheblichen Schwierigkeiten, die nur zum Teil durch Jungunternehmerfonds und Förderungen abgemildert werden können. Daher fordert Markus Roth, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft, bessere Möglichkeiten für alternative Finanzierungsformen in Österreich. Insbesondere der neue Trend Crowdfunding (Schwarmfinanzierung; mehrere Personen stellen dazu unkompliziert Kapital zur Verfügung) würde hier neue Möglichkeiten bieten (siehe Interview ). Roth fordert mehr Sicherheit und Planbarkeit für diese neuen Finanzierungsformen und sieht bei rascher Umsetzung die Chance für Österreich, in dem Bereich als europäischer Vorreiter zu fungieren.

Aber auch die Wirtschaftskammer und ihre Teilorganisationen wie Frau in der Wirtschaft oder Junge Wirtschaft beraten bei Finanzierungsfragen und darüber hinaus. Zu Themen wie Kapitalbeschaffung, bestmögliche Rechtsformen oder Förderungen bieten sie eine breite Palette von Informationen (siehe "Service Offensive zur Unternehmensgründung" ).

Bekenntnis zu Unternehmertum

Aber auch die Politik ist gefordert, ein unternehmerfreundliches Umfeld in Österreich zu schaffen. Mithilfe der Wirtschaftskammer konnte schon viel für die Leistungsfähigkeit der Selbständigen erreicht werden: Steuervorteile, Schwellenwertverordnung, Jungunternehmerfonds, soziale Absicherung. Wichtig ist jedoch auch ein Bekenntnis zum Unternehmertum und seiner enormen volkswirtschaftlichen Bedeutung.

Das Jahr 2013 wird nach realistischer Einschätzung aller Konjunkturexperten von Industriellenvereinigung, Oesterreichischer Nationalbank und Wirtschaftsforschungsinstituten kein leichtes werden. Vor allem im ersten Halbjahr dürfte sich das Wachstum unter dem Ein-Prozent-Bereich bewegen. Umso wichtiger sind begeisterte und tatendurstige Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen, Bildung forcieren und für Innovationen und Forschung sorgen. Eigenverantwortliches wirtschaftliches Handeln ist der beste Konjunkturmotor. Dabei spielt es keine Rolle, ob man EPU oder börsennotierte Aktiengesellschaft, Jungunternehmer oder etablierter Vollprofi, Mann oder Frau ist.

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